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Höchstadt a. d. Aisch

"Das Wahlergebnis hätte aufrütteln sollen"

Dr. Eberhard Ranger saß 30 Jahre lang im Stadtrat und hat Höchstadt über die Jahrzehnte mitentwickelt. Der 75-Jährige Allgemeinarzt über die Arbeit in dem Gremium - und warum er froh ist, nicht mehr selbst mitentscheiden zu müssen.
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Dr. Eberhard Ranger  Foto: Britta Schnake
Dr. Eberhard Ranger Foto: Britta Schnake

Mit seinen fast 76 Jahren blickt Dr. Eberhard Ranger auf ein bewegtes Leben zurück. 30 Jahre lang hat er sich zudem für die Junge Liste im Höchstadter Stadtrat für die Geschicke der Stadt und die Belange der Bürgerinnen und Bürger eingesetzt. 30 Jahre Freude, Pflichtgefühl und gelegentlich auch Frustration, wie er sagt. Für Ranger geht, nun was den Stadtrat betrifft, eine Ära zu Ende. Doch was genau hat ihn damals dazu bewogen, in den Stadtrat einzutreten, sich einzubringen in die politischen Entscheidungen der Stadt?

Eberhard Ranger: Bürgermeister Bergmann war ein eher konservatives, bewahrendes Stadtoberhaupt. Mit Herrn Degener und Frau Günther hatte er zwei erfahrene Kommunalbeamte und somit eine starke Verwaltung hinter sich. Der Stadt fehlte damals ein innovativer Schub.

An dieser Situation wollten Sie also etwas ändern. Wie ging das vonstatten?

Bei der Wahl 1990 zogen kleine Gruppierungen wie die Junge Liste und die FBH, die Freien Bürger Höchstadts, in den Stadtrat ein. Es war klar, dass man gegen die CSU-Mehrheit zunächst wenig Chancen hatte, eigene Ideen durchzusetzen. Zwischen der SPD und den kleinen Gruppierungen folgte eine oppositionelle Zusammenarbeit. Mit Gerald Brehm und Andreas Stark war die Opposition dann auch mit zwei politischen Schwergewichten besetzt. Aufgrund dieser Situation hat es in den ersten Jahren heftige Auseinandersetzungen gegeben.

Wie gelang es den Fraktionen, miteinander auszukommen?

Die CSU hatte mit ihren damaligen Sprechern Werner Riegler, Eduard Schwägerl und Hermann Groß drei sehr sachlich denkende Stadträte, die beruhigend auf das damalige Geschehen einwirkten.

Waren Fraktionswechsel damals ein Thema? Ja, in der ersten Zeit gab es häufig Fraktionswechsel. Das hing mit dem Zusammenschluss der Fraktionen gegen die CSU zusammen. Bei zu vielen Gruppen war es wichtig, diese Kräfte zu bündeln.

Als die ersten sechs Jahre überstanden waren, wie ging es dann weiter? Den Wahlkampf 1996 hat Gerald Brehm klar für sich als Bürgermeister entschieden. Die FBH und die Junge Liste haben sich vereint. Die Junge Liste nahm mit Christian Ulbrich und mir zwei weitere Stadträte auf und ging mit einer starken Kandidatenliste ins Rennen. Dadurch konnte die über viele Jahre herrschende CSU-Mehrheit gebrochen werden. Das Stadtratsklima war nun eher ein Miteinander. Die neue Mehrheit förderte mit allen Kräften den Tatendrang des jungen Bürgermeisters. Viele Großprojekte wie das Gesundheitszentrum, die Fortuna Kulturfabrik und noch vieles mehr konnten auch gegen die Stimmen der CSU durchgesetzt werden. War dieser Zustand von Dauer? Nein. Als Alexander Schulz als CSU-Chef auf den Plan trat, wurde der Tonfall der CSU aggressiver. Jeder Beschlussvorschlag wurde zerpflückt. Da jedoch die Mehrheit aufseiten des Bürgermeisters lag, konnte sein direkter Konkurrent wenig ausrichten. Bis heute ist diese Rivalität deutlich spürbar. Was aus Ihrer Amtszeit als Stadtrat ist Ihnen am stärksten in Erinnerung geblieben? Die 1000-Jahr-Feier und das Ski-Rennen am Kellerberg. Aber auch die Städtepartnerschaften, die Einweihung der Fortuna Kulturfabrik, des Vogelsecks, des Krankenhauses und vieles mehr.

Haben Sie persönlich etwas erreichen können in all den Jahren? Mein persönlicher Beitrag war das Zustandekommen der Renovierung des Schlossgewölbes, auch dass nun der Skulpturenweg an der Aisch entstehen kann. Und dass die Stadt uns Kulturträgern mit der Überlassung von Örtlichkeiten wie dem Kellerhaus, der Fortuna und dem Schlossgewölbe viele Möglichkeiten gibt.

Ihr Resümee der letzten 30 Jahre? Die Stadt hat eine Riesenentwicklung gemacht, der Etat der Stadt hat sich seit 1990 vervielfacht, die Stadt ist erwacht. Es hat Spaß gemacht, dabei gewesen zu sein. Ich blicke gerne zurück.

Angekommen im Hier und Heute, wie sehen Sie die Lage im Stadtrat? Wenn ein Bürgermeister viele Amtsperioden regiert, erwachsen mit der Zeit Widerstände in der politischen Landschaft. Durch neue politische Sichtweisen wie Fragen zum Flächenverbrauch kamen die Grünen mit drei Stadträten hinzu. Die Junge Liste und die SPD haben Mandate verloren. Die aktuelle Lage steht mit dem Wechsel von Frau Enz zur CSU bei jeder Abstimmung auf Messers Schneide. Mit der Stimme des Bürgermeisters gibt es eine Pattsituation. Um nun Entscheidungen durchzusetzen, benötigt die Bürgermeisterfraktion die Stimme der AfD. Wie hätte man das Ihrer Meinung nach verhindern können? Das Wahlergebnis mit seinen Folgen hätte die Stadträte aufrütteln müssen, um neue gemeinsame Wege zu gehen, die nicht der Zustimmung der AfD bedürfen. Die Wahl des 2. und 3. Bürgermeisters hätte ein deutlicheres, parteiübergreifendes Zeichen setzen müssen. Das Regieren mit der AfD ist skandalös. Es zwingt die Stadträte, unter allen Umständen der eigenen Fraktion zu folgen. Eine eigene, freie Meinungsäußerung ist unter diesen Umständen nicht möglich. Was hat dies für einen Einfluss auf die zukünftigen Entscheidungen? Nun, der Wähler hat gesagt: "Nicht weiter so, macht euch Gedanken." Doch nun wird eine Machtpolitik um jeden Preis durchgedrückt, obwohl keine Mehrheit der Koalition aus Junge Liste und SPD vorhanden und vom Wohlwollen der AfD abhängig ist.

Ob der Wähler, der Bürger das so gewollt hat? Gerald Brehm als Bürgermeister war der Wunsch der Bürger, und die Wähler wollten eine Mitgestaltung durch die grüne Politik.

Was denken Sie, wie geht es jetzt weiter? Durch die momentane Wirtschaftskrise wird die Stadt hart getroffen, durch den Verlust an Einkommens- und Gewerbesteuer. So müssen zukünftige Investitionen und Sanierungen neu durchgerechnet werden. Um mit diesen Aufgaben in eine sinnvolle Zukunft zu gehen, wäre die Arbeit aller bürgerlichen Koalitionen erforderlich. Es muss ein neues Programm gestrickt werden. Dafür ist es wichtig, dass sich alle abstimmen.

Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft der Stadt? Ich wünsche mir schon, dass die kulturelle Förderung unter diesen schweren Bedingungen weiterläuft und dass vor allem auch die Infrastruktur, Innenstadt und Straßenerneuerung Priorität haben.

Werden Sie ihn vermissen, den Stadtrat? Ich habe alle Fraktionen respektiert und war gerne dabei. Ich bin aber froh, dass ich in dieser schwierigen Situation den Bericht über die Stadtratssitzungen entspannt in der Zeitung lesen kann.

Das Gespräch führte unsere Mitarbeiterin Britta Schnake

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