Münnerstadt
Ehrenamt 

Das Original geht's langsamer an

Karl Beudert hat sich aus gesundheitlichen Gründen ein wenig zurückgezogen, bleibt aber dem öffentlichen Leben der Stadt auch mit seinen 79 Jahren erhalten. Er findet, dass man über Krankheiten offen reden sollte.
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Karl Beudert hat bei einem Kontrollgang entdeckt, dass der Sockel des Hochkreuzes in der Freiherr-von-Lutz-Straße mit einer Steinlasur gestrichen werden muss. Auch wenn er gesundheitlich angeschlagen ist, engagiert er sich weiter - so gut es eben geht.  Foto: Thomas Malz
Karl Beudert hat bei einem Kontrollgang entdeckt, dass der Sockel des Hochkreuzes in der Freiherr-von-Lutz-Straße mit einer Steinlasur gestrichen werden muss. Auch wenn er gesundheitlich angeschlagen ist, engagiert er sich weiter - so gut es eben geht. Foto: Thomas Malz
"Ich habe es ja gar nicht gewusst." Von anderen ist Karl Beudert darauf aufmerksam gemacht worden, dass der von ihm initiierte Verlobungstempel im Reiseführer "99 x Franken, wie Sie es nicht kennen" (Bruckmann) aufgeführt ist und sogar auf dem Umschlag erwähnt wird. Die Sanierung des Hainbergturmes gehört ebenso zu seinen Verdiensten wie die Rettung des Hochkreuzes in der Freiherr-von-Lutz-Straße. Karl Beudert sieht sich als Mürschter Original und Urgestein, das auch mit 79 Jahren dem öffentlichen Leben der Stadt erhalten bleibt. Aber: "Es fällt allgemein auf, dass ich mich seit drei Jahren zurückgezogen habe bei Veranstaltungen, Vereinsfesten und Ähnlichem nicht mehr anzutreffen bin." Das hat natürlich seinen Grund. "Ein Meningeom im Kopf mit auftretenden starken Schwindel macht ein Gehen nur noch mit Stöcken möglich."


Operation abgelehnt

Karl Beudert hat mehrere Krankheiten, eine davon macht eigentlich eine Behandlung nötig, die er aber ablehnt. Er weiß, dass das seine Lebenserwartung verringern wird. Allerdings hat sein Arzt die Krankheit halbwegs im Griff. "Die Leute wissen was ich habe, das muss nicht auch noch in der Zeitung stehen", sagt er. Der 79-Jährige will nicht, dass es heißt, er würde mit seinen Krankheiten hausieren gehen. Das Meningeom im Kopf bereitet ihm zusätzlich erhebliche Schwierigkeiten, beeinträchtigt ihn sehr. "Umso mehr freut es mich, dass ich wenigstens geistig noch halbwegs rüstig bin." Karl Beudert könnte sich operieren lassen, aber das will er nicht. "Weil ich zu alt bin, ich glaube nicht daran." Und es gibt noch einen Grund. Er kennt einige Menschen, die sich dazu entschlossen haben. "Vom Tag ihrer Operation an, waren sie nicht mehr die gleichen."


Offener Umgang

Karl Beudert geht ganz offen damit um. "Ich kenne viele Menschen, die mit Krankheiten zu kämpfen haben, aber mit keiner Silbe darüber reden und alles in sich hineinfressen. Das ist nicht so gut - man sollte offen darüber reden", findet er. "Man muss mit seinen Krankheiten leben und das Beste daraus machen."
In der Tageszeitung verfolgt er weiter das örtliche und überörtliche Geschehen sowie alle Aktivitäten der Vereine. Die große Politik interessiert ihn genauso. Und natürlich seine alten Hobbys. "Ich zehre von meinen Erinnerungen." Karl Beudert liebt die Berge. Zehn Viertausender hat er bestiegen, darunter den Mont Blanc. Bezwungen hat er auch die Watzmann-Ostwand. Das könnte er heute natürlich nicht mehr. Aber er ist nach wie vor in Münnerstadt unterwegs. Bei einer dieser Gänge hat er entdeckt, dass das Hochkreuz in der Freiherr-von-Lutz-Straße erneut eine Steinlasur benötigt. Vor einigen Jahren war es fachmännisch restauriert worden, nachdem Karl Beudert einen Spendenaufruf zur Rettung des Wegkreuzes gestartet hatte.


Verlobungstempel initiiert

Schon zuvor hatte er den inzwischen berühmten Verlobungstempel initiiert und sich auch um die Sanierung des Hainbergturmes gekümmert, wo er zusammen mit Roland Lenhart von der Unteren Naturschutzbehörde eine 36 Meter lange Trockenmauer errichtet hat. "Heute sieht es so aus, als wäre die Mauer zeitgleich mit dem Turm entstanden", freut sich der Initiator. "Ohne die Vielzahl von treuen, engagierten Helfern, die mir zur Seite standen, wäre die Realisierung der Projekte nicht möglich gewesen. Für ihren Einsatz bin ich heute noch dankbar."


Mehrfach ausgezeichnet

Zu seinen ersten Projekten zählte 1962 der Bau des großen Kinderspielplatzes am früheren Burschenheim, zusammen mit Paul Früh, Michael Bogner und Josef Weiß. "Das war damals der größte Spielplatz im Landkreis."
Für sein reges Engagement ist er mehrfach geehrt worden, unter anderem mit dem Kulturehrenbrief des Landkreises Bad Kissingen, mit der silbernen Stadtmedaille Münnerstadts und mit der Ehrenmedaille des Bezirksverbandes für Gartenbau und Landespflege Unterfranken. "Viel Verständnis musste meine Frau Helene für mich aufbringen, denn ein reiches Arbeitsfeld in 14 Vereinen über 50 Jahre lang hinweg füllte mich voll aus und hatte stets Vorrang vor der Familie."


Er dreht seine Runden

Inzwischen kann Karl Beudert am aktiven Vereinsleben nicht mehr teilnehmen. "Was ich sehr bedauere", sagt er.
Aber das Mürschter Original dreht noch weiter seine Runden, schaut nach den Dingen, die ihm besonders am Herzen liegen. Auch wenn sich für ihn einiges verändert hat, äußerst beliebt ist er noch immer in seiner Heimatstadt und bei Veranstaltungen ist der Beuderts Karl natürlich nach wie vor ein gern gesehener Gast.

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