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Kronach

Den Landwirten geht es nicht ums Geld, sondern um die Auflagenflut

"Zwei Mittelklassewagen bekommt man für ein neues Güllefass und von ursprünglich 34 Cent für den Liter Milch bleiben nur fünf Cent plus oder gar 5 Cent minus übrig. Und es gibt nur Bestimmungen und ke...
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"Zwei Mittelklassewagen bekommt man für ein neues Güllefass und von ursprünglich 34 Cent für den Liter Milch bleiben nur fünf Cent plus oder gar 5 Cent minus übrig. Und es gibt nur Bestimmungen und keine Lösungen." Landwirte gehen bundesweit auf die Barrikaden, denn nicht nur die "Bauernmilliarde" steht auf dem Prüfstand, sondern vor allem auch die "Halbwertszeit von politischen Entscheidungen und Vorschriften". An einem Tisch saßen in Kronach Kreisobmann Erwin Schwarz, Harald Köppel, der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes, Michael Fischer (Land schafft Verbindung) und Kreisbäuerin Rosa Zehnter. Sie diskutierten über Sinn und Unsinn von politischen Entscheidungen und über die Verteilung der Fördergelder.

"Keiner weiß, wo die Milliarde, die versprochen wurde, hingehen soll", stellte Michael Fischer gleich zu Anfang klar. Vermutet werde vielmehr, dass zumindest ein Teil des Geldes in die Errichtung von weiteren Messstellen fließe, die den Nitratgehalt im Grundwasser bestimmen sollen. Sollte aber das Geld ohne Ausnahme an die Landwirte fließen, so werden laut Rosa Zehnter einem landwirtschaftlichen Betrieb nur etwa 780 Euro ausgezahlt. "Mit dem Geld sollen Investitionen abgefedert werden - wie der Bau einer neuen Güllegrube. Das Geld muss jedoch, wie jeder Euro, erst beantragt, geprüft und bewilligt sein." Und bevor man überhaupt etwas bekomme, müsse man "die Hosen vollständig runterlassen".

"Es geht uns aber nicht ums Geld, sondern um die Auflagenflut", waren sich alle einig. Sie sprachen von einer minimalen "Halbwertszeit für Vorschriften" und über die Gerichtsurteile, die diese Vorschriften wieder revidieren. Unzählige Fachzeitschriften müsse man abonnieren, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Bliebe die Frage, ob nicht das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für den Informationsfluss und die Aufklärung zuständig wäre. An dieser Stelle machte ein kollektiver Seufzer die Runde. "Da ist der Personalmangel so groß, dass nur noch etwa zehn bis 15 Prozent aus einer beratenden Tätigkeit bestehen, der Rest ist Vollzug. Aber im Grundsatz macht das Amt eine sehr gute Arbeit."

Das Quartett sprach über eine "Wand an Bürokratie", an die man ständig stoße. Michael Fischer: "Ich würde ja gerne alles tun, was gefordert ist, aber sagt mir einfach wie." Frustration mache sich breit, denn sich widersprechende Vorschriften machten den Landwirten das Leben schwer und sie reagieren mit Unmut und Protest. Sie kämpfen gegen sinnfreie Entscheidungen mit ihren Traktoren und scharfkantigen Worten. Und dabei kämpfen sie aber auch nur um das, was für alle Menschen selbstverständlich sein sollte, nämlich Anerkennung und Respekt. Naja, und natürlich auch um Wirtschaftlichkeit, wie Erwin Schwarz einräumt. Und er rechnet mit der Milch ab: "Pro Liter verkaufte Milch bekommt der Landwirt 34 Cent. Aber die Futterkosten haben sich erhöht und auch die Kosten für Strom und Wasser. Unter anderem ist der Dieselpreis gestiegen. Fünf Cent plus oder Minus blieben also, je nachdem, ob der Stall schon abbezahlt ist oder nicht. Und dann fallen ja auch noch Tierarztkosten an und die Preise für Schlachtkühe sind gefallen." Weitere Faktoren seien die Milchleistung der Kühe sowie Personalkosten.

Also "Bio" als Marktnische? Erwin Schwarz schüttelt den Kopf. "Das war mal. Die Politik will 30 Prozent Bioanteil, aber will den Markt nicht stützen. Der nimmt es aber zu den angebotenen Preisen nicht auf." Stellt sich auch noch die Frage, über welchen Einfluss der Bauernverband verfügt. Erwin Schwarz: "Bei uns muss alles rechtssicher sein, deshalb geht halt vieles auch etwas schwerfälliger. Eine lose Organisation wie ,Land schafft Verbindung' tut sich da viel leichter." Das kann Michael Fischer nur bestätigen: "Wir organisieren alles in einer WhatsApp-Gruppe und das verschafft uns einen Vorsprung."

Geht es bei alledem den Landwirten auch noch um das Tierwohl oder nur um möglichst viel Produktion? Rosa Zehnter: "Wenn es dem Tier nicht gut geht, geht es dem Betrieb nicht gut. Aber Sinn und Zweck von Nutztierhaltung ist nun einmal die Fleischerzeugung."

Schwarz warnte davor, Tiere zu vermenschlichen. Und von wie vielen Kühen kann ein Landwirt überhaupt leben? Schwarz: "Dazu braucht es mindestens 120, wenn der Stall neu gebaut wurde, denn die Kosten für den Stellplatz haben sich in den letzten zehn Jahren glatt verdoppelt."

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