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LKR Erlangen-Höchstadt

"Das Schönste, was man machen kann"

Im Vorfeld der Kommunalwahl am 15. März stellt der FT alle fünf Landrats- kandidaten für Erlangen-Höchstadt vor. Heute Martina Stamm-Fibich von der SPD.
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Martina Stamm-Fibich möchte aus dem Bundestag ins Landratsamt wechseln (hier vor der Höchstadter Dienststelle). Foto: Andreas Dorsch
Martina Stamm-Fibich möchte aus dem Bundestag ins Landratsamt wechseln (hier vor der Höchstadter Dienststelle). Foto: Andreas Dorsch

Andreas Dorsch Nach sechs Jahren im Bundestag möchte die SPD-Abgeordnete Martina Stamm-Fibich gerne mal "das Schönste machen, was man machen kann: Kommunalpolitik". Die Sozialdemokratin will im Kreis Erlangen-Höchstadt Landrätin werden, "weil ich es kann".

Dass sie es kann, davon sind ihre Parteigenossen überzeugt. Die 54-jährige Mutter zweier erwachsener Kinder vertritt ihren Wahlkreis Erlangen im Bundestag, wirkt im Petitionsausschuss als stellvertretende Vorsitzende und als ordentliches Mitglied auch im Ausschuss für Gesundheit. Ihre Wurzeln hat sie in der Kommunalpolitik. Jahrelang engagierte sie sich im Hemhofener Gemeinderat und nach wie vor ist sie als Kreisrätin aktiv.

Hass und Verachtung

Als Landrätin würde Stamm-Fibich "sehen, was man umsetzt". Über ihre Arbeit im Bundestag kann sie das weniger sagen. Im Gesundheitsausschuss ackere sie richtig, um dann mitzubekommen, dass die Regierung von der Bevölkerung immer weniger akzeptiert wird.

Die Abgeordnete ist nach wie vor überzeugt, dass ihre SPD ohne GroKo besser gefahren wäre. Obwohl Deutschland gut dastehe, schlägt auch ihr aus Teilen der Bevölkerung Hass und Verachtung entgegen. Boshafte E-Mails und Aufforderungen wie "treten Sie endlich zurück" sind nicht außergewöhnlich. Und sie stellt durch das Auftreten der AfD im Bundestag eine "Verrohung der Sprache und der Kommunikation" fest.

Stamm-Fibich schwebt vor, als Landrätin in einem leistungsstarken Landkreis gestalten und Impulse setzen zu können. Dies würde sie beispielsweise im Bereich Pflege tun: "Wir brauchen mehr stationäre und Kurzzeitpflegeplätze." Bedarf sieht sie zudem beim Angebot an Tagespflege. Das alles müsste mit den Kommunen koordiniert werden.

Wohnungen fehlen

Ein wichtiges Thema ist für die SPD-Bewerberin die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum im Landkreis. Dafür könnte der Kreis eine eigene Wohnungsbaugesellschaft gründen, die die Bürgermeister unterstützen müsste. Denn die würden von günstigen Wohnungen auch profitieren, meint Stamm-Fibich, suchen sie doch immer wieder Mitarbeiter für ihre Verwaltungen. Bei den aktuellen Mieten und Immobilienpreisen im Raum Erlangen könnten sich Verwaltungsangestellte das Leben hier nicht mehr leisten.

Ja sagt die Kandidatin und Mitglied im Bundestagsausschuss für Gesundheit zum Kreiskrankenhaus in Höchstadt, "solange der Freistaat Bayern das Haus der Grundversorgung für notwendig hält". Die Kooperation mit der Uniklinik Erlangen begrüßt sie.

Stamm-Fibich outet sich als großer Fan "schienengebundener Verkehrsmittel". Sie steht hinter der Stadt-Umland-Bahn, fände es gut, wenn auch der östliche Landkreis angebunden würde und auch für den Raum Höchstadt im Westen hielte sie eine Bahn für sinnvoll. Aus ihrer Sicht könnte der Landkreis beim ÖPNV "noch mehr Motor" sein.

Ganz offen gesteht sie ein, als SPD-Kandidatin derzeit schwierige Rahmenbedingungen zu haben: "Die GroKo und die schreckliche Landtagswahl in Bayern." Trotzdem kämpft sie um das Amt des Landrats. Als solcher könne man sich "wie ein König in Bayern fühlen" und sei zudem nahe an den Menschen.

Wer im neuen Kreistag mit wem zusammenarbeiten könnte, ist für sie völlig offen. Wenig Verständnis hat Stamm-Fibich für die eigene Liste der Jungen Union. Für die SPD sei es Ziel gewesen, die jungen Leute auf einer gemeinsamen Liste zu integrieren.

"Im Land läuft was falsch", sagt die SPD-Kandidatin mit Blick auf die immer mehr werdenden Bürgerproteste gegen die unterschiedlichsten Vorhaben. Als Beispiel nennt sie die Energiewende. Da müsse man akzeptieren, "dass es Dinge gibt, die nicht jedem einzelnen gefallen werden", so Stamm-Fibich, die vor ihrer Wahl in den Bundestag als freigestellte Betriebsrätin bei Siemens Healthcare in Erlangen beschäftigt war.

Endlich das Richtige

Einer ihrer größten Unterstützer für die Landratswahl ist übrigens ihr politischer Ziehvater, das kommunalpolitische SPD-Urgestein Georg Brugger aus Hemhofen. Jetzt kandidiere sie endlich mal für was Richtiges, habe ihr der langjährige Gemeinderat und Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion mit auf den Weg gegeben.