Ebern

Demenz stärker in den Fokus rücken

Die Haßberg-Kliniken beteiligen sich mit Angeboten an einer bayernweiten Aufklärungswoche. Der Auftakt fand in Ebern statt.
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Beim Vaterunser während des Gottesdienstes fassen sich alle an den Händen. Sie spürten, da ist noch jemand. Dies ist gerade für Demente sehr wichtig, erfuhren die Besucher. Dies gelte auch im Alltag: Ein Händedruck kann so viel mehr als ein "Grüß dich" bedeuten. Fotos: Michaela Mogath
Beim Vaterunser während des Gottesdienstes fassen sich alle an den Händen. Sie spürten, da ist noch jemand. Dies ist gerade für Demente sehr wichtig, erfuhren die Besucher. Dies gelte auch im Alltag: Ein Händedruck kann so viel mehr als ein "Grüß dich" bedeuten. Fotos: Michaela Mogath
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Kreis Haßberge/Ebern —  Im September findet im Freistaat erstmals die Bayerische Demenzwoche statt. Die Haßberg-Kliniken beteiligen sich mit einigen Veranstaltungen an der Aktion, unter anderem mit einem großen Aktionstag, der am vergangenen Sonntag im Haus Ebern der Haßberg-Kliniken stattfand.

"Wir wollen die Menschen vor Ort informieren und für Demenz sensibilisieren", sagt Stephan Kolck. Für den Klinik-Vorstand sind der Aktionstag und die Veranstaltungen in der Woche bis 20. September ein wichtiges Instrument, um eine Krankheit in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, die für viele Menschen noch immer ein Tabuthema ist: Demenz. "Der Umgang mit der Krankheit ist eine der großen Herausforderungen, vor der wir in einer immer älter werdenden Gesellschaft stehen", erklärt Kolck.

Zum Auftakt gab es in der Kapelle des Krankenhauses einen Gottesdienst mit Krankenhausseelsorger Manfred Griebel unter dem Motto "Altvertraute Lieder und Texte". Der Gottesdienst wurde altengerecht gestaltet, mit bekannten Liedern und einfachen Texten.

Lange Wartezeiten

Mit dem Patienten- und Pflegebeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Prof. Dr. Peter Bauer, stand ein hochrangiger Ansprechpartner Rede und Antwort. Aus dem Auditorium kam die Frage, wie es sein kann, dass man auf einen Facharzttermin über ein halbes Jahr warten muss. Bauer erklärte, dass der Arzt, sobald sein Budget überschritten ist, selbst dafür aufkommen muss, es sich also nicht für ihn lohnt, einen Patienten mehr anzunehmen. Es gäbe aber die Terminservicestelle, die innerhalb einer vertretbaren Zeit einen Termin beim Facharzt ausmacht. Er setze sich dafür ein, dass das Budget wieder abgeschafft wird und eine vermehrte Verknüpfung zwischen ambulanter und stationärer Behandlung stattfinden muss.

Im Foyer der Klinik zeigen Schüler der Krankenpflegeschule die Ergebnisse ihrer Projektarbeit zum Thema "Alter Mensch". Die Kapelle wird zum Vortragssaal. Nach einem Grußwort von Landrat Wilhelm Schneider informieren vier Referenten über unterschiedliche Aspekte der Krankheit. Nadine Hagemann, stellvertretende Pflegedirektorin am Bezirksklinikum Lohr, widmet sich der Frage, wie man in Krankenhäusern und Pflegeheimen mit dementen Patienten umgeht. Im Anschluss berichten Waltraud Schraudner und Jens Valtenmeier, die Stationsleitungen der Akutgeriatrie in Haßfurt, über die Validation, eine wertschätzende Haltung, die für die Begleitung von Menschen mit Demenz entwickelt wurde. Dr. Tamara Gehring-Vorbeck von der IC Innova CareConsult befasst sich in ihrem Beitrag "Einmal sterben - jeden Tag leben" mit der Frage, wie man Patienten mit Demenz in ihrer letzten Lebensphase würdevoll begleiten kann.

Claudia Stadelmann, Koordinatorin des Malteser Hilfsdienstes, widmet ihren Vortrag den Möglichkeiten, mit denen Angehörige von Demenz-Patienten in der schwierigen Phase des Abschiednehmens unterstützt werden können.

Infostände zahlreicher Einrichtungen sind aufgebaut und während des Nachmittags bietet sich Gelegenheit, mit Ärzten und dem Pflegepersonal ins Gespräch zu kommen. Unter anderem bietet Ants Lohmus, Chefarzt der Inneren Abteilung am Haus Ebern, Sprechstunden zur Palliativ- und Altersmedizin an. Die Physiotherapie stellt Möglichkeiten vor, wie Patienten auch im hohen Alter mobilisiert werden können. Mit aktivierender Pflege bei Demenz befassen sich Sarah Popp und Jennifer Kuhn. Filmdokumentationen behandeln das Thema und im Bistro des Krankenhauses stellt der Betreuungsdienst die Memory-Box vor, eine Videospiel-Plattform, die über Gesten verschiedene computerbasierte Trainingsprogramme (Kegeln, Briefträger oder Motorradfahren) lebensnah steuern kann. Sie wird in der Arbeit mit dementen Patienten eingesetzt.

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