Erlangen
Inklusionspreis

Das Leben in einer integrativen WG "war für mich nichts Außergewöhnliches"

Dass in einer Wohngemeinschaft Freundschaften entstehen, ist nichts Ungewöhnliches. Gemeinsames Kochen und Fußballgucken - man merkt schnell, ob es passt. Uwe Molnar kam 2011 für einen Masterstudienga...
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Die Preisträger des diesjährigen Erlanger Inklusionspreises: Oliver Bachträgl, Michaela Kanawin, Uwe Molnar, Brigitte Korn, Andreas Thum (vorne v. l.), Sabine Fechter mit Mitarbeiterinnen, Sissi Plank, Thomas Hofmann, Herrmann Requardt und Schila Nemeth-Heim (hinten v. l.) Foto: Pascale Ferry
Die Preisträger des diesjährigen Erlanger Inklusionspreises: Oliver Bachträgl, Michaela Kanawin, Uwe Molnar, Brigitte Korn, Andreas Thum (vorne v. l.), Sabine Fechter mit Mitarbeiterinnen, Sissi Plank, Thomas Hofmann, Herrmann Requardt und Schila Nemeth-Heim (hinten v. l.) Foto: Pascale Ferry

Dass in einer Wohngemeinschaft Freundschaften entstehen, ist nichts Ungewöhnliches. Gemeinsames Kochen und Fußballgucken - man merkt schnell, ob es passt. Uwe Molnar kam 2011 für einen Masterstudiengang nach Erlangen und war auf der Suche nach einem WG-Zimmer. Eine Zusage hatte er bereits, als er sich noch ein Zimmer bei Uli Kanawin anschaute. Am vergangenen Freitag wurde er von der Stiftung Lebenshilfe mit dem Erlanger Inklusionspreis geehrt, für den ihn Kanawins Mutter vorgeschlagen hatte. Denn Uli ist ein junger Mann mit Down-Syndrom.

"Ich hatte in der Anzeige gelesen, dass es eine ,integrative WG‘ ist, aber nicht so richtig realisiert, was das heißen soll", so Molnar. Er sei dann zwar überrascht gewesen, als er Uli kennengelernt habe. Aber dieser habe ihm so freundlich die Wohnung gezeigt, ihm gleich mit einem Stadtplan ausgeholfen, das habe ihm sehr gut gefallen. Als er dann den Anruf bekommen habe, dass Uli ihn für die WG "haben wolle", hat er sich sehr gefreut. "Da war ich nicht nur eine Nummer, wie in anderen WGs, wo die Namen der Bewerber auf einer Pinnwand stehen und teilweise schon durchgestrichen sind."

Eine Freundschaft entstand

Wie Kanawins Mutter in ihrer Laudatio schilderte, begannen so wunderbare Jahre und eine dicke Freundschaft. Zum gemeinsamen Wohnen kamen Besuche von Veranstaltungen der Lebenshilfe, durch Uli initiiert, und der Uni, von Uwe ausgehend. "Beide Seiten lernten so die Umgebung des anderen kennen." Auch in die jeweiligen Freundeskreise und Familien integrierten sie sich gegenseitig. Obwohl Uwe 2015 mit seiner heutigen Frau zusammenzog, gibt es nach wie vor gemeinsame Aktivitäten. Uli, der sich zurzeit auf Reisen befindet, schickte Glückwünsche per Video.

Molnar zu seiner Ehrung: "Ich wünsche mir, dass mehr Menschen offen für Menschen mit Beeinträchtigungen sind. Für mich war das Zusammenleben nichts Außergewöhnliches." Deshalb würde er das Preisgeld von 1000 Euro auch der Elterninitiative für krebskranke Kinder spenden.

Auch das Ehepaar Sissi und Werner Plank wurde geehrt, das in seinem Rewe-Markt regelmäßig Praktikanten mit Behinderungen und Mitarbeiter aus den Regnitz-Werkstätten beschäftigt und so ins Arbeitsleben integriert. Preisträgerin Sabine Fechter bietet auf ihrem Pferdehof in Bräuningshof therapeutisches Reiten für Menschen mit und ohne Behinderung an und ihre Aktivitäten sind offen für jedermann, unabhängig vom Unterstützungsbedarf. Einen Sonderpreis gab es für das Erlanger Stadtmuseum, den Brigitte Korn und Andreas Thum entgegennahmen. Das Museum hat sich mit der Ausstellung "Barrieresprung" als eines des ersten Häuser in Deutschland überhaupt dem Thema Behinderungen gewidmet hat.

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