Bamberg
Aufgegabelt

Das Nicht-Interview

Sigmar Gabriel, es hätte ein schönes Interview werden können. Der WCB lädt also Jahr für Jahr einen Hochkaräter aus der Politik zu seinem Neujahrsempfang. Das ist eine schöne Möglichkeit für alle: Der...
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Sigmar Gabriel beantwortet bei seinem Besuch in Bamberg Fragen von Journalisten. Foto: M. Hoch
Sigmar Gabriel beantwortet bei seinem Besuch in Bamberg Fragen von Journalisten. Foto: M. Hoch

Sigmar Gabriel, es hätte ein schönes Interview werden können. Der WCB lädt also Jahr für Jahr einen Hochkaräter aus der Politik zu seinem Neujahrsempfang. Das ist eine schöne Möglichkeit für alle: Der Hochkaräter kann mal frei von der Leber weg plaudern. Die Lokaljournalisten bekommen mal einen Hochkaräter vors Mikrophon.

Dass Sigmar Gabriel als schwierig gilt, ist bekannt. Er stellt das im Moment seines Auftritts vor der Presse unter Beweis, er demonstriert diesen borstigen Widerwillen: "Hören Sie doch einfach meiner Rede zu, dann brauchen Sie nichts zu fragen."

Also gut, ausnahmsweise, Gabriel begibt sich in den Scheinwerfer-Kegel der Kamera und beantwortet routiniert die Fragen zur Wirtschaft. Dass Ärmel hochkrempeln doch besser sei als Gürtel enger schnallen. Und ob er schon mal in Bamberg gewesen sei: Ja eh, tolle Gaststätten.

Dann will er aber wirklich schnell weiter. Man ist aber noch nicht durch mit dem Katalog. Also hinterher. Herr Gabriel, wir hätten da schon noch ein paar Fragen. Er müsse auf die Bühne. Auf der Bühne wird offensichtlich gerade noch gesungen. Es geht auch ganz schnell, versprochen. Gabriel seufzt schwer, also, wenn es denn sein muss.

Nochmal das Handy raus, Diktiergerät, gedanklich die Fragen streichen, die ihm zu viel wären, auf das Wesentliche konzentrieren: "Herr Gabriel, bei der Landtagswahl in Bayern war die SPD im Raum Bamberg nur fünftstärkste Kraft. Was glauben Sie, welche Fehler zu diesem Ergebnis geführt haben?" Und Gabriel, der Politprofi, zögert mit einer Antwort keine Sekunde lang: "Zu diesem Thema gebe ich keine Interviews." Weg war er.

Es hätte so schön, und auch erkenntnisreich, werden können. Die weiteren ungestellten Fragen: Wie motiviert man in dieser Lage die Basis, sich weiter reinzuhängen? Seit Ihrem Ausscheiden als Parteichef 2017 setzt sich der Abwärtstrend weiter fort: Ein Anlass für Sie, in Zukunft wieder eine stärkere Rolle zu übernehmen? Die SPD befindet sich in einem Findungsprozess: Was glauben Sie persönlich, was das Instrument sein könnte, um den Abwärtstrend umzukehren?

Genosse Stieringer sagt auf der Bühne dann, Gabriel habe die Parteimitglieder angehalten, seine Interviews zu lesen. In diesem Fall zumindest ist das ja schnell erledigt.



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