Herzogenaurach

Das Schloss - einst und jetzt

Nach dem Abbruch des Rathauses ist das Schloss wieder frei. Der ungewohnte Anblick beflügelt die Träumereien der Romantiker. Freilich ist die Realität für Fantasien weniger geeignet: Ein Neubau ist beschlossene Sache.
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So präsentiert sich das Schloss in diesen Tagen, nach dem Abbruch des Rathauses.  Foto: Bert Grumann
So präsentiert sich das Schloss in diesen Tagen, nach dem Abbruch des Rathauses. Foto: Bert Grumann
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Bernhard Panzer Es ist ein ebenso schöner wie ungewohnter Anblick, den die Passanten im Herzen der Stadt derzeit genießen können. Das Schloss, ein ehrwürdiger Bau aus Zeiten des Bamberger Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn (1719 bis 1721 umgebaut) und mit einer Geschichte ausgestattet, die als Wasserburg bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht, steht wieder frei. Der Anbau des Rathauses aus den 1960er Jahren ist abgerissen worden, der Bauschutt wurde inzwischen größtenteils beseitigt. Statt des Betons der Neuzeit stehen jetzt noch erhaben die Mauern vergangener Jahrhunderte.

Der Schlossblick, den es zuletzt vor 55 Jahren gegeben hat, als das einstige Gefängnis abgerissen worden war, ruft jetzt die Romantiker auf den Plan. Auch auf der Facebookseite des FT (www.facebook.com/ERHft) wird trefflich kommentiert und geträumt. Diese Meinungen könnten sich einen Park rund ums Schloss vorstellen. Sie würden sich also wünschen, dass das historische Gebäude frei bliebe von irgendwelchen Anbauten.

Freilich stehen dem die Beschlüsse des Stadtrates entgegen. Das Rathaus wird an gleicher Stelle neu errichtet, wurde entschieden. Der Bezug der alten Puma-Verwaltung in der Würzburger Straße ist nur von vorübergehender Natur. Und für eine städtische Verwaltung wäre dieses ehemalige Firmengebäude dauerhaft nicht geeignet, betont Bürgermeister German Hacker.

Gleichwohl mögen sich manche Kritiker damit nicht zufrieden geben. Trotz der Beschlüsse im Stadtrat. Diese gehen bis in das Jahr 2015 zurück, als der Architektenwettbewerb für einen Neubau des Rathauses, aber auch eines Bürgerzentrums gestartet worden war.

Stimmen aus Facebook

"Wow sehr schön. Jetzt nen Park außen rum und dann passt's!" So lautet einer von bisher knapp fünfzig Kommentaren in Facebook. Das drückt auch folgender Hinweis aus: "Jetzt sieht man halt, dass es ein Schloss ist. Als mir als Kind mal als Wegbeschreibung jemand sagte, "das ist beim Schloss", wusste ich gar nicht was gemeint war." Eine dritte Schreiberin meint: "Den Anblick finde ich auch ganz toll. Soll doch des Rathaus in der alten Puma bleiben". Und noch eine Aussage diesbezüglich: "In diesem unverbauten Zustand würde es die Altstadt sehr aufwerten! Es ist doch ein Rathausquartier gefunden."

Auch Birgit J., eine Anwohnerin der Innenstadt, hat sich ausgiebig damit befasst. Auch sie fragt sich auf der FT-Facebookseite, warum der jetzige Anblick wieder zugebaut werden müsse. Denn nach dem Abriss des Anbaues zeige sich erst, wie schön das Schloss ist. Auch hat sie sich Gedanken gemacht, wie eine Gestaltung möglich wäre, ohne dass die Stadt auf die Verwaltung dort generell verzichten müsste. Denn im Schloss könnten diejenigen Stellen untergebracht werden, die für die Bürgernähe nötig seien. Also die Stadtbibliothek, das Trauzimmer und das Bürgerbüro. Alle anderen Ämter müssen nicht in der Innenstadt sein, sondern können ausgelagert bleiben, meint die Schreiberin. Ein Anbau ans Schloss wäre also verzichtbar.

Damit stimmt sie übrigens mit den Freien Wählern überein. Sie hatten schon bei der Beschlussfassung einen Neubau an dieser Stelle abgelehnt. Stadtrat Manfred Welker hatte zuletzt im Februar betont, dass man lieber einen Schlosspark wolle, denn "die Innenstadt liegt uns am Herzen." Für den Abbruch des

Rathauses sei man sehr wohl, ergänzte damals sein Kollege Christian Schaufler. Nur wolle man dort statt eines Neubaus eben hochwertiges Grün.

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