Eggolsheim

Den Weg durch den Müll bahnen

Viele tausend Tonnen Müll liegen neben den Gleisen bei Eggolsheim. Wo sich Abfallhaufen türmen, soll künftig eine Bahntrasse liegen. Wer die wilde Deponie verursacht hat, wissen weder die Behörden noch die Historiker.
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Ekkehard Roepert Kreis Forchheim — Wie der gigantische Müllberg entstanden ist, darüber gibt es viele Geschichten, aber keine verlässliche Informationen. Etwa 300 Meter lang zieht sich diese Halde, die größtenteils aus Plastikresten besteht, aber auch Reifen, Kleider, Elektroschrott oder verrottetes Blech enthält.

Wer, von Forchheim kommend, auf der alten B4 in Richtung Eggolsheim unterwegs ist und rechts abbiegt, um in Richtung Bammersdorf zu fahren, der trifft wenige Meter nach der Bahn-Unterführung auf eine Straße, die zur Bahntrasse hochführt. Parallel zu den Gleisen, liegt dort die Halde auf einem Gelände, das die Bahn erworben hat. Wo sich derzeit noch der Abfall türmt, soll künftig die erweiterte ICE-Trasse entlangführen.

Verkehrsgefährdender Müll?

Naturschützer zeigen sich gegenüber unserer Zeitung jedoch besorgt: Der Müllberg sei "verkehrsgefährdend", eine "Sicherung" des Mülls sei nicht vorhanden. Tatsächlich sind die Berge nur an manchen Stellen notdürftig mit Folie abgedeckt. Wenn es stürmt, treibt der Wind von Westen oder Osten Müllfetzen auf die Autobahn oder auf die Gleise der Bundesbahn.

Auch das Landratsamt bestätigt, dass sich wiederholt besorgte Bürger wegen der "schlecht gesicherten Halde" gemeldet hätten. Doch, sagt ein Sprecher des Landrates: Die Untere Naturschutzbehörde und die Abfallbehörde in Ebermannstadt "können nichts machen, weil es Bundesbahngelände ist". Nicht das Landratsamt, sondern die Bahn trage "im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens" die Verantwortung für den Müll.

Bereit zum Sortieren

Ein DB-Sprecher betont, dass die von der Bahn beauftragten Firmen "im vergangenen Herbst über 10 000 Tonnen ausgebaggert" hätten. Die Sortieranlage sei "fast fertig". Ende Mai begannen die Schredder-Arbeiten. "Die Sorten werden demnächst abgefahren, 1000 Tonnen am Tag", sagt der Bahnsprecher. "Dann ist auch dieser Teil der Ausbaustrecke saniert. Genau da, wo der Müll liegt, werden Gleise laufen."

Laut Angaben der Bahn handelt es sich bei dem Material der ausgebaggerten Deponie weitgehend um "Reste einer alten Windelfabrik, die 1973 abgebrannt ist. Das Materiallager haben sie da versenkt".

Diese Geschichte kann aber niemand bestätigen. Rainer Kestler, Leiter des Forchheimer Stadtarchivs, betont, dass er nie von einer abgebrannten Zellstoff- oder Plaste-Fabrik in der Region gehört habe. Auch der in der Eggolsheimer Geschichte bewanderte Leo Schilling kennt solch eine Fabrik nicht. Bei der wilden Deponie handle es sich um eine ehemalige Sandgrube, sagt Schilling. "Erst ist sie ausgebeutet worden, dann wurden die Löcher vollgestopft."

Verursacher unbekannt

Der Eggolsheimer Bürgermeister Claus Schwarzmann bestätigt: "Dass dort eine Müllhalde ist, das war bekannt, im Altlastenverzeichnis ist sie auch aufgeführt." Doch unbekannt sei, wer den Müll verursacht habe. Leider sei das früher übliche Praxis gewesen - in der Gemeinde gebe es viele Müllhalden. "Wo der Lidl jetzt steht, war auch eine alte Halde der Ortschaft Neuses. Als ich Kind war, waren solche Halden noch üblich, aus manchen schauten alte Autos raus."

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