Herzogenaurach

Das Verlies war nur eine kleine Zelle

Marco Goldhausen und sein Team haben herausgefunden, dass eine Holztreppe ins Obergeschoss des Turms geführt hat. Im Erdgeschoss war wohl das Gefängnis.
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Sockel und Fundament des Turms: Im Erdgeschoss muss sich das Verlies befunden haben.  Foto: Bernhard Panzer
Sockel und Fundament des Turms: Im Erdgeschoss muss sich das Verlies befunden haben. Foto: Bernhard Panzer

bernhard Panzer Nach Abschluss der zweieinhalbmonatigen archäologischen Arbeiten auf dem Schlossgelände sind "erstaunliche Sachen" aufgetaucht, wie der Leiter der Aktion, Marco Goldhausen, feststellt (der FT berichtete ausführlich). Es fanden sich viele Spuren aus dem 12.Jahrhundert, es lässt sich rekonstruieren, wie der Bergfried, also Turm ausgeschaut hat, dass er wohl bewohnt gewesen war, und wie sich die Menschen dort bewegten. Doch eines haben die Grabungen nicht entdeckt: ein Verlies. Zumindest kein "klassisches Verlies", das in einem Gewölbekeller tief unter der Erde gelegen haben könnte.

Verlies wird 1704 erwähnt

Ein Verlies muss es indes trotzdem gegeben haben, wovon ein Ratsprotokoll des Jahres 1704 berichtet. Darin ist von einem geheimnisvollen unterirdischen Gewölbe im Schlossturm die Rede. Kreisheimatpfleger Manfred Welker hat für den FT in alten Überlieferungen gestöbert und die Geschichte über einen unheimlichen Knochenfund aus dem finsteren Gewölbe des Schlossturms herausgekramt. Demnach lagen dort über ein halbes Jahrhundert lang verborgen die Knochen und Überreste eines Gefangenen (siehe unten).

Die Überlieferungen decken sich durchaus mit den Erkenntnissen des Archäologen Marco Goldhausen, auch wenn es sich nicht wirklich um ein düsteres Verlies in einem Gewölbekeller handelte. Düster war es freilich auch, aber eher nur eine Zelle, also "nicht spektakulär groß". Und die lag nicht tief unten, sondern wohl im Erdgeschoss des Turms.

Darauf deuten laut Goldhausen Spuren von hölzernen Pfosten hin. Diese Spuren lassen erkennen, dass es im Mittelalter eine Holztreppe gegeben haben musste. Auf ihr gelangten die Menschen in das Obergeschoss des Turms. Wenn sie sich dahin zurückziehen mussten, wohl weil von außerhalb ein Konflikt drohte, wie Goldhausen es umschreibt, dann konnte die Treppe schnell zerstört werden. Holz ist eben weicher als Stein.

Kleine gepflasterte Wege

Wenn die Menschen aber erst ab dem Obergeschoss im Turm wohnten, was ist dann mit dem Erdgeschoss? "Da hat sich das Verlies befunden", sagt der Archäologe. Es war nicht größer als eine Zelle und vermutlich nur durch eine abnehmbare Leiter erreichbar. Es kann durchaus eine Gewölbedecke gehabt haben, mit einem Loch zum Durchstieg. Fenster gab es laut Goldhausen keine.

Im Innenhof der Burg mussten den Spuren zufolge kleine gepflasterte Wege angelegt worden sein, damit die Bewohner sich trockenen Fußes bewegen konnten. Der Großteil des Erdbodens sei gestampfter Lehm gewesen, meint Goldhausen. Und es fand sich eine Menge an Scherben aus dem zwölften Jahrhundert. "Die haben ihren Müll aus dem Fenster geworfen." Weiter außerhalb, an der Ringmauer der Burg, wurden ebenfalls Pfostenlöcher entdeckt. Offenbar hatte es einen Wehrgang auf der Burgmauer gegeben.

Keine Überraschungen erwartet

Vom Turm respektive Bergfried haben die Archäologen das Fundament mit einem Sockel aus Quadersteinen freigelegt. Dass sich darunter noch Schätze befinden könnten, wird nahezu ausgeschlossen. Dennoch wird noch einmal ein Auge darauf geworfen, sobald die Baugrube vorbereitet ist und der Rathaus-Keller abgebrochen werden kann. Da aber das Fundament des Rathauses aus den 1960er Jahren tiefer liegt als der Sockel des Bergfrieds, "ist nichts mehr zu erwarten, was uns beunruhigt", sagte Bürgermeister German Hacker bei der bislang abschließenden Begehung.

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