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Coburg

Das Ostergeschehen im Bild

Das Abendmahl von Matthias Grünewald ist ein Hauptwerk deutscher Tafelmalerei. Warum es in diesem Jahr besonders betrachtenswert ist, erläutert der Kurator der Kunstsammlungen der Veste Coburg.
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Abendmahl - Matthias Grünewald (vor 1480-1528), Mischtechnik auf Nadelholz, 48,5 x 85,3 cm, um 1500 (Inv.Nr. M.421)  Foto: Kunstsammlungen der Veste Coburg
Abendmahl - Matthias Grünewald (vor 1480-1528), Mischtechnik auf Nadelholz, 48,5 x 85,3 cm, um 1500 (Inv.Nr. M.421) Foto: Kunstsammlungen der Veste Coburg

Es ist eines der Hauptwerke der Kunstsammlungen der Veste Coburg: Das Abendmahl von Matthias Grünewald, entstand vor 500 Jahren.

Warum es so bedeutend ist, erklärt der Kurator Niels Fleck: "Wer einmal das Glück hatte, den Isenheimer Altar von Mathias Grünewald im Museum Unterlinden in Colmar zu sehen, der wird dieses Hauptwerk deutscher Tafelmalerei nicht mehr vergessen. Kein anderer Künstler hat die Passion und Auferstehung Christi so befremdend realistisch und so farbig expressiv vergegenwärtigt wie Grünewald. Die Coburger Abendmahls-Tafel gilt als erstes bekanntes Werk des biografisch schwer fassbaren Meisters. Grünewalds einzigartige Farb- und Lichtmalerei ist in diesem Frühwerk bereits voll ausgebildet."

Jünger geraten in Aufruhr

Die Abendmahlsszene bestand ursprünglich aus zwei Flügeltäfelchen, die man später zusammengefügt hat. Sie zierten vermutlich eine Predella, den Sockel eines Flügelaltars. Entsprechend der Bildtradition zeigt Grünewald den Moment, in dem Jesus das Abendmahl einsetzt, während die Jünger durch die Ankündigung des Verrats in Aufruhr versetzt sind. Niels Fleck weist auf die Besonderheit hin: "Neuartig ist die Darstellung der Apostel als Individuen, die nicht einem allgemeinen Typus folgen, sondern erstmals in der deutschen Kunst fast porträthafte Züge tragen." Typisch für Grünewald ist die Flächigkeit der expressiven Gesichter, die größtenteils aus der Farbe heraus mit nur geringer Zeichenstruktur entwickelt werden.

Ganz ungewöhnlich ist die Szene im Vordergrund: Links sitzt Judas - erkennbar an seinem gelben Gewand und dem Geldbeutel um seinen Hals. Der weiß gekleidete Apostel rechts gegenüber hat sich erhoben, um Judas den Becher mit Wein zu reichen. Nimmt der Verräter den Kelch entgegen, versündigt er sich doppelt. Dem Priester vor dem Altar wird er als Mahnung vor Augen geführt.

In diesem Jahr, in dem zum ersten Mal seit dem Ostergeschehen vor über 2000 Jahren kein Geistlicher das Abendmahl austeilen wird, sei die Betrachtung eines solchen Bildes von ganz eigenem Wert, so Fleck. red

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