Kutzenberg

Damit niemandem die Luft ausgeht

Der 21. Lungentag in Kutzenberg bot viele Informationen zum Atmungsorgan. Die Besucher erfuhren, wie sie ihre Lungen schützen können. Chefarzt Al Hamoud gab in einem Referat wertvolle Tipps, wie jeder Einzelne das Risiko minimieren kann, an einem Lungenleiden zu erkranken.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wie per Endoskopie das Innenleben der Lunge betrachtet werden kann zum Zwecke der Diagnostik und Behandlung, erfuhren die Besucher des Lungentags anschaulich.  Foto: Mario Deller
Wie per Endoskopie das Innenleben der Lunge betrachtet werden kann zum Zwecke der Diagnostik und Behandlung, erfuhren die Besucher des Lungentags anschaulich. Foto: Mario Deller

Für Menschen, die an COPD leiden, wird oft schon das Treppensteigen zum Kraftakt. Unter COPD sind chronische Erkrankungen der Lunge zusammengefasst, die auf dauerhaft verengten Atemwegen beruhen. Was kranke Menschen tun können, um ihre Situation zu verbessern und wie Gesunde vorbeugen sollten, das stand beim 21. Lungentag des Bezirksklinikum Obermain im Mittelpunkt. Dazu trug das Programm der Veranstaltung mit einem bunten Mix aus Information, Mitmachangeboten und Kurzweil bei.

In diesem Jahr wurde der Lungentag auf vier Stunden verlängert. So bot sich den Besucher zeitlich mehr Raum, um den Vortrag von Chefarzt Dr. Saleh Al Hamoud zu hören und sich an den Ständen ein Bild zu verschaffen - etwa über den Einsatz moderner Geräte. Medizinische Fachkräfte erklärten zudem die Abläufe diverser Behandlungsverfahren.

So wurde den Besuchern zum Beispiel die Möglichkeit gewährt, per Endoskopie einen Blick in eine Lunge zu werfen; sie konnten zudem die wohltuende Wirkung der Inhalation ausprobieren oder testen, wie es um ihre Lungenfunktion bestellt ist. Außerdem erfuhren die Besucher, wie die Schlafapnoe erkannt und behandelt wird, wie der Aufenthalt in einem Schlaflabor abläuft und warum der Handhygiene eine so wichtige Rolle zukommt.

Viele der Gäste nutzten die Gelegenheit zum lockeren Gespräch mit Vertretern der sich regelmäßig in Kutzenberg treffenden Selbsthilfegruppe der Sauerstoffgruppe "LOT", ließen ihren Blutzucker messen oder plauderten mit Auszubildenden der Berufsfachschule für Krankenpflege, die sich beim Lungentag einbrachten.

Auch die Kinder hatten keinen Grund zur Klage, denn ihnen wurden von der Kommunalen Jugendarbeit Spiele angeboten. Das Ensemble "Brose Bamberg Junior Dancers" präsentierte auf der Wiese am Festsaal Tanzchoreografien und erhielt dafür viel Applaus.

Deutliche Worte des Chefarztes

Mittelpunkt des Lungentags war jedoch der Vortrag von Chefarzt Dr. Saleh Al Hamoud. "Dicke Luft - Gefahr für die Lunge" lautete der Titel seines Referates. Dabei ging der Mediziner zunächst darauf ein, wie die Feinstaubbelastung in der Luft überhaupt entsteht. Eine wichtige Rolle nehme dabei der Straßenverkehr ein. Zu nennen seien hier vor allem die insbesondere aus Dieselmotoren resultierenden Stickoxyde; diese seien fast ausschließlich menschengemacht, in der Natur kämen sie kaum vor. Diese Stoffe, so der Mediziner weiter, greifen die menschlichen Schleimhäute an, was in hohen Konzentrationen langfristig auch zu Asthma und Bronchitis führen könne.

Dass das Rauchen Lungenerkrankungen wie COPD fördere oder sogar verursache, sei kein Geheimnis. Der Chefarzt betrieb keine Schönrednerei, nannte direkt und unverblümt die Dimensionen der Gefahr durch Stickoxyde: So habe die Verschmutzung der Luft mit Feinstaub einer Studie zufolge im Jahr 2015 weltweit fast 4,3 Millionen Todesopfer gefordert. Für Deutschland gehen Forscher davon aus, dass 6,6 Prozent aller Todesfälle auf eine belastete Umgebung zurückzuführen seien. "Die gesundheitlichen Auswirkungen von Feinstaub sind wesentlich schwerwiegender als früher angenommen", so Al Hamoud.

Die Zuhörer erfuhren zudem, dass E-Zigaretten alles andere als unschädlich seien und dass zwei Zigaretten mehr Feinstaub produzierten als ein Lkw, wie ein Experiment eines italienischen Teams ergeben habe.

Die Gesellschaft stehe in der Pflicht, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, sagte der Mediziner. Als positives Signal wertete Al Hamoud den in Niedersachsen fahrenden ersten Nahverkehrszug, der Wasserstoff in elektrische Energie umwandle.

Was jeder tun kann

Jeder Einzelne könne das Beste aus der Situation machen, fuhr er fort. Es sei zum Beispiel ratsam, bei hoher Luftschadstoffbelastung durch Ozon und Feinstaub anstrengende Tätigkeiten im Freien zu unterlassen. Zudem sei Fußgängern und Radfahrern nahezulegen, stark befahrene Straßen zu meiden. Wohnräume sollten vor allem zu verkehrsarmen Zeiten gelüftet werden.

"Mit einem gesunden Lebensstil, mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und natürlich mit dem Verzicht aufs Rauchen können wir die Abwehrkräfte unseres Körpers gegen oxidativen Stress und Entzündungen steigern", sagte der Arzt abschließend.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren