Sonnefeld

Das Versteck der Natternzunge

Für den Naturschutz ist das Naturdenkmal "Feuchtgebiet bei Sonnefeld" eine Perle des Coburger Landes. Besonders wertvoll wird das Gebiet durch den Fund einer seltenen Farnart, die in der Region verschwunden schien.
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Frank Reißenweber zeigt auf das Naturdenkmal "Feuchtgebiet bei Sonnefeld". Fotos: Rainer Lutz
Frank Reißenweber zeigt auf das Naturdenkmal "Feuchtgebiet bei Sonnefeld". Fotos: Rainer Lutz
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"Eine absolute Rarität und ein absoluter Glücksfall, diese Art einmal im Leben finden zu dürfen. Die Art macht das Naturdenkmal Feuchtgebiet am Bieberbach zu etwas ganz Besonderem!" Das schrieb Alexander Ulmer im Mai 2016 an seine Kollegen. Was den Geschäftsführer beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Coburg so begeisterte, war ein kleiner Farn: die Natternzunge.

Lange hatten Botaniker nach der Pflanze gesucht, die zuletzt wohl in den 80er Jahren als Fund bestätigt worden war. Umso mehr freute sich Alexander Ulmer, dass die Natternzunge in dem Gebiet mit einer beachtlichen Zahl von Exemplaren entdeckt wurde.

Dass für das Areal der Status eines Naturdenkmals angewendet wurde, erklärt Frank Reißenweber, Geschäftsführer beim Landschaftspflegeverband (LPV) Coburger Land: "Als der Bereich unter Schutz gestellt wurde, gab es den Status als Geschützter Landschaftsbestandteil noch gar nicht, den man heute anwenden würde."

Schon in den 70er Jahren erkannte man den Wert des Areals am westlichen Rand von Sonnefeld. Die Umgehungsstraße wurde deswegen näher an den Ort gelegt als ursprünglich geplant. Durch den Damm der Straße vom Ort getrennt, entwickelte sich das Gebiet positiv weiter. Doch jetzt droht ihm Gefahr. "Im vergangenen Sommer konnte man mit Halbschuhen mitten durch den Weiher laufen", sagt Frank Reißenweber. Jetzt ragen dort die dürren Stängel von Blutweiderich auf. Aber es ist auch wieder eine Wasserfläche zu erkennen.

Trockenheit als Amphibienkiller

Die freut offenbar eine größere Gemeinde von Fröschen, die ein lautstarkes Konzert hören lassen - als müssten sie für Artgenossen mit quaken, die der Trockenheit zum Opfer gefallen sind. "Wir registrieren an den Amphibienzäunen, dass wir wohl im vergangenen Jahr durch die Trockenheit ein Drittel bis die Hälfte der Population bei den Amphibien verloren haben", schildert Frank Reißenweber das Ausmaß der Verluste. Kämen häufiger solche Sommer, könnte das langfristig das Ende bedeuten für das Großseggenried bei Sonnefeld. Bläßhuhn, Teichhuhn und Krickente, die hier vorkommen, würden aus diesem Lebensraum verschwinden.

Die Senke, durch die der Bieberbach fließt, ist in diesem Gebiet zu einem Auwald geworden, durch den sich ein schmaler Fußpfad windet - ein Stückchen uriger Natur direkt vor den Toren der Gemeinde. Jetzt, nach dem regenreichen Mai, führt der Bach reichlich Wasser, die Feuchtgebiete sind wirklich feucht und Pflanzen und Tiere scheinen das regelrecht zu genießen.

Gestaltet und entwickelt

Noch näher an der Ortsbebauung, nahe der Zufahrt nach Sonnefeld von Bieberbach kommend, liegen Flächen, die vor Jahren durch den Landschaftspflegeverband gestaltet wurden. "Das ist jetzt ungefähr 20 Jahre her und hat sich ganz gut entwickelt", freut sich Frank Reißenweber. Damals gepflanzte Hecken sind hoch gewachsen und dicht. Obstbäume bilden eine Streuobstwiese. Nur wenige, die damals gepflanzt wurden, sind eingegangen.

Die Wiesen, die größtenteils der Gemeinde Sonnefeld gehören, werden extensiv bewirtschaftet und dementsprechend spät gemäht. Das Gras wird genutzt und daher abtransportiert. Dünger bekommen die Pflanzen nicht. "Trotzdem dauert es sehr lange, bis der Boden nährstoffarm wird", sagt Frank Reißenweber. Die Verarmung wäre aber eine wichtige Voraussetzung, um die Vielfalt an Pflanzenarten zu bekommen, die sich Naturschützer für solche Flächen wünschen.

Geschützt in einer Ecke der Hecke wurde eine Insektenwand aufgebaut. Bei der Kontrolle stellte Frank Reißenweber fest, dass dort erfreulich reger Betrieb herrscht und viele der künstlich geschaffenen Röhren von unterschiedlichen Arten bezogen worden sind.

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