Kulmbach
Energiegespräche

Das Potenzial aus Photovoltaik-Strom im Landkreis ist noch riesig

Die Klimaschutzmanagerin des Landkreises Kulmbach kam bei den 22. Kulmbacher Energiegesprächen ganz schön ins Schwitzen. "Sind Sie angemeldet?" fragte Flieger die Besucher, die zu der Informationsvera...
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Klimaschutzmanagerin Ingrid Flieger und Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Oberfranken warben für Photovoltaikanlagen auf den Hausdächern. Foto: Sonny Adam
Klimaschutzmanagerin Ingrid Flieger und Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Oberfranken warben für Photovoltaikanlagen auf den Hausdächern. Foto: Sonny Adam

Die Klimaschutzmanagerin des Landkreises Kulmbach kam bei den 22. Kulmbacher Energiegesprächen ganz schön ins Schwitzen. "Sind Sie angemeldet?" fragte Flieger die Besucher, die zu der Informationsveranstaltung mit dem Titel "Macht die Dächer voll!" in die Kommunbräu gekommen waren. Wer keine Voranmeldung hatte, konnte nicht mehr in den Saal eingelassen werden. Denn mehr als 120 Interessierte hatten schon vorher Interesse bekundet. "Es tut mir leid, es gibt keine Plätze mehr", bedauerte Flieger. Doch wegen des riesigen Interesses werden die Energiegespräche noch einmal wiederholt (siehe Infobox).

Thema des Abends waren Photovoltaikanlagen. Aktuell fördert der Freistaat 10 000 Anlagen. "Wir sind schon bei 7800 Anlagen", erklärte Landrat Klaus Peter Söllner. Doch er ist zuversichtlich, dass die Förderung weitergeht. Und auch der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Rainer Ludwig, glaubt fest daran. "Ich bin zuversichtlich, dass es eine Neuauflage des Förderprogrammes gibt. Wenn wir aus Atomkraft und Kohle aussteigen, brauchen wir andere Energieformen: erneuerbare Energie. Und die Sonne ist die Nummer eins", so Ludwig.

Für Karlheinz Wildgrube und seine Frau Helga hat die Zukunft bereits begonnen. Das Ehepaar ist mit gutem Beispiel vorangegangen und hat sein Haus zukunftssicher modernisiert. 80 000 Euro hat der frühere Wabag-Ingenieur in sein 1978 erbautes Eigenheim investiert. Die Wertsteigerung liegt allerdings bei 120 000 Euro. "Ich würde es wieder tun. Anfangs ging es mir nur um Solarthermie, aber der Umweltgedanke ist auch immer dabei gewesen", macht Wildgrube allen, die sich mit Sanierungsgedanken tragen Mut, sich von den Experten beraten zu lassen.

"Als meine Ölheizung 28 Jahre alt war, habe ich mir etwas überlegt. Ich wollte eine Beratung, denn wenn eine Ölheizung kaputt geht, dann immer zu Weihnachten", erzählt Wildgrube. Schnell war ihm klar, dass er eine Wärmepumpe einbauen möchte. Aber keine Wärmepumpe, die im Garten aufgestellt wird, sondern eine, die im Keller untergebracht ist.

Doch das war erst der Anfang. Die Wildgrubes bauten vor drei Jahren eine Dämmung in ihr bis dato nur gering gedämmtes Haus (230 Quadratmeter) ein. Sie machten eine Aufdachdämmung, installierten eine neue Gaube. Auf dem Dach wurde eine installiert. Und der Clou ist ein Stromspeicher, der 7,4 kWh aufnehmen kann. "Ich habe auch noch den Stromanbieter gewechselt. So konnte ich meine Stromrechnung von 280 Euro im Monat auf 65 reduzieren. Und dann bekomme ich noch 35 Euro für den eingespeisten Strom", rechnet Wildgrube. De facto bedeutet das: Die Wildgrubes haben nur noch 30 Euro Stromkosten im Monat, inklusive Heizung.

Anderen Mut machen

Nur sieben Jahre benötigt Wildgrube, bis sich seine Anlage amortisiert hat. "Ich möchte auch anderen Mut machen. Man muss sich einfach nur beraten lassen und sich ein bisschen mit der Materie auseinandersetzen", sagt der Ingenieur.

"Es gibt immer wieder diejenigen, die sagen, Photovoltaik rentiert sich nicht mehr. Doch das stimmt nicht: Photovoltaik hat sich immer rentiert", machte Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Oberfranken klar. Bislang gibt es 3200 Photovoltaikanlagen im Landkreis Kulmbach: Diese erzeugen 105 Megawatt-Peak Leistung, erzeugen also knapp 100 Millionen Kilowattstunden Strom. Die Hälfte der Leistung wird von Freiflächenphotovoltaik erzielt. Damit wird ein Viertel des Strombedarfs durch Photovoltaik erzeugt - deutschlandweit liegt der prozentuale Anteil nur bei 7,7 Prozent.

Trotzdem wäre das Potenzial, das der Landkreis hat, wenn alle mitmachen würden, gigantisch: Markus Ruckdeschel schätzt es auf 7000 Wohngebäude, die 78 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen könnten. "Das bedeutet: 80 bis 90 Prozent des Potenzials steht noch zur Verfügung", so Ruckdeschel.Vor allem für all diejenigen, die den Strom nicht nur einspeisen wollen, sondern die auch Strom selbst verbrauchen, sei eine Photovoltaikanlage interessant.

Bei den Energiegesprächen referierten Energieberater Jürgen Ramming von der Energieagentur Oberfranken, der auch selbst Solarstrom nutzt, und Martin Kastner von der Energievision Frankenwald. Die Energievision Frankenwald betreibt seit langem die Aktion "1000 Dächer für die Sonne". Beide erklärten Fördermodelle. So müsse im Einzelfall geprüft werden, wie hoch der Anteil des Eigenverbrauchs sei und wie hoch der Anteil des Stromes, der ins Netz eingespeist werden soll. Neuerdings werden auch Speicherlösungen gefördert. Außerdem seien Cloud-Lösungen praktisch. Denn sie stellen sicher, dass der "eigenproduzierte" Strom auch in kälteren Monaten oder nachts genutzt werden kann.

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