Kronach
Literatur

Das Hanf-Selbstpflückfeld blieb eine Idee, die dennoch literarische Früchte trägt

Eine internationale Anthologie mit dem Titel "Worte aussäen" ist in der Neuen Cranach Presse Kronach von Ingo Cesaro erschienen. Thema ist die älteste Kulturpflanze Nutzhanf, mit der der Landwirt Jose...
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Ingo Cesaro (re.) und Gisela Gülpen (2.v.li.) mit der Landwirtsfamilie Bayer bei der Buchvorstellung Foto: privat
Ingo Cesaro (re.) und Gisela Gülpen (2.v.li.) mit der Landwirtsfamilie Bayer bei der Buchvorstellung Foto: privat

Eine internationale Anthologie mit dem Titel "Worte aussäen" ist in der Neuen Cranach Presse Kronach von Ingo Cesaro erschienen. Thema ist die älteste Kulturpflanze Nutzhanf, mit der der Landwirt Josef Bayer ein Selbstpflückfeld anlegen wollte. Daraus wurde zwar nichts, dafür trägt seine Idee jetzt literarische Früchte.

Zum Hintergrund: Als der Landwirt Hermann Bayer 1998 ein Mais-Labyrinth plante, informierte er Ingo Cesaro in der Hoffnung auf eine künstlerische Zusammenarbeit. Bald darauf legte Cesaro Hermann Bayer ein Konzept vor, das aus einem Mais-Labyrinth, die damals an vielen Orten geplant waren und entstanden, das einzige "Mais-Kultur-Labyrinth" machen sollte. Cesaro konnte Bildhauer, Autoren und bildende Künstler gewinnen, Arbeiten für das "Mais-Kultur-Labyrinth" zur Verfügung zu stellen.

Bevor das Mais-Kultur-Labyrinth eröffnet wurde, wurden im Labyrinth Holz-Skulpturen aufgestellt und einlaminierte Malerei und Gedichte aufgehängt. Dazu hatte Cesaro außerdem ein internationales Literatur-Projekt zum Thema "Mais-Labyrinth" ausgeschrieben.

Zum Abschluss wurde eine bibliophile Edition den beteiligten Autoren versprochen. So wurde mitten im Mais-Kultur-Labyrinth eine Druckwerkstatt aufgebaut und eine Auswahl der Gedichte "open air" gesetzt und gedruckt. Es entstand die internationale bibliophile Anthologie "Sichelspuren", in einer nummerierten und signierten Auflage von 55 Exemplaren. In dieser Zeit wurde "Markt"Rodach" wochenlang zu "Mais"Rodach".

Zwanzig Jahre später informierte Kreiskulturreferentin Gisela Lang Ingo Cesaro, dass Josef Bayer das erste Hanf-Selbstpflückfeld plane. Beide dachten gleich an das Mais-Kultur-Labyrinth. Josef Bayer setzte sich mit Cesaro in Verbindung und gemeinsam planten sie eine Verbindung zwischen Nutzhanf und vorerst nur Literatur zu schaffen. In weiteren Aktionen ist auch wieder bildende Kunst eingeplant.

Cesaro schrieb bekannte Haiku-Autoren an und bat um Einsendung von Haiku zum Thema Nutzhanf. Ein Thema, das oft bei Haiku eine große Rolle spielt, sind Naturthemen, natürlich auch Hanf. Bei seinen jährlichen internationalen Anthologien benötigt er bis zur Auslieferung gute sechs Monate. In diesem Falle standen ihm nur sechs Wochen zu Verfügung. Deshalb suchte Cesaro Kurzgedichte in Haikuform (drei Zeilen, ingesamt 17 Silben und dem Silbenrhythmus 5 : 7 : 5) aus dem Fundus der Autoren.

Aus Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Serbien, Frankreich, Polen und Japan, neben Deutschland, trafen Haikus rechtzeitig ein. Alles lief wie geplant. Dann informierte Josef Bayer Ingo Cesaro Ende Juni, dass Deutschlands erstes Hanf-Selbstpflückfeld vorerst nicht realisiert werden darf. Aber die Vorbereitungen für die Anthologie liefen bereits und Cesaro hatte den beteiligten Autoren eine internationale Sammlung fest zugesagt.

Nun liegt "Worte aussäen" mit über 120 Haiku zum Thema Nutzhanf in einer nummerierten und signierten Auflage von 177 Exemplaren vor. In bibliophiler Ausstattung, gedruckt auf Werkdruckpapier im Japanbogen und mit Durchstichbindung eingebunden in handgeschöpften Umschlagkarton in der Farbe ocker. Mit eingebunden wurde jeweils auch ein handgeschöpfter Bogen Hanfpapier von Gudrun Fricke aus Küps. Die Verarbeitung lag in den Händen von Gisela Gülpen, die auch für den Vertrieb zuständig ist.

Die Edition erschien in der Neuen Cranach Presse Kronach und kostet 25 Euro und ist bei Ingo Cesaro erhältlich.

Hier zwei Beispiele aus "Worte aussäen"

Umland von Kronach

setzt das richtige Zeichen:

Kunden pflücken Hanf.

Thomas Berger, Kelkheim

Gutenberg-Bibel

auf Hanfpapier gedruckt - welch

ein wertvolles Werk

Elfriede Hunger, Wien red

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