Coburg
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Der Austausch der Kulturen zwischen dem englischen Königshaus und Coburg

Die Sonderausstellung "Typisch British, very deutsch. Victoria & Albert als Kulturvermittler" widmet sich dem Kulturtransfer zwischen Deutschland und England im Victorianischen Zeitalter. Am Sonntag w...
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Die Sonderausstellung "Typisch British, very deutsch. Victoria & Albert als Kulturvermittler" wurde am Sonntag durch Coburgs Dritten Bürgermeister Thomas Nowak in Anwesenheit von Albert und Victoria und Museumsleiterin Christine Spiller eröffnet.  Foto: Desombre
Die Sonderausstellung "Typisch British, very deutsch. Victoria & Albert als Kulturvermittler" wurde am Sonntag durch Coburgs Dritten Bürgermeister Thomas Nowak in Anwesenheit von Albert und Victoria und Museumsleiterin Christine Spiller eröffnet. Foto: Desombre

Die Sonderausstellung "Typisch British, very deutsch. Victoria & Albert als Kulturvermittler" widmet sich dem Kulturtransfer zwischen Deutschland und England im Victorianischen Zeitalter. Am Sonntag wurde sie im Puppenmuseum durch den Dritten Bürgermeister Thomas Nowak eröffnet.

Sich an Queen Victoria und Prinz Albert, die beide heuer ihren 200. Geburtstag feiern, zu erinnern, ist in Coburg durchaus eine lebendige Tradition. Als die erst 18-jährige Victoria 1837 den britischen Thron bestieg, habe sie ein schweres Erbe angetreten, sagte Nowak zu Beginn seiner Rede. Es seien politisch turbulente Zeiten gewesen, und das öffentliche Ansehen der königlichen Familie hätte einen Tiefpunkt erreicht gehabt, sagte der Bürgermeister. Victoria sei nicht als Thronerbin vorgesehen gewesen und nicht dafür ausgebildet worden.

Sie habe auf den Rat des Premierministers William Lamb, Viscount Melbourne, und den ihres Onkels, des belgischen Königs Leopold I., vertraut. Durch dessen Vermittlung hatte sie im Oktober 1839 ihren gleichaltrigen Cousin Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha - gemeinsamer Großvater war Herzog Franz Friedrich Anton von Sachsen-Coburg-Saalfeld -, kennengelernt, und schon im darauffolgenden Februar fand die Hochzeit statt. Die Ehe, aus der zwischen 1840 und 1857 neun Kinder hervorgingen, verlief überaus glücklich und harmonisch, berichtete Nowak. "Victoria und Albert galten als erstes Traumpaar der britischen Monarchie", so der Dritte Bürgermeister.

Es gab durchaus Vorurteile

Der Prinzgemahl musste allerdings als "deutscher Import" Vorurteile des englischen Adels durch Fleiß und Charme widerlegen. Er verabscheute den Londoner Gesellschaftsrummel, opferte für die Heirat seine Heimat Coburg sowie das Zusammensein mit Freunden und die Ruhe seiner Studierstube. Vom Stadtleben und vom Buckingham Palace hielt das Königspaar wenig. Es bezog Windsor Castle in Berkshire und kaufte Osborne House auf der Isle of Wight sowie Schloss Balmoral in Schottland.

"Als Ehemann war Albert die prägende rechte Hand der von 1837 bis 1901 regierenden Queen, beriet und vermittelte nicht nur in Staatsaufgaben, avancierte geradezu zum ,heimlichen König‘ und war das natürliche Familienoberhaupt und der Erzieher der Kinder", so Nowak. Er brachte unter anderem die erste Weltausstellung 1851 nach London. In der Sonderausstellung ist das Schaustück "Volksfest in der Rosenau" zu sehen. Die Eisenbahnfreunde Coburg - Steinachtalbahn bauten ein Modell des verschollenen Originals auf der Basis der Original-Skizzen nach.

Die Ausstellung biete, so Nowak weiter, auch Gelegenheit, einige Objekte aus dem Bestand der Städtischen Sammlungen Coburg der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dieses Mal sind es vor allem Grafiken, die insgesamt einen großen Teil der im Depot verwahrten Sammlungen ausmachen.

Die Besucher der Sonderausstellung werden mehr erfahren vom biografischen Hintergrund: nicht nur über Victoria und Albert, sondern auch darüber, was very british oder typisch deutsch ist. Dabei geht es um einen kritischen Umgang mit stereotypen Vorstellungen über "die Deutschen" und "die Engländer", es geht um Alltagsdinge wie das WC und Festlichkeiten wie Weihnachten oder auch um die deutschen Dachshunde am englischen Hof. Der Festredner dankte den Leihgebern Deutsches Spielzeugmuseum Sonneberg, Friedrich-Fröbel-Museum Bad Blankenburg, Kunstsammlungen der Veste Coburg, Landesbibliothek Coburg, Staatsarchiv Coburg, dem Modellbau der Eisenbahnfreunde Coburg - Steinachtalbahn sowie der Initiative Stadtmuseum Coburg für die Mitarbeit.

Museumsleiterin Christine Spiller beleuchtete die Hintergründe der Ausstellung. Spielzeug von Victoria und Albert habe es ebenso nicht gegeben wie Spielzeug aus England. Schließlich sei das Grobkonzept für eine Ausstellung zum Kulturaustausch zwischen England und Deutschland in der Zeit von Albert und Victoria gestrickt gewesen, erinnerte Spiller. Rupert Appeltshauser von der Initiative Stadtmuseum habe einen Beitrag zur Weltausstellung und dem dort gezeigten Schaustück "Das Volksfest in der Rosenau" angeboten. Damit habe das Thema festgestanden, sagte Christine Spiller.

Die Ausstellung Ausstellung "Typisch British, very deutsch. Victoria & Albert als Kulturvermittler" ist bis zum 8. September 2019 zu sehen. des

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