Höchstadt a. d. Aisch

Das Alter akzeptieren lernen

Ein Spaziergang und ein Gespräch über Barrierefreiheit, Selbstständigkeit und das Älter werden mit der Seniorin Edith Hofer in Höchstadt.
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Das Rathaus in Höchstadt hat beim Haupteingang ebenfalls eine Treppe, aber hinten gibt es noch einen ebenerdigen Eingang mit einem Türöffner. Edith Hofer nutzt diesen auch noch oft, wenn sie etwas im Rathaus zu erledigen hat.  Fotos: Theresa Schiffl
Das Rathaus in Höchstadt hat beim Haupteingang ebenfalls eine Treppe, aber hinten gibt es noch einen ebenerdigen Eingang mit einem Türöffner. Edith Hofer nutzt diesen auch noch oft, wenn sie etwas im Rathaus zu erledigen hat. Fotos: Theresa Schiffl
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Theresa Schiffl Über Stufen in der Stadt oder in Geschäfte wie den Metzger, Wasserrinnen, Absätze bei Fußgängerwegen oder Kopfsteinpflaster denken die wenigstens nach. Für Senioren, Rollstuhlfahrer, aber auch Mütter mit kleinen Kindern oder Kinderwagen kann das jedoch im Alltag zu Herausforderungen führen.

Das weiß auch die 76-jährige Edith Hofer. "Gerade die kleinen Pflastersteine stellen ein Problem dar. Da schüttelt es den ganzen Körper durch", sagt sie und lacht, während sie ihren Rollator über das holprige Pflaster schiebt.

Alleine leben zu gefährlich

Vor zwei Jahren zog sie ins Seniorenheim, weil sie unter starkem Schwindelgefühl leidet. Bei einem dieser Schwindelanfälle stürzte sie und lag danach einige Wochen im Krankenhaus. Die Ärzte meinten dann, dass es für die Seniorin zu gefährlich sei, wenn sie weiterhin alleine lebt. Sie selbst fühlt sich auch am sichersten, wenn sie in Begleitung unterwegs ist.

"Seit neun Jahren habe ich diese gesundheitlichen Schwierigkeiten, und so kann ich wenigstens jemandem sagen, wenn mir schwindlig wird", erklärt sie. Sie duscht und wäscht sich zwar noch selbst, aber eine der Altenpflegerinnen ist immer dabei, um der älteren Dame ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln.

"Nach meinem Sturz bin ich dann in das Vitanas Senioren Centrum St. Anna gekommen und habe nach zwei Wochen gesagt, dass ich hier bleiben möchte", erzählt die Seniorin und wirkt dabei sehr zufrieden mit ihrer Entscheidung. Sie wollte ihren Kindern nicht zur Last fallen. "Hier bin ich rundum gut versorgt und sehr glücklich.", sagt sie.

Umstellung war sehr schwierig

Sie habe ihr ganzes Leben lang, seitdem sie 14 Jahre alt war, gearbeitet und sei auch sehr sportlich gewesen. "In Argentinien, wo ich eigentlich herkomme, habe ich Hand- und Volleyball gespielt", sagt sie.

In Deutschland ging sie dann viel spazieren. "Ich habe irgendwann eine Uhr mit Schrittzähler bekommen und dann darauf geachtet, 10 000 Schritte am Tag zu schaffen." Zuerst habe sie ihren Haushalt gemacht, dann zu Mittag gegessen und danach sei sie spazieren gegangen.

Für die ältere Dame sei es sehr schwierig gewesen, als sie manche Dinge, wie das Bad zu putzen, nicht mehr selbst machen konnte. "Ich wollte nicht, dass das auch noch eine meiner Töchter machen muss."

Hofer versucht, sich noch so viel Selbstständigkeit wie möglich zu bewahren. "Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet, meinen Haushalt gemacht und meine Kinder groß gezogen. Ich staube noch jetzt in meinem Zimmer selbst ab oder mache mein Bett." Wer rastet, der rostet. Diesem Sprichwort stimmt auch die Seniorin zu.

Selbstständigkeit sehr wichtig

Kleinere Erledigungen in der Stadt mache Hofner noch selbst. "Wenn ich mal zur Bank muss, vom Bäcker ein besonderes Brot will oder mal im Rathaus etwas erledigen muss, dann geh ich auch mal alleine ohne Begleitung."

Sie mache dann kleine Pausen und beobachte die Leute und das Geschehen in der Stadt. Auch im Heim sucht sie sich immer Beschäftigung und macht zum Beispiel beim Bingo oder der Gymnastik mit. "Bewegung tut meinem Körper auf alle Fälle gut und ich bekomme auch Krankengymnastik." Im Seniorenheim St. Anna werde sehr viel für die Bewohner gemacht, erzählt Hofner.

"Bei uns gibt es Konzerte, Feste und Ausflüge." Bei den Fahrten mache sie jedoch ungerne mit, da sie sich in dieser Situation mit dem Rollator nicht wohl fühle. "Oft sind es dann Ausflüge ans Wasser und dem trau ich nicht so ganz", sagt sie. Da mache sie es sich lieber daheim gemütlich. Die Seniorin hat sich gut eingelebt und ist seit letztem Jahr auch Mitglied des Heimbeirates. "Man muss das Alter einfach akzeptieren", meint Edith Hofner. "Ich war bis 70 gesund und dafür bin ich sehr dankbar."

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