Hallstadt

Das hat die Bahn in Hallstadt vor

Bei einem "Bürgerdialog" im Kulturboden können sich die Hallstadter über die Großbaustelle vor ihrer Haustür informieren.
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Von Breitengüßbach her rückt der Bahnausbau auf Hallstadt vor. Foto: Ronald Rinklef
Von Breitengüßbach her rückt der Bahnausbau auf Hallstadt vor. Foto: Ronald Rinklef
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Die Stimmung war nicht angespannt oder gar aufgeheizt, sondern mehr von Interesse und Neugier mit einer gewissen Portion Skepsis geprägt: Die Bahn hatte in Hallstadt zum Infoabend, "Bürgerdialog" genannt, in den Kulturboden geladen. Rund 100 interessierte Hallstadter kamen. Nach einem kurzen Überblick über die derzeit laufenden Arbeiten im Streckenabschnitt Breitengüßbach - Hallstadt durch Hubert Greu bel, den Projektleiter der ausführenden Baufirma Leonhard Weiss, hatten sie Gelegenheit, Fragen an die Vertreter der Bahn zu richten. Die standen im Nebenraum vor Schautafeln mit speziellen Themen und detaillierten Bauplänen bereit.

Wände quer durch die Stadt

Lärmschutz ist das Thema, das offenbar den meisten auf den Nägeln brennt. "Ich bin kein Freund von Schallschutzwänden", meint etwa ein Hallstadter, lässt sich aber die Vorzüge ausführlich erklären. Den Widerspruch zwischen dem praktischen Nutzen und der ortsbildstörenden Optik der Wände kann aber auch der Bahnmitarbeiter nicht auflösen. Ohne wird der Bahnausbau in Hallstadt nicht gehen. Also wird dort derzeit hauptsächlich über die farbliche Gestaltung der Lärmschutzwände diskutiert, wie Bürgermeister Thomas Söder (CSU) und sein Stellvertreter Ludwig Wolf (BBL) bestätigen. Die Entscheidung wird ortsbildprägend sein. Denn im Streckenabschnitt bis Breitengüßbach sind rund fünf Kilometer Lärmschutzwände geplant, davon fast vier Kilometer in Hallstadt selbst.

Neben Fragen des Lärmschutzes ging es zum Beispiel auch um Grunderwerb oder die technische Frage, zum Zugang zu den Bahnsteigen und wo das vierte Gleis verlegt wird. Was Grundeigentum betrifft, ist seit dem Planfeststellungsverfahren von 2015 eigentlich geklärt, welche Flächen die Bahn während der Bauzeit oder dauerhaft benötigt. Doch es gibt zum Beispiel auch das Problem eines Mannes, der versäumt hat, 2014 Einspruch einzulegen - und nun feststellen muss, dass die Zufahrt auch als Rettungsweg und Baustellenzufahrt benötigt wird.

Ein Problem, das schwerer zu klären ist als die Frage nach der Lage der Gleise. Drei gibt es in Hallstadt bereits. Es wird aber nicht einfach ein viertes hinzugebaut. Die bestehende Trasse wird verbreitert. Darauf entstehen zwei Außengleise, auf denen der ICE bis zu 230 km/h schnell fahren kann, und zwei Innengleise für den Nahverkehr, über den der Bahnhof - künftig Haltepunkt - Hallstadt angebunden ist. Die bereits für neue Bahnbedürfnisse gebaute Über-/Unterführung Michelinstraße lässt erkennen, dass das "neue vierte Gleis" auf der östlichen Seite verlegt wird.

Gleisbau ab 2020

Dieser östliche Bahnkörper soll nach dem in Hallstadt ausgelegten Zeitplan ab Anfang 2020 gebaut und am 2. April 2021 in Betrieb genommen werden. Danach folgt der Bau der beiden westlichen Gleise für die Züge in Richtung Bamberg und für den Mittelbahnsteig, über den man zu den Regionalzügen gelangt, die in Hallstadt halten. Dieser Bahnsteig ist lediglich über einen Aufgang und Aufzug von der Unterführung Michelinstraße aus zu erreichen. Beides soll am 5. Dezember 2021 in Betrieb genommen werden. In der Ende März dem Hallstadter Stadtrat gezeigten Version wurde allerdings noch der 5. Oktober 2022 für den Mittelbahnsteig und für den "Bahnkörper links der Bahn" der 9. Oktober 2023 genannt.

Einfacher ist die Antwort für den Mann, der wissen will, ob der Hallstadter Bahnhof während der Bauzeit für längere Zeit gesperrt wird. Denn er nutzt ihn vor allem am Wochenende als Startpunkt für Wanderausflüge. "Nein", gibt ihm eine Bahnmitarbeiterin zur Auskunft. Allerdings werde an manchen Wochenenden die gesamte Strecke gesperrt. Es gebe dann aber einen Schienenersatzverkehr. "Warum nicht gleich eine Vollsperrung und kürzere Bauzeit, wie zwischen Zapfendorf und Breitengüßbach?", erkundigt sich ein anderer Besucher. Das sei die absolute Ausnahme wegen der erschwerten Baubedingungen in diesem Abschnitt gewesen, meint Bahn-Projektingenieur Christian Wittig.

"Gut informiert"

Viele Besucher der Infoveranstaltung haben jedoch gar keine konkrete Frage, sondern wollten sich "erst mal informieren". Wittig findet aber: "Viele sind schon gut informiert hierher gekommen. Das ist positiv."

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