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Deckel drauf bei "Deckel drauf"

Die Sammelaktion gegen Kinderlähmung wurde im Juni erfolgreich abgeschlossen. Die Kulmbacher Helfer in der Werkstatt für behinderte Menschen zogen jetzt eine positive Bilanz.
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Unterschiedliche Plastikdeckel wurden für die Sammelaktion recycelt. Foto: Archiv/Marian Hamacher
Unterschiedliche Plastikdeckel wurden für die Sammelaktion recycelt. Foto: Archiv/Marian Hamacher
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Am 1. Juli 2016 startete ein privater Freundeskreis in Kronach die Sammelaktion "Deckel drauf" und gab damit den Startschuss für die weltweite Initiative auch in Oberfranken. "Ich hatte im Februar 2016 einen Bericht im Fernsehen gesehen und dachte, das muss man doch unterstützen", blickt Klaus Stengl zurück. Oberfranken war zu diesem Zeitpunkt noch ein weißer Fleck auf der Karte.

Sieben Schulen

Mit sechs öffentlichen Sammelstellen und sieben Schulen startete "Deckel drauf" in Kronach, schon bald darauf schloss sich Kulmbach an. "Nach einem Jahr hatten wir eine Million Plastikdeckel an über 30 Sammelstellen in den Landkreisen Kronach, Kulmbach, Lichtenfels und Coburg gesammelt."

Die recycelbaren Kunststoffverschlüsse von Getränkeflaschen oder Tetra Packs wurden gesammelt, sortiert und gingen an Hilfsorganisationen in der Dritten Welt, die damit Polio-Schluckimpfungen für Kinder und Jugendliche finanzieren konnten. Insgesamt 12 000 Kindern, nach Verdreifachung des Sammelergebnisses durch die Bill-Gates-Stiftung sogar 36 000 Kindern, konnte durch die regionalen Sammelergebnisse eine Impfung gegen Kinderlähmung ermöglicht werden.

Vorbildliche Beteiligung

Eine Zahl, die auch die Kulmbacher Helferinnen und Helfer insbesondere in der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in Schmeilsdorf stolz macht. "Die Bewohner des Hauses Schmeilsdorf beteiligten sich vorbildlich und mit Feuereifer an der Aktion", lobte Klaus Stengl. Sie fuhren immer wieder zur Hauptsammelstation in Kulmbach und sortierten die Deckel - und nicht alles, was sie fanden, gehörte auch in die Sammelbehälter.

"Manche Deckel waren einfach zu groß, aber wir fanden auch Rasierer, Bierdeckel, Pausenbrote oder sogar Batterien", sagte Daniel Groh. Er und Jörg Panzer, beide Bewohner im Haus Schmeilsdorf, waren von Anfang an mit dabei.

"Wir haben das sehr gerne gemacht", betonte Panzer, und Groh ergänzte: "Wir konnten damit Kindern helfen, sich vor einer nicht heilbaren Krankheit zu schützen. Es ist gut, dass es solche Aktionen gibt und viele Leute mitmachen." Er bedauerte nur, dass die Sammelaktion im Juni dieses Jahres eingestellt wurde. "Das ist dem sinkenden Rohstoffpreis geschuldet, das heißt, man bekommt nicht mehr so viel Geld wie vorher für die Plastikdeckel", sagte Jens Schuwald vom Fachdienst der WfbM Schmeilsdorf, der für die Initiative in Kulmbach zuständig war. "Des Weiteren gibt es die EU-Verordnung, nach der die Deckel bald fest mit der Flasche verbunden sein müssen." Bundesweit war am 30. Juni Abgabeschluss.

Die gesammelten Deckel wurden übrigens allesamt einer neuen Verwendung zugeführt und starteten ein zweites Leben als Komposter oder Gartenbank.

Der Dank der Initiative geht an die zahlreichen Helfer, Unterstützer und Sammler, die am Schluss noch einmal einen richtigen Endspurt in Sachen Sammelbereitschaft hinlegten. "Unsere Aktion war so erfolgreich, dass wir gar keine offensive Werbung mehr gemacht haben, wir hätten das alles logistisch sonst gar nicht mehr bewältigen können", sagte Klaus Stengl.

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