Ermershausen

Den Einschlag gibt der Käfer vor

Ermershausen blickt auf ein Forstjahr zurück, das von erschreckenden Waldbildern, am Ende aber doch noch von zufriedenstellenden Zahlen gekennzeichnet ist. Der Umbau und die Naturverjüngung bewähren sich.
Artikel drucken Artikel einbetten
Borkenkäfer-Fichten im Wald. Hier ist rasches Handeln angesagt. Archiv-Foto: Heike Beudert
Borkenkäfer-Fichten im Wald. Hier ist rasches Handeln angesagt. Archiv-Foto: Heike Beudert
+1 Bild

Eckehard Kiesewetter Ermershausen —  Eigentlich klingen die Zahlen ganz gut, denn der Ermershäuser Wald - wichtiges Kapital der Kommune - wirft nach wie vor fünfstellige Gewinne ab: Geld, das die Gemeinde gut brauchen kann. Und durch rechtzeitige Maßnahmen zum Waldumbau haben die Forstleute für die Zukunft vorgesorgt. Nachhaltig eben, ein Begriff, der eigentlich in der Forstwirtschaft beheimatet ist, weil man da für Generationen vorausplanen muss.

So hat man zum Beispiel 40 000 heimische Tannen gepflanzt, die den veränderten Bedingungen gewachsen sind. Inzwischen baut man auf einen Mischwald mit einem Dutzend Baumarten, darunter neuerdings verstärkt auch die Libanonzeder; fast überall komme die Naturverjüngung gut voran.

Wider den Befall

Bei genauerer Analyse allerdings stellt sich die Situation durchaus heikel dar, denn von einem geregelten Forstwirtschaftsplan kann nicht mehr die Rede sein. Den Hiebsatz geben zurzeit nicht die Fachleute vom Forst vor, und Reh und Wildschwein, die in früheren Jahres wegen des Wildverbisses im Fokus standen, spielen ohnedies kaum eine Rolle mehr. Hauptakteur ist vielmehr ein winziger, gefräßiger Schädling: der Borkenkäfer.

Das machte Wolfgang Meiners, der zuständige Revierförster, den Mitgliedern des Gemeinderats von Ermershausen bei deren Jahresabschlusssitzung deutlich. Der Fachmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten legte den Jahresbetriebsnachweis für das aktuelle und den Plan für 2020 vor, wobei er einräumte, dass den Plan zurzeit die Natur selbst vorgibt.

Allein in diesem Jahr habe man den ursprünglich geplanten Holzeinschlag mehr als verdreifachen müssen, um Käferholz aufzuarbeiten und die Gefahr aus dem Wald zu bringen, berichtete der Forstamsrat aus Maroldsweisach. Betroffen seien alle Bereiche des Forstreviers Ermershausen, und am Ende wurden mehr als 3700 Festmeter gefällt. Drei trockene Jahre hätten dem Wald sehr zugesetzt. Fichten und Kiefern, deren flache Wurzeln wegen der Trockenheit nicht mehr an genügend Wasser gelangen, kämen mit dem Klima nicht mehr zurecht, sie werden anfällig für Käferbefall und sterben ab.

Ein drastisches Beispiel ist das sogenannte "Rehbergplateau" im Ermershäuser Wald, auf dem kaum mehr eine Fichte steht. Zudem gibt es schwere Tonerden im Ermershäuser Revier, die auch stattlichen Buchen das Leben schwermachen.

Bürgermeister Günter Pfeiffer (Freie Wähler) spricht letztendlich von einem "akzeptablen Gewinn". Die Gemeinde hat in der Bilanz noch Glück, dass sie auf erfahrene Holzfirmen bauen kann, die schon lange mit der Kommune zusammenarbeiten. Es sei gelungen, das Schadholz rasch aufzuarbeiten und durch den frühzeitigen Abschluss von Verträgen noch respektable Preise auf dem Holzmarkt zu erzielen. Aktuell, so Wolfgang Meiners, spielt der Holzmarkt verrückt. Die Forstleute haben sich vorgenommen, im Forstjahr 2020 neuerlich gut 11 000 Euro Gewinn zu erwirtschaften, und sie haben den Hiebsatz mit etwas mehr als 1000 Festmeter optimistisch niedrig angesetzt. Was am Ende herauskommen wird, wisse man nicht. Aktuell sind die Forstleute wieder dabei, Käfernester im Wald ausfindig zu machen. Das Ringen gegen den Käferfraß geht weiter.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren