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Igensdorf

Das Naturhotel und die Nachbarn

Der vorgesehene Bau am Stöckacher Sportplatz sorgt unter den Anwohnern für Unruhe.
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Auf dieser Fläche am Sportplatz in Stöckach soll das Naturhotel entstehen. Foto:
Auf dieser Fläche am Sportplatz in Stöckach soll das Naturhotel entstehen. Foto:

Naturhotel klingt nach Ruhe in unberührter Natur, nach Erholung in ländlicher Idylle bei einem gemütlichen Plausch an der Feuersschale und dem Duft von gegrilltem Fleisch. Doch was bei den Besuchern den Erholungswert ausmacht, könnte für die Anwohner zur Belastung werden. Angesichts der Diskussionen um Gülleausbringung auf landwirtschaftlichen Flächen und ein Rauchverbot in Biergärten sorgt auch die befürchtete Rauchentwicklung im geplanten Naturhotel in Stöckach bei manchen von ihnen für Befürchtungen.

Zumindest wollte ein Bürger das gerne wissen und brachte seine Sorge bei einem Gespräch mit zwei Gemeinderäten zum Ausdruck. Was sich mit der Ausweisung der Sonderfläche Naturhotel ändere und ob auch eine unbegrenzte Anzahl von Feuerstellen erlaubt werde, wollte er wissen.

Doch anstatt dem für den Bürger anfragenden Gemeinderat eine Antwort zu geben, wies Bürgermeister Wolfgang Rast (IU) bei der darauffolgenden Gemeinderatssitzung darauf hin, dass er das Projekt schon immer befürwortet habe.

Dass eine unbegrenzte Nutzung von Grill- und Feuerstellen beantragt und diese Nutzung auch im Bebauungsplan vorgesehen ist, macht Bürgermeisterkandidatin Barbara Poneleit von den Grünen deutlich, die sich die Unterlagen noch einmal genau anschaute. Auch wenn sie das Naturhotel aufgrund der sparsamen Versiegelung und der Baumpflanzungen positiv bewertet, möchte sie sich dafür einsetzen, dass Feuer und Grillen wie in dem anliegenden Wohngebiet beschränkt wird.

Wie Bürgermeister Rast dazu erklärt, wolle er den Antrag nochmals genau prüfen und mit dem Betreiber reden. "Man kann schlecht ein Naturhotel machen und dann werden Feinstaub und CO2 produziert", meint Rast. "Das wussten wir so nicht", erklärte auch IU-Bürgermeisterkandidat Uwe Zollikofer. Allerdings könne er den Antrag auf unbegrenzte Nutzung verstehen, denn neben den Gruppen, die ihre Seminare hier halten und sich dann erholen möchten, seien auch Individualgäste vorgesehen. Einzelpersonen und Familien, die hier urlauben und natürlich auch Feuer abbrennen oder grillen wollen.

"Ich glaube aber nicht, dass täglich Feuer geschürt werden", ergänzt Zollikofer. "Allerdings macht sich die Unsitte mit den Feuerschalen auch im privaten Bereich breit", beschreibt er seine Erfahrungen. Grundsätzlich sei das Naturhotel eine interessante Einrichtung, die alle Gemeinderäte befürworten. "Wenn allerdings drei Mal wöchentlich Feuer geschürt würde, lässt sich das mit dem Wort Naturhotel nicht vereinbaren", meint Zollikofer, der erst sehen möchte, wie sich das entwickelt und es nicht im Vorfeld schon kaputt reden. Auflagen könne man im Nachgang auch noch machen.

Erneut unter die Lupe nehmen

Auch den anderen Bürgermeisterkandidaten war die Problematik so nicht bewusst. "Wenn der Wind ungünstig steht, kann es schon zu Problemen kommen", gibt Edmund Ulm (CSU) zu. Denn auch an einem Campingplatz werde öfter am Feuer Stockbrot gebacken werden. Das Naturhotel möchte er deshalb nochmal genau unter die Lupe nehmen. Bisher habe man eher die Bedenken der Landwirtschaft im Auge gehabt.

"Wir haben das Naturhotel unterschätzt", sagt Ulm.Es könne nicht sein, dass für ein Lerchenpaar eine 2000 Quadratmeter große Ausgleichsfläche gefunden und für die Fledermäuse eine Rennstrecke erhalten bleiben müsse, die Interessen der Nachbarn aber nicht berücksichtigt werden.

Für die Schulkinder zumindest erwartet das Landratsamt keine erhöhte Feinstaubgefahr, weil die Feuer- und Grillstellen vorrangig abends verwendet werden würden. Bei einem normalen Gebrauch sollte auch für das Wohngebiet keine erhöhte Belastung zu erwarten sein.

"Die Verträglichkeit mit der Wohnbebauung soll im Rahmen eines schalltechnischen Gutachtens geprüft werden. Dieses liegt dem Landratsamt allerdings noch nicht vor", sagt Pressesprecher Holger Strehl. Auch das Abbrennen von Feuern regelt der Markt Igensdorf. "Der vorhabensbezogene Bebauungsplan scheint ja noch nicht beschlossen zu sein. Über den Umfang der geplanten Feuer- oder Grillstellen und ihrer Nutzungsfrequenz kann daher nur spekuliert werden", informierte die Pressestelle am Landratsamt.

Deren Planungsstand ist März 2019. Allerdings hat der Gemeinderat den Entwurf gebilligt. Mit der unbegrenzten Anzahl und Nutzung der Feuer- und Grillstellen.