Fetzelhofen

"Der Biber muss weg..."

Im Lonnerstadter Ortsteil Fetzelhofen sorgen die Dämme des Nagetiers für Unmut.
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Stefan Himpel und Hermann Popp (v.l.) an einer von Bibern abgenagten Trauerweide in Fetzelhofen. Unter der Brücke am Ortseingang (rechts) haben die Nagetiere ihren Biberdamm gebaut.  Fotos: Andreas Dorsch
Stefan Himpel und Hermann Popp (v.l.) an einer von Bibern abgenagten Trauerweide in Fetzelhofen. Unter der Brücke am Ortseingang (rechts) haben die Nagetiere ihren Biberdamm gebaut. Fotos: Andreas Dorsch
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Andreas Dorsch Es ist erst wenige Jahre her, da galt der Biber in unseren Breiten praktisch als ausgerottet. Unter Schutz gestellt, hat sich dieses Nagetier in Franken inzwischen wieder so vermehrt, dass es in vielen Regionen zur Plage geworden ist. Auch an der Kleinen Weisach im Gemeindegebiet von Lonnerstadt treiben Biber ihr Unwesen. Das vor allem im Ortsteil Fetzelhofen in einer Art, die immer mehr Bürger sagen lässt: "Der Biber muss weg!"

In Fetzelhofen bauen Biber nun schon zum wiederholten Mal einen Biberdamm genau unter der Brücke über die Kleine Weisach am Ortseingang und einen zweiten weiter oben. Die Dämme stauen den kleinen Fluss auf und erhöhen die Hochwassergefahr für den Ort deutlich. "Über Weihnachten ist die Kleine Weisach so in einer Nacht um 20 Zentimeter angestiegen", hat Gemeinderat Hermann Popp aus Fetzelhofen gemessen.

Gefahr für die Pumpanlage

Popp sieht inzwischen keine andere Möglichkeit, als den Biber zu entfernen. Lonnerstadts Bürgermeister Stefan Himpel (FW) hat er da auf seiner Seite. Himpel fürchtet in erster Linie, dass das vom Biber aufgestaute Wasser die neben der Brücke liegende Pumpanlage für die Abwasserleitung außer Kraft setzen könnte und dann das Abwasser aus Fetzelhofen nicht mehr abfließen würde.

Ihre Fähigkeiten im Dammbau stellen die Fetzelhofener Biber immer wieder unter Beweis. Seit Herbst vergangenen Jahres hat die Gemeinde die im Flusslauf aufgetürmten Äste schon zweimal entfernen lassen. Die Biber hält das aber nicht davon ab, mit dem Dammbau von vorne zu beginnen.

Um die Überschwemmungsgefahr für Fetzelhofen zu bannen, würden Himpel und Popp die hier aktiven Biber am liebsten zum Abschuss freigeben. "Die Entscheidung liegt leider nicht bei uns, wir sind nur für die Schadensbehebung zuständig", sagt der Bürgermeister.

Für vom Biber angerichtete Schäden hat Lonnerstadt jüngst erst wieder 240 Euro ausgeben müssen. Die mächtigen Trauerweiden, die dem Kriegerdenkmal in Fetzelhofen einen passenden Rahmen gaben, mussten aus Sicherheitsgründen gefällt werden, weil die Stämme von den Bibern schon weitgehend abgenagt waren. Überhaupt haben die Biber an den Gehölzen rund um ihren Damm unter der Brücke ordentlich gewütet.

Hindernisse dürfen raus

Die Hindernisse im Flusslauf darf die Gemeinde jederzeit wieder beseitigen. Wenn es aber um Abschussgenehmigungen geht, ist das Landratsamt Erlangen-Höchstadt zuständig. Dem hat Bürgermeister Himpel vor Weihnachten die Situation und seine Bedenken geschildert, eine Antwort steht aber noch aus.

Der für die Kleine Weisach zuständige Biberberater Heinrich Dietsch aus Dachsbach hat die Biberdämme in Fetzelhofen ebenfalls bereits inspiziert. "Ich versuche, zwischen dem Biber und den Menschen zu vermitteln", verrät der Fachmann, der im Auftrag des Landratsamtes Erlangen-Höchstadt berät. Abschussgenehmigungen gebe es in gewissen Fällen, wenn ein wirtschaftlicher Schaden zu erwarten ist. Das gelte aber nur für Teichanlagen. In Fetzelhofen schlägt er vor, Rohrleitungen durch den Damm zu legen und ihn eventuell auch um die Hälfte abzutragen. Dann müsse man sehen, wie der Biber reagiert. Eine "Entnahme" der Nagetiere wäre für den Biberberater die letzte Möglichkeit.

An der Aisch und ihren Nebenflüssen haben sich Biber längst wieder ausgebreitet. Mittlerweile erstrecken sich die Reviere der Biberpärchen über die kompletten Flussläufe. Nachkommen suchen sich ihre Lebensräume immer häufiger an Karpfenteichen, sehr zum Ärger der Teichwirte. Sie können allerdings Abschussgenehmigungen bekommen - die Gemeinde Lonnerstadt tut sich da mit der Kleinen Weisach schwerer.

Knapp zwei Kilometer flussabwärts von Fetzelhofen liegt die Lonnerstadter Kunstmühle der Familie Bruckmann. Auch hier ist der Biber bereits Dauergast. Wie Paul Bruckmann berichtet, wurde die Kleine Weisach hier schon mal einen halben Meter angestaut oder ein Kahlschlag am Ufer verursacht. Bruckmann sieht die Lage entspannt, solange der Biber keine Schäden anrichtet.

Aber ordentlich erschrecken können ihn die einschließlich Schwanz bis zu 1,40 Meter lang werdenden Tiere aber doch. Als er vergangene Woche nachts mit seinem Hund spazieren war sprang ein Biber neben ihm ins Wasser. Es hat geplatscht, "wie wenn man einen Mehlsack reinwirft".

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