Ebensfeld
Volkstrauertag

"Das heutige Totengedenken warnt uns vor falscher Selbstsicherheit"

Kalter Novemberwind blies den Gläubigen entgegen beim Volkstrauertag in Ebensfeld (und allerorten im Landkreis), als Bürgermeister Bernhard Storath zum Gedenken an die Opfer von Kriegen, Gewalt und Ve...
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"Der Volkstrauertag ist kein Gedenktag für die Vergangenheit, sondern für die Zukunft", thematisierte Bürgermeister Bernhard Storath, der am Ehrenmal einen Kranz niederlegte, in seiner bewegenden Rede auch die Verantwortung für nachfolgende Generationen.  Foto: Mario Deller
"Der Volkstrauertag ist kein Gedenktag für die Vergangenheit, sondern für die Zukunft", thematisierte Bürgermeister Bernhard Storath, der am Ehrenmal einen Kranz niederlegte, in seiner bewegenden Rede auch die Verantwortung für nachfolgende Generationen. Foto: Mario Deller

Kalter Novemberwind blies den Gläubigen entgegen beim Volkstrauertag in Ebensfeld (und allerorten im Landkreis), als Bürgermeister Bernhard Storath zum Gedenken an die Opfer von Kriegen, Gewalt und Verfolgung einen Kranz am Ehrenmal niederlegte.

Auch wenn wir hierzulande in Frieden leben dürfen, gebe es leider immer noch unzählige Männer, Frauen, und Kinder, die in Krisengebieten als Opfer von Gewalt und Hass ihr Leben lassen müssen, betonte Pfarrer Rudi Scharf im Gottesdienst. Neben den Opfern der beiden Weltkriege wurde auch den bei heutigen kriegerischen Auseinandersetzungen oder auf der Flucht ums Leben Gekommenen gedacht. "Das heutige Totengedenken warnt uns vor falscher Selbstsicherheit", so der Geistliche. Angesichts der Menschen, die falsches und zerstörerisches Gedankengut verbreiteten, müsse man für den Frieden eintreten. Man müsse trotz allem zuversichtlich bleiben. "Diese Zuversicht bedarf aber auch der Wachsamkeit", gab er zu bedenken. Wenn rassistische Stammtischparolen und Volksverhetzung um sich greifen, müsse man sich dagegen wehren, appellierte er in seiner engagierten Predigt und ergänzte: "Menschlichkeit und Nächstenliebe sind keine Schwächen, sondern Werte, für die es zu leben lohnt". Von Kindern im weiteren Verlauf des Gottesdienstes verlesene Fürbitten brachten etwa die Hoffnung zum Ausdruck, "dass die Botschaft des Friedens bei allen Völkern gehört wird."

3000 Schuss pro Minute

Betont besinnlich und mit getragener Umrahmung durch die Musikvereinigung Ebensfeld folgte nach dem Gottesdienst das Gedenken am Ehrenmal. Bürgermeister Bernhard Storath legte dort einen Kranz nieder. Nachdenklich wirkten seine Worte, die er an die Versammelten richtete. Verdränge man die Vergangenheit, dann verliere man das Wesentliche aus den Augen, so Storath. Er habe kürzlich gelesen, dass eine Waffe erfunden wurde, die 3000 Schuss pro Minute abfeuere. "Ist das die Welt, die wir unseren Kindern und Kindeskindern hinterlassen wollen - sicherlich nicht", thematisierte der Bürgermeister die Verantwortung für die nachfolgenden Generationen. "Der Volkstrauertag ist deshalb für mich kein Gedenktag der Vergangenheit, sondern einer für die Zukunft." Der Volkstrauertag erinnere auch an düstere Zeiten, in denen es uns schlecht ging. Deshalb müsse man sich auch vor Augen halten, dass wir in einer Welt leben, in der es noch viel Schönes und Gutes gebe, unterstrich Storath, der mit den Worten schloss: "Und wir müssen uns dafür einsetzen, dass dies auch so bleibt."

Zwei Sprösslinge, vielleicht drei oder vier Jahre alt, rannten während des Gedenkens zweimal über den Kirchenvorplatz. Das war bei näherer Betrachtung nicht störend, eher im Gegenteil. dell

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