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Seibelsdorf
Konzert

Dekanatschor schlägt einen weiten musikalischen Bogen

Der scheidenden Dekanin Dorothea Richter hatte Dekanatskantor Marius Popp das Konzert des Dekanatschors mit dem Popp-Consortium in der Seibelsdorfer Markgrafenkirche gewidmet. Insbesondere durch sie s...
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Mit dem Oratorium "König David" von Arthur Honegger hatte sich Marius Popp mit dem Dekanatschor, Solisten und Instrumentalisten auf ein musikalisch schwieriges Gebiet gewagt. Foto: Klaus Klaschka
Mit dem Oratorium "König David" von Arthur Honegger hatte sich Marius Popp mit dem Dekanatschor, Solisten und Instrumentalisten auf ein musikalisch schwieriges Gebiet gewagt. Foto: Klaus Klaschka

Der scheidenden Dekanin Dorothea Richter hatte Dekanatskantor Marius Popp das Konzert des Dekanatschors mit dem Popp-Consortium in der Seibelsdorfer Markgrafenkirche gewidmet. Insbesondere durch sie sei es möglich gewesen, jedes Jahr zwei große Konzerte zu veranstalten, sagte er. Dekanin Richter sang auch im Alt beim Konzert in Seibelsdorf mit.

Auf dem Programm stand "König David" von Arthur Honegger - in der Originalfassung von 1921 mit kleinem Chor und reduzierten, überwiegend solistisch spielenden Instrumenten, allerdings nicht in szenischer Fassung, sondern in der oratorischen, in der ein Sprecher die Handlung berichtet. Erst zwei Jahre nach der Uraufführung hat Honegger das ursprüngliche "szenische Historienspiel" in ein Oratorium umgeschrieben.

Für Marius Popp und seine Sänger sowie Instrumentalisten war der Spagat, die Oratorienfassung mit kleiner Besetzung aufzuführen, eine durchaus große Aufgabe. Überhaupt ist die Musik der 1920er Jahre für Amateure eine besondere Herausforderung. Die stilistischen Brüche dieser Zeit sind ungewohnt, ebenso die Mischung aus Herkömmlichem mit damals moderneren Elementen aus Jazz, Atonalität und manchmal überdehnter Harmonik, die nicht durchgängig ein ganzes Stück charakterisieren.

Honeggers Musik im "König David" beginnt denn auch in einer "Sprache", die an den wilden Strawinsky des Sacre erinnert und endet mit einem fast mächtigen sonoren Chor in memoriam Mahlers Achter. Dazwischen ganz unterschiedliche weitere Musiken, die jede eigentlich ihren ganz spezifischen Charakter tragen.

Für die Chorsänger bedeutet dies ständiges Umschalten in der Art zu singen. Hinzu kommt eine oft variable Rhythmik, die auch gegen die der Instrumentalisten anstehen muss. Dies überhaupt gewagt und dann auch geschafft zu haben, ist dem Dekanatschor hoch anzurechnen. Insbesondere den lediglich zehn Männerstimmen.

Mit ihrem hellen Sopran überzeugte Katrin Küsswetter in ihren weiten Solopartien. Katarina Andersson setzte ihr dunkles, fast mystisches Alt-Timbre dagegen und zeigte insbesondere im Melodram der Hexe von Endor ungeheure Gestaltungskraft.

Im Mittelpunkt des Geschehens stand jedoch Sebastian Köchig in vielfacher Weise. Er war aus der Altarkanzel, von erhabenem Standpunkt, sowohl der Erzähler der Geschichte des biblischen Davids, als auch Sänger der Tenorpartien - und das in schier perfekter Verbindung.

Arthur Honeggers Werk vereint große Gegensätze und ist stilistisch äußerst vielfältig. Den musikalischen Bogen zu schlagen, in einem Stück mit 27 ganz singulären Nummern, ist unglaublich schwer. Der "König David" ist wie eine Kneipp-Kur. Man muss vom kalten ins heiße Wasser springen, aber trotzdem muss alles sofort auf den Punkt gebracht werden. Allein ein solches Stück aus dem 20. Jahrhundert ins Programm genommen zu haben, rechtfertigt es, dass Marius Popp in diesem Jahr der Ehrentitel Kirchenmusikdirektor verliehen wurde.

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