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Ebermannstadt

Das erste Abitur am GFS

Das GFS in Ebermannstadt feiert 50-jähriges Bestehen. Manfred Franze blickt auf die bewegte Schulgeschichte zurück. Teil zwei erzählt seine Eindrücke als Lehrer des ersten Abiturjahrgangs.
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Gabriel Hetz, Abi 1979, heute stellvertretender Schulleiter am GFS
Gabriel Hetz, Abi 1979, heute stellvertretender Schulleiter am GFS
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Mit Eintritt in die Oberstufe im Schuljahr 1976/77 waren Schüler, Lehrer und Eltern des GFS auf ein Ziel fixiert: das Abitur, das nicht nur zum ersten Mal in Ebermannstadt bevorstand, sondern in ganz Bayern nach den neuen Regeln in der Kollegstufe (KS) zu absolvieren war. Die "EBSer" waren damit den Forchheimern um ein Jahr voraus, weil die aus Raumnot die Einführung der KS um ein Jahr verschoben hatten. Vielleicht hat das, aber auch der Ruf der Schule, besonders schülerfreundlich zu sein, drei Forchheimer bewegt, nach EBS in die neue Oberstufe auszuwandern.

Kursphase 12 und 13

Wir, die Lehrer, nahmen überaus ernst, was die neue KS zum Ziel erklärte: die Verbesserung der Studierfähigkeit. Recherchieren, Exzerpieren, Zitieren, Versuche auswerten, Analysen durchführen - das alles musste geübt und angewendet werden. Bibliotheken, Archive und Betriebe wurden besucht, Kurzreferate gehalten und eine einjährige Facharbeit verfasst. Sie galt als Nachweis für die Anwendung des Gelernten und war Voraussetzung für die Zulassung zum Abitur. Dabei entstanden auch Untersuchungen, über die die Lokalpresse zwischen 1979 und 1982 wiederholt berichtete.

Die Art der Reifeprüfung war neu und die Lehrer standen unter Aufsicht eines "Ministerialkommissärs" aus Bamberg. Gemäß Vorschrift war er Vorsitzender des Prüfungsausschusses, weil die Schule erstmalig das Abitur durchführte und eine Tochter des Schulleiters daran teilnahm. Er und seine Kollegen am Clavius-Gymnasium Bamberg kontrollierten stichprobenartig die abgehaltenen Schulaufgaben ("Klausuren"), die regelgerechte Organisation der KS und die Korrekturen der schriftlichen Abiturprüfungsarbeiten. Tatsächlich aber kam es nur selten zu Meinungsverschiedenheiten.

Abiturprüfung

Die zentral gestellten Prüfungsaufgaben mussten nach Abholung in Bamberg im Tresor bei der örtlichen Polizeistation hinterlegt werden. Am Morgen des Prüfungstages wurden sie dort abgeholt und nach Durchsicht auf die Minute genau an die Prüflinge ausgegeben. Die Kursleiter erhielten eine Mappe mit allen zu beachtenden Regularien. Aufsichten wurden eingeteilt, der Stundengong abgestellt und die gesamte Schule zur Einhaltung der Ruhe verdonnert. Nach Abschluss der schriftlichen Prüfung und des sog. Colloqiums wurden am 31. Mai 1979 die Ergebnisse bekannt gegeben: Alle 47 Prüflinge hatten die Reifeprüfung bestanden.

"21 Kollegiatinnen und 26 Kollegiaten traten zur Prüfung an", bilanzierte Erich Döttl stolz im Jahresbericht 1978/79, und dass alle bestanden hätten, sei der "sichtbare Beweis" für die "fruchtbare schulische Arbeit" des GFS in seiner Aufbauphase. In seltener Einmütigkeit feierten die Absolventen, ihre Eltern und das Kollegium am 27. Juni 1979 in der überfüllten Aula das denkwürdige Ereignis. "Erich Döttli nahm kein Blatt vor den Mund", berichtete eine Lokalzeitung, "das Gymnasium sei von vielen Seiten auch angegriffen worden, unter anderem mit der Behauptung, in Ebermannstadt sei alles leichter, habe man Erfolge der Schule abqualifiziert. Um so mehr freue er sich, daß dieses erste Abitur so erfolgreich über die Bühne gegangen sei ...".

Ursache des Erfolgs, lobte die Tagespresse, sei das "für Schulen selten gute Einvernehmen zwischen Schülern, Eltern und Lehrern. Aus diesem Miteinander entstehe "die besondere Art des Ebermannstädter Gymnasiums." Es habe ein "ungewöhnlich junges oder jung gebliebenes" Lehrerkollegium ohne "verstaubte Traditionen oder zwangsläufig übernommene Machtverhältnisse". Unter den Lehrern, so Theo Schnörer, Sprecher der Abiturienten, "habe sich niemand finden lassen, mit dem man abrechnen müsse". In der Abiturzeitung, in der auch Lehrer zu Wort kamen, bekannten sie ganz offen, dass das "Verhältnis zu den Lehrern" halt so war, dass sie mit ihrer "Meinung über sie nicht unbedingt bis nach dem Abitur zurückhalten mußten. Sollten wir jetzt mit Dreck spritzen, nur um dem Klischee von einer Abiturzeitung gerecht zu werden?".

Ein Großteil der Abiturienten des ersten Jahrganges ist wie später andere auch in der Region geblieben - als Lehrer, Rechtsanwalt, Mediziner, Ingenieur und auch in nichtakademischen Berufen. Fünf von ihnen habe ich befragt, was vom GFS und dem ersten Abitur in Erinnerung geblieben ist.

Gabriel Hetz, heute stellvertretender Schulleiter am GFS, denkt zurück an die "sehr freundlichen, hilfsbereiten, verständnisvollen und engagierten Lehrkräfte", die "vor unserer Abiturprüfung mehr Respekt" gehabt hätten als sie selbst, weil es für sie "in der Regel das erste Abitur war, das sie als Lehrkraft bestritten". Zu der "entspannten und herzlichen Atmosphäre" habe auch Döttls Stellvertreter Adolf Schön beigetragen, der "öfters singend und summend" durchs Haus ging, und auch die "zuvorkommenden Sekretärinnen".

Wie Cordula Alberth, selbstständige Rechtsanwältin, war er mit seinem Abiturergebnis sehr zufrieden. Cordula denkt gerne an die Anfänge im heutigen Hasenbergzentrum zurück, als sie problemlos mit den Sonderschülern zusammenlebten. "Wir haben uns mit ihnen die Räume geteilt und den Pausenhof - eine Anleitung für das Miteinander brauchten wir nicht." Sie hätten "damals Inklusion in reinster Form gelebt und vorgelebt".

"Wir waren wer"

Claudia (Lehrerin) und Carlo (Geologe) Schillinger haben nicht nur das erste Abitur in Ebermannstadt gemeinsam gemacht, sondern sich fürs Leben gefunden. "Es war natürlich Schule", schreiben beide, "mit allem, was Schule für Schüler anstrengend macht - früh aufstehen, Nachmittagsunterricht, Hausaufgaben, Eltern, die genervt haben, dass gelernt wird und, und, und. Aber: Es war eine richtig gute Zeit! Für mich (Carlo) begann Schule richtig schön zu werden, als ich vom Gymnasium Forchheim ans GFS gewechselt bin. Es war der Wechsel vom typischen ,alten" Gymnasium mit mürrischen, autoritären Lehrern in eine neue, moderne Schule mit engagierten Lehrern, die nicht von oben herunter gelehrt haben, sondern die aus Schülern wirklich etwas machen wollten."

Claudia und Carlo fühlten sich geradezu als "Junior-Studenten", sie durften Fächer "abwählen", selbstständig ihr Kursprogramm "wählen" und "waren wer". Das Besondere: gemeinsam in Gruppen zu lernen und zu diskutieren. "Die Lehrer haben das Gemeinschaftsgefühl noch gestärkt. Viele LKs oder GKs wurden wie Familien gelebt. Man hatte das Gefühl, jeder Lehrer will seinen Kurs auf den Olymp führen."

"Einmalige pädagogische Atmosphäre"

Theo Schnörer, heute Rektor an der Gesamtschule Hollfeld, war KS-Sprecher und einer der Redner bei der Abiturfeier 1979. Die Schulzeit, schwärmt er, begleite ihn wie eine "Hintergrundlandschaft" sein ganzes Leben lang. Er habe noch den "Generationenwechsel" im Lehrerkollegium vor Augen. Die "Leihkräfte aus Forchheim" seien abgelöst worden von einem "Nachwuchslehrkräfteteam", das unter Führung von Erich Döttl und Adolf Schön eine einmalige pädagogische Atmosphäre geschaffen habe. Im Studium und später auch im Beruf habe er erkannt, "welche positive Kraft von vielen Dozenten ausgehen kann: Es gibt soooo viele fantastische Lehrerinnen und Lehrer". Er habe selbst "so viele gute Lehrer" gehabt und nicht zuletzt sei aus dieser Erfahrung der Traum gewachsen: "So würde ich auch gerne werden, wenn ich mal groß bin."

So, wie Theo es erlebt hat, ist es mir selbst in meiner Gymnasialzeit nicht ergangen. Dass ich letzten Endes selbst Lehrer geworden bin - und nicht Journalist wie anfänglich geplant - lag daran, Schule ganz anders zu machen als meine damaligen "Professoren". Das Studium in Erlangen war wie eine Befreiung. Wir Studenten - nicht alle, aber doch eine erkleckliche Zahl - erlebten die "68er-Zeit" als eine Epoche des Aufbruchs, in der er es galt, die "Nazi-Zeit" aufzuarbeiten und die Bundesrepublik vor einer autoritären Restauration zu bewahren.

Ein bisschen von diesem Geist war in den Aufbruchsjahren des GFS zu spüren. Bei aller Unterschiedlichkeit pädagogischer oder politischen Positionen einte der Wille, alles zu tun, um die neue Schule erfolgreich auf den Weg zu bringen. Und die Kollegiaten machten mit - im und außerhalb des Unterrichts. Vieles wäre heute durch die zunehmende Verrechtlichung von Schule gar nicht mehr möglich. Als KS-Betreuer stand man zudem wie in keiner anderen Funktion in ständigem Kontakt mit den jugendlichen Erwachsenen. In meinen alten Lehrerkalendern finde ich noch viele Termine mit Gesprächen über Kursprogramme, Belegverpflichtungen, Facharbeiten usw.

Diese Nähe war wieder spürbar, als ich fünf von ihnen bat, sich für das 50-jährige Jubiläum des GFS an ihre Schulzeit und das Abitur zu erinnern.