Haßfurt

"Der Alkohol lässt mich nicht los"

Eine Promillefahrt hätte einen 30-Jährigen beinahe ins Gefängnis gebracht. Das Haßfurter Amtsgericht gewährt eine letzte Chance für den Serientäter, der wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist.
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"Ist dem Mann noch zu helfen?", fragte Richterin Ilona Conver am Mittwoch etwas ratlos während eines Strafprozesses im Amtsgericht in Haßfurt gegen einen 30-Jährigen aus dem Steigerwald. Der Arbeiter saß wieder einmal auf der Anklagebank des Amtsgerichts. Denn trotz laufender Bewährung hatte sich der Angeklagte am 13. November vergangenen Jahres nach Mitternacht hinter das Steuer seines Autos gesetzt - ohne Führerschein, aber mit rund einem Promille Alkohol intus. Sein Ziel war eine Tankstelle. "Der Alkohol lässt mich nicht los. Ich wollte zum Tanken - aber nicht das Fahrzeug", gab er vor Gericht offen zu.


In eine Kontrolle geraten

Seine Absicht war es, Alkohol zu kaufen. Doch weit kam er nicht. In Oberaurach wurde er von einer Polizeistreife angehalten, die eine allgemeine Verkehrskontrolle durchführte. Sein Führerschein befinde sich in seinem alten Auto, gab er an. Eine Unwahrheit: Denn seit einer Trunkenheitsfahrt mit 2,16 Promille in Lohr am Main im September 2017 befand sich der Führerschein bei der Staatsanwaltschaft in Würzburg.
Die Polizeibeamten bemerkten Alkoholgeruch. Sie nahmen den Fahrer mit auf die Dienststelle, wo sie die Alkoholisierung feststellten. Es war nicht das erste Mal, dass der Angeklagte eine Polizeiwache von innen sah. Seit er mit 14 Jahren strafmündig wurde, kam er mit dem Gesetz in Konflikt. Beleidigung, Diebstähle, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Entfernen vom Unfallort stehen im Bundeszentralregisterauszug des Angeklagten; 13 Eintragungen sind dort vermerkt.
Nummer 14 folgte am Mittwoch. Die Richterin verurteilte den Serientäter zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten, die sie nur deshalb für drei Jahre zur Bewährung aussetzte, weil der Angeklagte im Juli eine Alkoholtherapie antritt. Sollte er diese insgesamt 15 Wochen dauernde Therapie nicht durchziehen, droht ihm ein Bewährungswiderruf und damit Knast. "Beim nächsten Mal ist Schicht im Schacht", redete Conver dem Verurteilten ins Gewissen.


Bereits rechtskräftig

Die Staatsanwältin hatte zuvor eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten gefordert sowie ein sechsmonatiges Fahrverbot. Verteidiger Jens Urban sprach von einer "sinnlosen Fahrt zur Tankstelle" und bat das Gericht darum, seinem Mandanten noch eine Chance zu geben.
Das letzte Wort hatte der Angeklagte: "Ich möchte nicht ins Gefängnis", sagte er. Die Richterin erfüllte ihm den Wunsch. Das Urteil ist rechtskräftig.
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