Bamberg
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Das geht uns alle an

Michael Schwital Kurz vor Weihnachten an irgendeiner Discounterkasse irgendwo in Bamberg: Ängstlichen Blickes müht sich ein junges Asylbewerber-Paar, dem deutschen Takt in solchen Alltagssituationen z...
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Michael Schwital Kurz vor Weihnachten an irgendeiner Discounterkasse irgendwo in Bamberg: Ängstlichen Blickes müht sich ein junges Asylbewerber-Paar, dem deutschen Takt in solchen Alltagssituationen zu folgen. Mancher Zeitgenosse dürfte sich (noch harmlos) fragen, wessen Geld hier ausgegeben wird. Unseres? Möglicherweise ja. Also abgrenzen, abschotten, abschieben, zurückweisen. Nein. Können oder wollen wir nicht begreifen, dass unser Wohlstand auch auf dem Elend des Rests der Welt gewachsen ist, wir nach Jahrhunderten der Ausbeutung deshalb längst in der Verantwortung stehen?

Es sind ausgerechnet unsere modernsten Errungenschaften, die sozialen Medien, transportiert per mobilem Telefon, die für Zustände sorgen, die vielen nicht behagen, Angst machen. Lange bekamen die Armen, die Schwachen in den Entwicklungsländern, gar nichts mit vom Fortschritt vornehmlich im Norden der Weltkugel. Davon kündete noch nicht einmal das Faxgerät, als es neuester Stand der Technik war, weil ihm zu oft der Wüstenstaub den Garaus machte.

Aber jetzt: Bilder von Steinhäusern, Verkehrslawinen mit schönen Autos und nicht zuletzt gut gekleideten Menschen, denen anzusehen ist, dass sie nicht hungern müssen. Diese Szenen sind auf kleinen Bildschirmen im pakistanischen Hunza-Tal auf 4000 Metern Höhe genauso herzuwischen wie in Teilen der Sahelzone.

Und wir glauben, wir müssen nur die Türe zumachen, dann gehe uns das schon nichts an. Das ist zu kurz gedacht. Die Probleme werden mehr, die Bevölkerung in der Dritten Welt wächst rasant, der Klimawandel verschärft den Kampf um Essen und Trinken. Wenn wir zur Weihnachtszeit versuchen zu verstehen, warum so viele Flüchtlinge in unserer Heimat das gelobte Land sehen, denken wir vielleicht schon in die richtige Richtung. Was passieren kann, wenn grundverschiedene Kulturen aufeinandertreffen, zumal zusammengeführt auf engstem Raum, lehrt das Beispiel der Bamberger Aufnahmeeinrichtung. In der Bewertung die christlich-humanistischen Werte zu vergessen, die uns ein friedliches, freiheitliches Zusammenleben bescheren, ist perfide.

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