Maroldsweisach
Himmlische Aussichten

Das blühende Leben kann uns niemand nehmen

Gewonnen! Männer und Frauen liegen sich in den Armen, singen und tanzen auf der Straße. Ein Autokorso schlängelt sich hupend durch die Straßen. Fähnchen werden geschwungen. Das Leben ist wundervoll! W...
Artikel drucken Artikel einbetten
Stefan Köttig
Stefan Köttig
Gewonnen! Männer und Frauen liegen sich in den Armen, singen und tanzen auf der Straße. Ein Autokorso schlängelt sich hupend durch die Straßen. Fähnchen werden geschwungen. Das Leben ist wundervoll! Wenn ein wichtiges Fußballspiel gewonnen wird, lassen sich Menschen begeistern, auch solche, die sich sonst nicht für diese Sportart interessieren. Da sehen wir: Jubel ist ansteckend. Freude ist ansteckend. Ob das auch für den Glauben gilt?
Wie oft blicke ich in ernste Gesichter, wenn ich auf der Kanzel stehe. Vielleicht liegt das daran, dass man früher in der Kirche häufiger "Drohbotschaften" statt "Frohbotschaften" zu hören bekam und deshalb an diesem Ort nichts anderes als eine Bußpredigt erwartet? "Einspruch!" möchte ich da rufen. Wir haben Grund zur ausgelassenen Lebensfreude. Der Name des dritten Sonntags in der Osterzeit will uns dazu ermutigen: "Jubilate" heißt er, zu Deutsch: "Jubelt". Seinen Namen verdankt dieser Feiertag einem (lateinischen) Psalmvers: "Jubelt Gott zu, all ihr Länder!" (Psalm 66,1).
Ein ganz außergewöhnlicher Jubelruf begleitet uns durch diese Tage: "Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden." Löst dieser Ruf in uns Freude aus, wenn wir ihn hören? Oder zucken wir nur die Schultern, um dann missmutig unserem Tagwerk nachzugehen, weil uns im Leben nichts geschenkt wird. Doch das stimmt nicht.


Die Natur macht es vor

Die Natur zeigt uns Auferstehung pur - Bäume und Blumen beginnen zu blühen, dass es eine Pracht ist. Es ist die Auferstehung im Diesseits, im Hier und Jetzt, die uns vorgelebt wird. Dieses Leben ist wundervoll, auch wenn es immer noch vom Tod überschattet wird, trotz der Hiobsbotschaften, die uns durch die Massenmedien immer wieder erreichen, trotz mancher Sorgen, die wir ernst nehmen müssen und die wir nicht einfach beiseite schieben können. Das Erwachen der Natur im Frühjahr ist ein Abbild, das über sich hinausweist. Es zeigt, was noch kommen soll, was Gott für uns bereithält: das blühende Leben, das uns niemand mehr nehmen kann, nicht einmal der Tod.
Noch haben wir es nicht. Noch gehen wir darauf zu. Und doch bekommen wir schon jetzt einen Vorgeschmack auf dieses Leben. Es beginnt, wenn wir uns ansprechen lassen, wenn wir sie sie ins Herz lassen, die frohe Botschaft, die wir an Ostern gehört haben. Das ewige Leben beginnt, wenn die Nachricht von der Auferstehung unseres Herrn in unseren Herzen ankommt und wenn die Freude darüber uns aufblühen lässt.
(Stefan Köttig ist evangelischer Pfarrer in Altenstein.)
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren