Bad Rodach

Das "Raumschiff" kommt lautlos

Karin Olm ist mit dem ersten Elektro-Taxi im Coburger Land unterwegs - und das auch noch in der Oberklasse: mit einem Tesla Model S. Im Coburger Landratsamt sind die Erfahrungen mit E-Fahrzeugen überaus positiv.
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Das Taxi von Karin Olm wird an der Steckdose getankt. Fotos: Svenja Sollmann
Das Taxi von Karin Olm wird an der Steckdose getankt. Fotos: Svenja Sollmann
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Bad Rodach — "Wenn ich wegfahre, dann kriegt das keiner mit", sagt Karin Olm, während sie auf das Gaspedal ihres neuen Elektro-Teslas "tippt". Dieser beschleunigt daraufhin rasant, ist trotz seiner Leistung von 400 PS aber kaum hörbar. "Das ist wahrscheinlich der einzige Nachteil, dass man das Auto kaum hört", stellt die Inhaberin des Taxi-Unternehmens Olm fest.

Selbiges hat seit dem 20. August dieses Jahres ein Elektro-Taxi in Betrieb und ist damit auch nach Informationen der Coburger Kfz-Zulassungsstelle das einzige Taxi-Unternehmen in der Region. Grund für die Anschaffung des Tesla Model S sei der Umweltschutz, so Karin Olm. "Bad Rodach als Kurort ist seit 1994 unser Betriebssitz, jetzt wollen wir den Einstieg wagen und umweltschonender fahren", erklärt die Inhaberin. Außerdem wolle man dem Kunden ein vernünftiges Auto bieten und dem Fahrer einen vernünftigen Arbeitsplatz.

Etliche Funktionen

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Das ist mit dem Auto, um nicht zu sagen Raumschiff, auch gelungen. Der geräumige Kofferraum fasst wesentlich mehr Gepäck als herkömmliche Autos, was sich besonders für den Transport von Rollstühlen, Koffern oder Rollatoren eignet. Das Display zwischen Fahrer- und Beifahrersitz ist um ein Vielfaches größer als üblich und ist mit Internet, Sprachsteuerung, Spotify und Navigation leicht zu bedienen. Sogar die Türgriffe können über die dazugehörige App gesteuert werden; ist keine Person in der Nähe, so werden sie sogar automatisch eingefahren. Je nach befahrener Strecke lässt sich das Auto auch anheben oder absenken.

Auto an der Steckdose

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Neben den hilfreichen Funktionen ist der Hauptgrund der Anschaffung natürlich der Elektromotor. Dieser hat etwa 440 Kilometer Reichweite und das Aufladen dauert etwa viereinhalb Stunden. "Es gibt aber auch Schnellader von Tesla, da ist das Auto dann innerhalb von 45 Minuten vollgeladen", erklärt Karin Olm. Solch eine Anschaffung kostet natürlich auch einiges, der Tesla Model S hat etwa 70 000 Euro gekostet. Dazu kommen aber noch die Softwarekosten in Höhe von etwa 10 000 Euro.

"Natürlich ist die Anschaffung sehr teuer und lohnt sich erst bei entsprechendem Einsatz", so Karin Olm. Da sie ihr Unternehmen die Autos aber bis etwa 400 000 km fährt, rentierte sich das Elektro-Auto höchstwahrscheinlich schon. Die Strom- und Wartungskosten seien hier dafür wesentlich geringer als bei den E-Klassen, die Taxi-Olm sonst fährt.

Auch den Kunden gefalle das neue Auto super, so die Inhaberin. "Die merken natürlich, dass das Auto sehr schnell beschleunigt und kaum Lärm dabei macht", freut sich Karin Olm. Und auch als Fahrer lässt sich ein Unterschied feststellen: "Man benutzt die Bremse viel weniger", stellt sie fest.

Ob in Zukunft weitere Elektro-Autos geplant seien, wisse sie noch nicht. "Erst einmal schauen wir, wie sich das Auto jetzt macht", berichtet Karin Olm, "und wenn alles gut läuft, dann könnten wir uns vorstellen, bald noch Sprinter mit Elektromotor in Betrieb zu nehmen."

Der E-Golf ist der Liebling

Schon einige Zeit Erfahrung mit E-Autos gesammelt haben sie im Coburger Landratsamt. Pressesprecher Dieter Pillmann versichert auf Nachfrage: "Die E-Autos laufen sehr gut. Die Fahrzeuge werden von fast allen Mitarbeitern sehr gut angenommen." Wenn es Vorbehalte gebe, dann in erster Linie wegen des Automatik- Getriebes der Fahrzeuge. Insgesamt, schätzt Pillmann, sind die E-Autos im Kollegenkreis begehrt und werden bei normalen Dienstfahrten im Landkreis bevorzugt. Der Pressesprecher würde besonders den E-Golf "vorbehaltlos" für den Fuhrparkeinsatz empfehlen - leider produziert VW derzeit dieses Modell aber nicht mehr.

Dennoch will das Landratsamt bei der Elektromobilität am Ball bleiben, erklärt der Pressesprecher: "Mittelfristig soll der Bestand im Landratsamt weiter ausgebaut werden." Ziel sei, alle Kleinwagen, die nur bei Fahrten im Kreisgebiet eingesetzt werden, gegen E- Fahrzeuge auszutauschen. Für längere Fahrten werden dennoch mindestens drei konventionelle Fahrzeuge vorgehalten.



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