Bamberg
Kundgebung

Demonstranten fordern Ende der Kämpfe in Nordsyrien

Menschen stehen auf ihren Balkonen und schauen hinunter auf das bunte Treiben im Sonnenuntergang. Auf den Flaggen der zahlreichen Demonstranten sitzt das Sonnensymbol zwischen Weiß, Grün und Rot. Das ...
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Weiß, Grün und Rot, das Zeichen für Kurdistan, beherrschte die Fahnen. Foto: Julian Megerle
Weiß, Grün und Rot, das Zeichen für Kurdistan, beherrschte die Fahnen. Foto: Julian Megerle

Menschen stehen auf ihren Balkonen und schauen hinunter auf das bunte Treiben im Sonnenuntergang. Auf den Flaggen der zahlreichen Demonstranten sitzt das Sonnensymbol zwischen Weiß, Grün und Rot. Das Zeichen für Kurdistan. Es tönt orientalischer Klang durch die Straßen und die Teilnehmer singen mit. Zu "Bella ciao" erklingt die Stimme einer Kurdin. Auf dem Lautsprecherwagen sitzen die Kinder - Fähnchen in den Händen - und klatschen mit. Auch wenn die Stimmung ausgelassen scheint, kann das Bild jedoch nicht über die Realität hinwegtäuschen: In Nordsyrien herrscht Krieg. Mütter und Väter halten Plakate mit Bildern ihrer Angehörigen in die Höhe.

280 Menschen - laut Polizei - sind am Sonntagabend dem Aufruf der Veranstalter gefolgt, sich unter dem Motto "Frieden für Rojava - Stoppt die türkische Invasion" zu versammeln. Der Auftakt begann mit einer Schweigeminute für alle Opfer des Konflikts, ganz gleich auf welcher Seite sie stehen. "Man kann mit Gewalt nicht den Frieden erkämpfen", kritisiert Riccardo Schreck vom Team der Bamberger Mahnwache Asyl den Einmarsch der Türkei in die kurdischen Gebiete. Gleichzeitig dürfe man sich selbst nicht der "Eskalationsspirale hingeben".

Silvia Wartzack vom Netzwerk Bildung und Asyl verlas ein Statement von "Ärzte ohne Grenzen": "Die unvorhersehbare Situation macht den sicheren Zugang zu Hilfsbedürftigen unmöglich." Nahrung, Wasser und Decken könnten die Menschen nicht mehr erreichen. Die internationale Hilfsorganisation sei Zeuge der Vertreibung von Zivilbevölkerung und Luftangriffen auf Wohnviertel geworden. Um sich nicht nur mit Reden gegen die Situation zu wehren, sondern konkret vor Ort zu helfen, gaben die Organisatoren Spendenboxen durch die Reihen. Rund 200 Euro kamen zusammen.

"Auf beiden Seiten müssen die Türkei und die kurdischen Einheiten Verantwortung übernehmen, wenn es zu Menschenrechtsverletzungen kommt", macht Lea Maurer von der Amnesty-Hochschulgruppe klar. Hubertus Schaller von VVN Bamberg mahnt, nicht die Menschen aufgrund ihrer Herkunft zu diskriminieren, nur weil sie auf der jeweils anderen Seite des Konflikts stehen.

Vom Wunsch nach Frieden

Ibo Mohameds Eltern leben in den kurdischen Gebieten in Syrien, welche von der türkischen Invasion namens "Quelle des Friedens" bedroht sind. Kurdische Zivilisten und Politiker seien erschossen worden. Er kritisiert die Bombardierung der Zivilbevölkerung durch die Türkei und dass gefangene IS-Kämpfer wieder auf freien Fuß kommen. "Deutsche Politiker haben Angst, Erdogan die Grenzen aufzuzeigen", mahnt er. Nicht nur, dass ein wirkungsvolles Waffenembargo fehle: "Jetzt wo wir eure Unterstützung am meisten bräuchten, sagt ihr, wir seien Terroristen." Frieden könne es erst geben, wenn sich beide Seiten zurückziehen und eine neutrale Seite das Grenzgebiet zwischen den Fronten kontrolliere. "Ich will Frieden für Rojava!"Die Zuhörer klatschen begeistert und rufen "Aschiti", was auf kurdisch für Frieden steht.

"Erdogan kämpft in meiner Heimat und ich kann nichts tun", meint Hassan Mamo, der nicht tatenlos zusehen möchte und deshalb zur Demo ging. Ayman Shekho und Hevin Mussa bangen um ihre Familie, die seit mehreren Tagen im Kampfgebiet ist und fliehen musste. "So haben wir die Möglichkeit, wenigstens etwas zu tun."

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