Bad Staffelstein

Der 9. November des Mr. Tagesschau

Der Chefsprecher der ARD-Tagesschau erzählte in Bad Staffelstein viel von seinem Beruf, wie er mit Meldungen umgeht und welche Nachricht es ihm besonders angetan hat.
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Jan Hofer beim TV-Interview: Alle Medien interessierten sich nach dem Vortrag für die Arbeit des "Mr. Tagesschau".  Fotos: Monika Schütz
Jan Hofer beim TV-Interview: Alle Medien interessierten sich nach dem Vortrag für die Arbeit des "Mr. Tagesschau". Fotos: Monika Schütz
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Man kennt ihn. Man wartet auf ihn. Abends um 20 Uhr ist seine Zeit. Nun war Jan Hofer persönlich da. Der Chefsprecher der Tagesschau war zu Gast in der Adam-Riese-Halle und gewährte rund 800 Gästen aus Gesellschaft und Politik einen interessanten Einblick hinter die Kulissen seiner Arbeit. Eingeladen hatte ihn die Sparkasse Coburg-Lichtenfels anlässlich der Wirtschaftstage. Er gehöre zu den "Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben", so stellte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Martin Faber, den prominenten Redner dem Publikum vor. Und Jan Hofer hatte etwas zu sagen.

Hofer wuchs im nordrhein-westfälischen Wesel auf. Nach seiner Zeit im Internat, dem  Abitur und dem Wehrdienst studierte er Betriebswirtschaftslehre in Köln. Nebenbei arbeitete er zeitweise in der Hörfunkredaktion der Deutschen Welle. 1976 stand sein Entschluss fest, Journalist zu werden. Hofer begann ein Volontariat bei verschiedenen Rundfunkanstalten. 1983 startete er erste Gehversuche als Fernsehmoderator beim Regionalprogramm des Saarländischen Rundfunks. Zwei Jahre später war er bereits das Gesicht der Tagesschau. 2002 wurde Jan Hofer zum beliebtesten Nachrichtensprecher des Formats gewählt. Im Jahr 2004 wird er schließlich zum Chefsprecher ernannt, was ihm den Spitznamen "Mr. Tagesschau" einbringt.

Den Zuhörern erklärt Jan Hofer, worauf es ankommt: Wie kann man gefälschte Meldungen, Fake News, erkennen? Braucht man in Zeiten von Youtube, Facebook und Co. überhaupt noch das richtige, das lineare Fernsehen? Und was ist mit der Zeitung? Wer liest Nachrichten noch in Papierform? Hier stellte der Tagesschau-Chefsprecher eindeutig fest: "Zeitungen sind ein unverzichtbares Mittel der Information." Etwas nachlesen können, etwas erklären, das seien Stärken, die das Fernsehen so nicht leisten könne.

Auf eine der Zuschauerfragen nach dem Vortrag, ob es einem nur so vorkomme oder ob es stimme, dass es heutzutage mehr schlechte Nachrichten als früher gebe, antwortete Jan Hofer: "Die Welt ist nicht schlechter geworden, es gibt auch nicht mehr schlechte Nachrichten - wir wissen es heute nur."

Die offene Grenze

Die Meldung, die ihn selbst am meisten in seiner Laufbahn beeindruckt hat, enthielt er den Gästen nicht vor: Es war diejenige in der Tagesthemen-Sendung vom 9. November 1989, nämlich die Nachricht, dass die innerdeutsche Grenze geöffnet worden war und DDR-Bürger hindurch fahren konnten.

Dass er auch Sinn für Humor hat, stellte Jan Hofer am Ende des Vortrages unter Beweis. Grinsten die Zuschauer bereits verschmitzt zu Beginn beim Gong, der in lieber Gewohnheit die Tagesschau ankündigt und an diesem Abend auch den Vortrag eröffnete.

In Oberfranken ist Jan Hofer nicht zum ersten Mal: Weil er in seiner Freizeit gerne mit seinem Oldtimer an Ausfahrten teilnimmt, kam es, dass er vor allem das Coburger Land mit seinem Mercedes Baujahr 1958 schon mehrere Male besucht hat.

Fast eine Stunde lang nahm sich der Nachrichtensprecher Zeit, um im kleinen Saal der Adam-Riese-Halle die Fragen der Reporter und Journalisten von Radio, Fernsehen und den Zeitungen zu beantworten.

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