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Hallstadt

Das Hallstadt-Quartett

Die Bürgermeisterkandidaten Thomas Söder (CSU), Heiko Nitsche (SPD), Herbert Diller (BBL/FW) und Verena Luche (Grüne) standen bei der FT-Podiumsdiskussion Rede und Antwort.
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Vier Kandidaten fürs Bürgermeisteramt sorgen in Hallstadt für reges Interesse. Gut 200 interessierte Hallstadter hatten sich vorab alle verfügbaren Plätze im Pfarr- und Jugendheim gesichert, um die Podiumsdiskussion des Fränkischen Tags zu verfolgen. Um es vorwegzunehmen: Amtsinhaber Thomas Söder (CSU), die Stadträte Heiko Nitsche (SPD) und Herbert Diller (Bürgerblock/FW) sowie Neueinsteigerin Verena Luche (Grüne) lieferten sich einen durchweg sachlichen und fairen Schlagabtausch, in der von FT-Redaktionsleiter Michael Memmel und Redakteurin Anette Schreiber moderierten Diskussion. Diese wurde von den, sich in gleicher Lautstärke bemerkbar machenden, jeweiligen Anhängerschaften eifrig beklatscht. Für mehrere Beiträge gab es auch parteiübergreifenden Szenenapplaus.

Michelin

Nach der Vorstellungsrunde der vier Kandidaten ging es dann gleich an ein heißes Thema, das unvermittelt Ende vergangenen Jahres auftauchte, und in Hallstadt wohl noch über die kommende Wahlperiode hinaus ein zentrales Thema bleiben wird: Michelin. Wie geht es aktuell weiter? Was wird aus den über 850 Arbeitsplätzen? Und vor allem: Was wird aus dem 240 000 Quadratmeter großen Areal?

Amtsinhaber Söder berichtete von laufenden Gesprächen und zeigte sich erfreut über frühzeitig geknüpfte Kontakte zu Land und Bund. Mit Blick auf die Zukunft meinte er. "Wir wollen innovative Firmen haben, Startups - auch fern der Autoindustrie." Das Ziel sei, dort "mindestens 850 Arbeitsplätze in krisensicheren Firmen" zu schaffen. SPD-Bewerber Nitsche stimmte darin überein, dass "alle Gespräche bisher in die richtige Richtung" liefen. Er forderte aber vehement, dass die Stadt alle Hebel in Bewegung setzt, um in "direkten Kontakt mit den Eigentümern" zu kommen. Nur so könne Hallstadt Zugriff auf das Gelände bekommen.

Diller betonte, dass Michelin selbstverständlich ein wichtiges Thema für den Bürgerblock sei, auch wenn es nicht explizit im Wahlprogramm stehe. Luche sah schon die Möglichkeit, das Areal "mit Bürgerbeteiligung" zu entwickeln. "Was sind eure Ideen?", frage sie in den Raum. Für Michelin schwebt ihr jedenfalls auch eine Wohnbebauung vor - womit sie zum nächsten Themenblock wechselte.

Bauen und Wohnen

"Wohnraum muss bezahlbar, innovativ und nachhaltig sein", forderte Luche. In Hallstadt gebe es bei Bauland wenig Spielraum, umso sensibler müsse mit dem Naturraum umgegangen werden. Leerstände müssten genutzt werden. Beim Michelin-Gelände sei es möglich, gute Konzepte zu entwickeln.

"Eine Stadtbaugenossen schaft als Tochterunternehmen der Stadt" ist für Diller "das große Ziel". Sie soll "Bestandsimmobilien sinnvoll umwandeln", barrierefreie Wohnkonzepte entwickeln und auf Flächen im Besitz der Stadt "Wohnen für alle Altersgruppen und sozialen Schichten" gestalten.

Statt einer Wohnbaugenossenschaft hätte Heiko Nitsche lieber einen "Wohnraummanager " für die Stadt. Dieser solle eine Bestandsaufnahme in der ganzen Stadt machen. Das Hauptanliegen ist auch für Nitsche "bezahlbarer Wohnraum". Hier griff er das einzige Mal am Abend Thomas Söder direkt an, dem er ein früheres Zitat vorhielt: "Wohnraum muss den Kräften des Marktes überlassen werden."

Söder bestritt diese Aussage nicht. Verwies aber beim Beispiel des innerstädtischen Quartiers am Stadtpark - auf das sich Nitsches Kritik bezogen hatte - auf rechtliche Vorgaben. Ansonsten seien beim Bauen zwei Modelle möglich: die Stadt könne selbst Geld in die Hand nehmen, oder sich mit Bauträgern zusammentun.

Stadtentwicklung

Beim Themenblock Stadtentwicklung ging es zunächst um den Stadtteil Dörfleins. Der gebürtige Dörfleinser Nitsche beklagte vor allem Leerstand in der Ortsmitte - und forderte, hier einen "Raum für eine Förderkulisse" auszuweisen. Dabei sollen seiner Meinung nach nicht nur überregionale Programme zum Tragen kommen, "sondern auch die Stadt aktiv werden."

Söder will dagegen die "Zusammenarbeit mit dem Amt für Ländliche Entwicklung" (also die Dorferneuerung) angehen und mit "flankierenden Maßnahmen" die Infrastruktur stärken.

Auf die Moderatorenfrage, warum im Wahlprogramm der Grünen nichts Konkretes zu Dörfleins stehe, meinte Luche, sie mache keinen Unterschied zwischen Hallstadt und Dörfleins. Ganz konkret plädierte sie dafür, in Dörfleins wieder einen Laden zu installieren. Eine Forderung mit der sie sicher bei allen offene Türen einrannte.

Diller will "ein Sanierungsgebiet festlegen. Dann könnte etwas gemacht werden." Er verwies darauf, dass in den letzten Jahren viele Häuser im Ortskern die Besitzer gewechselt hätten und kritisierte: "Da ist ein bisschen was verschlafen worden."

Bei der Stadtentwicklung im allgemeinen kamen viele Themen zur Sprache. Da ging es um die aktuelle Baustelle, um den Verkehr und Radfahren, um Aufenthaltsqualität und Begrünung, um Handel und Gewerbe, Kultur und Tourismus.

"Eine Gratwanderung" zwischen Verkehrsberuhigung und Ladensterben nannte Heiko Nitsche den Umbau des Marktplatzes. Luche sprach von einem fehlenden Zentrum und vermisste vor allem Aufenthaltsqualität. Söder betonte, dass die "Jahrhundertmaßnahme" Marktplatzsanierung im geplanten Zeitrahmen verlaufe.

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