Ebermannstadt
Engagement 

Das Unglück kennt keine Uhrzeit

Wenn die Menschen rund um Ebermannstadt in Not sind, können sie sich immer noch auf die Feuerwehr verlassen. Deren Mitglieder investieren viel Zeit und Mühe, um ihren Mitmenschen helfen zu können.
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"Erst vor ein paar Tagen hat eine Frau aufgeregt angerufen, dass ihr Mann bewusstlos auf der Bank sitzt", erzählt Feuerwehrmann Hans Beyer. Sofort seien sie hingefahren und hätten einen Herzstillstand festgestellt. Fünfmal musste der Defibrillator eingesetzt werden. "Doch dann konnten wir den Mann an den Rettungsdienst mit eigenem Puls weitergeben. Deshalb bin ich Feuerwehrmann", sagt Beyer.
Er ist nicht nur Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Ebermannstadt, sondern arbeitet auch bei der Berufsfeuerwehr am Flughafen Nürnberg.


Jeder Handgriff sitzt

Beyer ist eine Ausnahme, denn alle anderen Mitglieder der Ebermannstadter Wehr sind ehrenamtliche Feuerwehrleute. "Da machen sich die Leute gar keine Gedanken, was das bedeutet", sagt die Vorsitzende des Feuerwehrvereins, Tanja Lang.
Die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr bilden sich aus, machen Übungen und trainieren jeden Handgriff so lange, bis sie ihn im Schlaf können. Und das ist auch gut so, denn ein Feuer oder ein Unglück hält sich nicht an Öffnungszeiten. "Da wird man auch mal mitten in der Nacht gerufen", sagt Tanja Lang und ergänzt: "Ehrenamt ist 365 Tage und 24 Stunden."
Wobei sie auch zugeben muss, dass sie einmal so tief schlief, dass sie den Piepser glatt überhörte. "Wir werden über Funk oder Sirene alarmiert. Wobei es doch tatsächlich Menschen gibt, die die Sirene als Belästigung empfinden", erzählt Andreas Krämer, stellvertretender Kommandant der aktiven Wehr. Tanja Lang erklärt, dass der Verein und die aktive Wehr getrennt sind. Man könne Mitglied im Verein sein, brauche aber keinen aktiven Dienst leisten - und umgekehrt.
"Uns ist aber auch die Geselligkeit sehr wichtig", wirft Hans Beyer ein. Das fördere die gute Zusammenarbeit im Einsatz. Denn man kenne sich dann, vertraue sich blind und könne sich in Gefahrensituationen voll auf den Kollegen verlassen. "Zum Beispiel bei einer Absturzsicherung, da vertraut man dem Kollegen sein Leben an", erklärt Krämer.


Kein falscher Stolz

Die Ebermannstadter Feuerwehrleute sehen sich wie eine große Familie. "Bei uns ist viel Ehrlichkeit dabei. Da gibt es keinen falschen Stolz. Wenn einer was nicht weiß, dann fragt er und lässt sich helfen", erläutert Tanja Lang.
Bei persönlichen Problemen werde ebenfalls geholfen. "Wir haben auch keine Schwierigkeiten, wenn jemand eine andere Konfession hat. Wir nehmen die Menschen wie sie sind", sagt die Vorsitzende. Im Verein gehe es um Werte, erklärt Jugendwart Dominik Dumpert: "Diese Werte leben wir unseren Kindern und Jugendlichen vor und versuchen sie dadurch weiterzugeben. Sie sollen bei der Feuerwehr soziale Kompetenzen lernen." Jeder bringe ein bestimmtes Potenzial mit. Entsprechend dieser Fähigkeiten wird der Einzelne eingesetzt.
Dumpert erläutert, dass dadurch auch Erfolgserlebnisse entstehen. Doch nicht nur innerhalb der eigenen Feuerwehr muss man sich aufeinander verlassen können. "Bei Großeinsätzen sind oft mal zehn Feuerwehren zusammen. Da muss das auch funktionieren", sagt Michael Dütsch und erzählt weiter, dass sich aber auch die Vereine in Ebermannstadt gegenseitig unterstützen. "Doch das alles funktioniert nur, wenn auch die Partner hinter uns stehen", wirft Tanja Lang ein. Bei einigen Feuerwehrlern sind Familienangehörige im Einsatz. Bei manchen warten die Partner daheim und hoffen, dass ihre Lieben wieder gesund nach Hause kommen. Nach Einsätzen sitzen die Feuerwehrleute dann noch in der Wache zusammen und sprechen über das Geschehene.
"Das ist sehr wichtig, damit man entweder Schlimmes verarbeiten kann oder die Gruppenführer geben Feedback, wo noch etwas verbessert werden muss", sagt Andreas Krämer. Den Sozialraum haben die Jugendfeuerwehrler gestrichen und gerichtet. Gemeinsam mit den Familien gibt es aber auch Unternehmungen und Feiern. Beispielsweise wird gewandert oder es gibt eine Weihnachtsfeier. Die Mitglieder der Ebermannstadter Feuerwehr lachen viel und gern und haben Freude am Leben.
Allerdings vergeht ihnen das Lachen vor allem dann, wenn sie bei ihrer Arbeit von Außenstehenden dumm angesprochen werden.
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