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Nachgedacht

Das mit der Gerechtigkeit

L iebe Leserinnen und Leser, unter den vielen Dingen, die mich am Auftreten des Coronavirus beeindrucken - und das nicht im positiven Sinn -, ist auch dieses: Ich staune über das Ausmaß an Ungerechtig...
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L iebe Leserinnen und Leser,

unter den vielen Dingen, die mich am Auftreten des Coronavirus beeindrucken - und das nicht im positiven Sinn -, ist auch dieses: Ich staune über das Ausmaß an Ungerechtigkeit, die es hervorbringt.

Anstecken können sich zwar alle gleich. Aber die Folgen sind extrem unterschiedlich. Von denen, die gar nichts bemerken, bis zu denen, die daran sterben - plus alle Variationen dessen, was zwischen den Extremen liegt. Und so lange wir nicht wissen, woran das liegt, können wir kaum etwas dagegen tun.

Aber auch die Folgen, die die Maßnahmen zur Eindämmung hervorbringen, sind extrem unterschiedlich. Die einen verzweifeln in der Isolation, die anderen entdecken eine neue Art zu leben darin. Die einen werden durch finanzielle Verluste in ihrer Existenz bedroht, während andere kaum Einbußen verzeichnen. Man hat Sorgen wegen der Kinder, wegen der alten Eltern, wegen eigener Erkrankungen. Und wenn man erst anfängt, die Situation vieler Menschen in Deutschland mit denen in armen Ländern zu vergleichen ... Alles das sind Dinge, gegen die man zum Teil etwas tun kann - und vieles wird auch getan -, aber es bleibt ein Rest an Unterschieden, in vielen Fällen ein ziemlich großer.

Diese Zeit ist eine Zeit der Belastung. Wir haben sie nicht erwartet und sind darauf kaum vorbereitet. Es ist eine Zeit, in der, wie Jesus einmal gesagt hat, jeder sein eigenes Kreuz zu tragen hat. Solche Zeiten gibt es; warum das so ist, weiß ich nicht. Die Sorgen und Ungerechtigkeiten, die sich hier auftun, sind mindestens eine Nummer zu groß für uns. Das ist erschreckend und empörend. Aber Empörung ist - wie Angst auch - ein schlechter Ratgeber.

Es gibt Dinge, die uns Menschen möglich sind. Wir können Medikamente und eine Impfung gegen das Virus entwickeln. Wir werden sie voraussichtlich eines Tages haben. Erfolge gibt es bereits, das sind gute Nachrichten. Wir können viele unterschiedliche Belastungen finanziell oder zwischenmenschlich abfedern. Auch hier geschieht vieles. Dass wir trotzdem alle irgendwie auch Schaden nehmen, ist leider wahr. Dass es uns aber ohne die Nutzung unserer menschlichen Möglichkeiten viel schlimmer ginge, ist ebenfalls wahr. Deshalb ist alles wichtig, was wir an Gutem tun, für uns selbst und für andere. Gott helfe uns dabei, die Probleme so gering wie möglich zu halten.

Und er helfe uns bei den Dingen, die unsere Fähigkeiten übersteigen. Denn auch das ist eine Botschaft der Bibel: Dass bei Gott auch die Dinge möglich sind, die bei uns Menschen unmöglich sind. Darauf hoffe ich; in Zeit und Ewigkeit.

Hans-Helmuth Schneider, Jahrgang 1962, ist Pfarrer an der Stephanskirche in Bamberg. Er ist verheiratet und hat bisher im Allgäu, in München und in Tansania/Ostafrika gearbeitet.