Forchheim

"Das Wort Integration fehlt mir"

Wenn die Stellen in der Asylsozialarbeit 2019 gekürzt werden, stellt das die Integrationsarbeit im Landkreis Forchheim vor unlösbare Aufgaben. Diese Auffassung vertritt nicht nur die Sozialpädagogin Diana Könitzer.
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Diana Könitzer bei der Asylsozialarbeit in ihrem Büro in Ebermannstadt Foto: Ekkehard Roepert
Diana Könitzer bei der Asylsozialarbeit in ihrem Büro in Ebermannstadt Foto: Ekkehard Roepert
Ekkehard Roepert

Diana Könitzer verfolgt mit Befremden die aktuelle Asyldebatte. "Alle reden von Flüchtlingen, wir haben aber auch Migranten." Klar, sagt die 38-jährige Sozialpädagogin, "man muss die Gesetze umsetzen, aber in der Diskussion fehlt mir das Wort Integration. Und ich höre zu viel das Wort Abschiebung".
Von ihrem Büro in der Ebermannstadter Bahnhofstraße aus organisiert Diana Könitzer seit drei Jahren die Asylsozial- und die Migrationsberatung im Landkreis Forchheim. Insgesamt gibt es 4,68 Stellen für die Flüchtlings- und Integrationsberatung im Landkreis.
Aber das droht sich zu ändern. Bereits vor einigen Wochen am Runden Tisch Asyl (von der Caritas veranstaltet) hatte Landtagsabgeordneter Michael Hofmann (CSU) gesagt, dass im Ministerium ein "Abbau-Gedanke herrscht".
Und Caritas-Mitarbeiter Lorenz hatte gewarnt, dass es einem "Schuss ins Knie" gleichkäme, die Hauptamtlichkeit zu reduzieren: "Wenn das wegbricht, wird auch das bürgerliche Engagement schwinden."
Diana Könitzer, die bei der Diakonie Bamberg-Forchheim angestellt ist, zeigte sich bereits am Runden Tisch Asyl "schockiert" über die geplanten Stellenkürzungen in der Asyl-Sozialarbeit. Die Begründung, es kämen ja nicht mehr so viele Asylbewerber wie 2015 und daher brauche man auch nicht mehr so viele hauptamtliche Helfer - diese Begründung sei "gefährlich", sagt Könitzer, "Integration dauert viel länger, sie droht jetzt gegen die Wand gefahren zu werden".
Um das zu verhindern, haben die Freien Wähler am Mittwoch in München einen Antrag gestellt. Und die Staatsregierung aufgefordert, "dem Landtag über den geplanten Stellenabbau im Bereich der Asylsozialberatung zum Jahre 2019 zu berichten sowie in diesem Zusammenhang die Beratungs- und Integrationsrichtlinie um einen klar definierten Betreuungsschlüssel zu erweitern". Die Bedarfsrechnung solle so festgelegt werden, dass der ländliche Raum nicht benachteiligt werde.
Denn, sagt der aus Pinzberg stammende Landtagsabgeordnete Thorsten Glauber (FW): "Man bestraft die kreisfreien Städte, in denen diese Arbeit sehr gut funktioniert. Die Koordination der vielen Ehrenamtlichen geht nur, wenn Haupt- und Ehrenamt ordentlich ausgestattet sind."


Qualitätsabbau

Die Freien Wähler warnen in ihrem Antrag: Kürzungen würden die Asylhelfer mit "immensen und mitunter nicht lösbaren Problemen, vor allem im Hinblick auf die Anzahl der zu betreuenden Fälle, konfrontieren". Durch das Fehlen eines verbindlichen Betreuungsschlüssels werde es zwangsläufig zu einem Qualitätsabbau in der Asylsozialberatung kommen.


Viel Angst

Diana Könitzer bemerkt, dass aktuell "viel Angst" unter den Menschen herrsche, die zur Beratung kämen. Sie ärgert sich darüber, dass die Bürokraten "den Guten, die sich integrieren wollen, ganz viele Steine in den Weg legen". Für 2018 habe die Asylsozialberatung Bestandschutz, stellt Könitzer fest. Aber sie sei sicher, dass ab 2019 gekürzt werde: "Im Landkreis um zwei Stellen. Da darf man sich keiner Illusion hingeben." Offenbar werde nicht wahrgenommen: "Die Leute, die da sind, müssen integriert werden. Wenn wir das nicht machen, fällt es den Behörden auf die Füße." Es gebe neben den Flüchtlingen ja auch die EU-Migranten, anerkannte Migranten und Arbeitsmigranten. "Im Moment habe ich 350 Leute, die in meine Beratung kommen."
Auch im Landratsamt Forchheim sind die Verantwortlichen alarmiert. "Der Beratungsbedarf ist nicht zurückgegangen", bestätigt Pressesprecherin Kathrin Schürr. In der Behörde werde die Frage diskutiert: Wenn sich das Ministerium zu Änderungen entschließt, wie wird die Asylberatung dann finanziert?


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