Höchstadt a. d. Aisch

Das Lebenswerk des Forschers Johann Baptist Ritter von Spix blieb unvollendet

Höchstadt — Nicht nur die Reise nach Brasilien und die damit verbundenen Forschungen machten Johann Baptist Ritter von Spix bekannt. Schon vor seiner großen...
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Porträt des Johann Baptist Ritter von Spix Repro: FT
Porträt des Johann Baptist Ritter von Spix Repro: FT
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Höchstadt — Nicht nur die Reise nach Brasilien und die damit verbundenen Forschungen machten Johann Baptist Ritter von Spix bekannt. Schon vor seiner großen Brasilienexpedition, für die er heute vor allem bekannt ist, hat sich Johann Baptist Ritter von Spix mit einschlägigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen einen Namen gemacht. Außergewöhnlich für die damalige Zeit war vor allem die Genauigkeit, mit der er die von ihm erforschten Lebewesen beschrieb.


Seestern und Lederkoralle

Während einer Reise in die Normandie untersuchte Spix mithilfe von Experimenten die Empfindsamkeit der "niederen Tiere" am Beispiel des Seesterns, der Aktinie und der Lederkoralle. Die Frage nach der Unterscheidung der Tiere von den Pflanzen war gerade aktuell. Die Ergebnisse fasste Spix in seiner ersten Publikation zusammen.
Dass die Einteilung der Lebewesen in Kategorien und Rangordnungen zur Zeit von Spix ein Kernthema der Biologie war, spiegelt sich in dessen 700 Seiten dicken Werk "Geschichte und Beurtheilung aller Systeme in der Zoologie nach ihrer Entwicklungsfolge von Aristoteles bis in die gegenwärtige Zeit" wider.
Spix beschäftigte sich also mit den Versuchen seiner Vorgänger, die Natur in eine Ordnung zu bringen. Zwei Jahre nach der Veröffentlichung wurde er als vollwertiges Mitglied in die Akademie der Bayerischen Wissenschaften aufgenommen und nahm von nun an in samtener Uniform regelmäßig an Gelehrtentreffen und offiziellen Anlässen der Akademie teil.
Spix hatte dargelegt, dass der Körperbau für die Einordnung der Tiere in das natürliche System eine große Rolle spiele. Dementsprechend detailliert erforschte und beschrieb er in seiner nächsten Arbeit das Blutgefäß- und Nervensystem des Blutegels.
In einem weiteren Werk beschäftigte er sich mit ganz anderen Tieren: Dieses Mal erstellte er eine informative Übersicht aller bisher bekannten Affenarten.
Besonders viel Zeit und Sorgfalt investierte Spix in seine "Cephalogenesis". Noch nie zuvor waren die Schädel vieler verschiedener Tiere und Menschen so gründlich untersucht worden wie in diesem 1815 veröffentlichten Werk, das Spix selbst als sein Meisterwerk betrachtete. Auf der Suche nach Erkenntnissen über die Entwicklung des Kopfes im Tierreich analysierte er neben den Schädeln von Wirbeltieren auch die Kopfkapseln von Insekten, Spinnen und Krebsen bis hin zu Tintenfischen.


Auch Goethes Interesse geweckt

Das Werk erregte viel Aufmerksamkeit, wurde von wissenschaftlichen Kollegen aber auch kritisiert. Sogar Goethe setzte sich im Zusammenhang mit seinen eigenen naturwissenschaftlichen Arbeiten intensiv mit der "Cephalogenesis" von Spix auseinander.
Johann Baptist Ritter von Spix hatte sich durch seine Studien in kürzester Zeit hohes Ansehen verschafft, und auch heute behalten seine Erkenntnisse Gültigkeit. Er hatte Pläne für viele weitere wissenschaftliche Pubikationen, für die Brasilienreise musste er seine Forschungen allerdings unterbrechen. Umso tragischer ist es, dass er ausgerechnet an einer Tropenkrankheit sehr früh starb, so dass er sein Werk nie weiterführen konnte.
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