Theres
Himmlische Aussichten

Das Flüstern der Ewigkeit

K ennen Sie Mister May? Nein, ich meine nicht den Mann der ehemaligen britischen Premierministerin. Ich meine Mister May aus dem Film "Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit". Mr. May lebt für andere. ...
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GünterSchmitt
GünterSchmitt

K ennen Sie Mister May? Nein, ich meine nicht den Mann der ehemaligen britischen Premierministerin. Ich meine Mister May aus dem Film "Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit". Mr. May lebt für andere. Alles, was er macht, steht im Dienst jener, die sein Mitgefühl und seine Beharrlichkeit wirklich brauchen und doch nie etwas von ihm und seinen Bemühungen erfahren werden.

John Mays Aufgabe ist es, im Namen der Londoner Behörden die Angelegenheiten all der Menschen zu regeln, die alleine gestorben sind. Er sucht nach Angehörigen, arbeitet sich durch deren Hinterlassenschaften, organisiert das Begräbnis und schreibt zudem noch die Grabrede für den Priester, der er in der Regel als einziger Trauergast lauscht.

John May bearbeitet seinen letzten Fall, weil seine Abteilung aufgelöst werden soll. Und dabei findet er die Tochter des Verstorbenen, dessen Kriegskameraden, einige Obdachlose, mit denen der Verstorbene am Schluss sein tristes Leben gelebt hatte. Er bekniet förmlich die Menschen, zur Beerdigung zu kommen, und er spürt in der Begegnung mit der Tochter des Toten bei sich neues Leben, das das Grau seines Alltags vertreibt.

Am Schluss lässt er den Verstorbenen noch an der Stelle beisetzen, die er für sich selbst ausgesucht hatte.

Als die Tochter einwilligt, zur Beerdigung ihres Vaters zu kommen, geht Mister May glücklich aus dem Café - und wird von einem Bus überfahren. Zuletzt zeigt der Film die Beerdigung, die Mister May vorbereitet hatte, mit allen Gästen, die kamen, Tochter, Enkelin, frühere Freundin, die Obdachlosen, selbst ein Arbeitskollege, der sich noch an ihn erinnert hatte. Eine wunderbare Gesellschaft, die sich am Grab dieses Menschen versammelt.

Gleichzeitig wird Mister May von zwei Totengräbern allein beerdigt, ohne Feier, ohne Blumen, ohne Menschen.

Aber dann tauchen am leeren Grab von Mister May all die Menschen auf, die er bestattet hat, denen er ein letztes Mal so etwas wie Würde und Wertschätzung gegeben hatte, und sie versammeln sich um das Grab von Mister May - ein Flüstern der Ewigkeit.

Für mich ist dieser Film eine wunderbare Parabel, wie wertvoll der Dienst an Sterbenden und Toten ist und wie wichtig eine gute Erinnerungskultur ist.

In diesem Tagen pflegen wir diese Kultur, an Allerseelen, am Totensonntag, beim Volkstrauertag. Nur wer sich erinnern kann, kann die Zukunft leben. Ich persönlich freue mich jedes Jahr, an das Grab meines Vaters und meiner Oma zu gehen und an sie zu denken. Und irgendwie tauchen sie - nicht nur an diesem Tag - auf, werden in der Erinnerung lebendig und stehen neben mir am Grab, und genau da spüre ich auch so etwas wie das "Flüstern der Ewigkeit".

Ich wünsche Ihnen in diesen Tagen diese Erfahrungen und bereichernde Begegnungen mit den Lebenden und das "Flüstern der Ewigkeit" mit Ihren Verstorbenen.

(Günter Schmitt ist katholischer

Dekanatsreferent.)

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