Bamberg

Damit nicht alles für die Katz' ist

Chapeau Claque eröffnet die Spielzeit am Sonntag mit einer musikalischen Tier-WG und dem Stück "Katze mit Hut". Nach dem Verkauf der Alten Seilerei wird damit das Werkstatt-Theater in der Grafensteinstraße wiederbelebt.
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Eike Ochs als Katze (von links), Valentin Kärner als Kapitän Knaak und Astrid Haas als Dudelhuhn in "Katze mit Hut" Foto: Chapeau Claque
Eike Ochs als Katze (von links), Valentin Kärner als Kapitän Knaak und Astrid Haas als Dudelhuhn in "Katze mit Hut" Foto: Chapeau Claque

"Glückliche Kindheiten! Das ist es, was hier gebraucht wird. Damit kommt dieses Haus wieder auf die Beine!", ruft die Titelheldin aus "Katze mit Hut" - der neuesten Produktion des Bamberger Kindertheaters Chapeau Claque. Passender hätte die Auswahl des Stückes bei der aktuellen Situation in der freien Theaterszene wohl kaum sein können. Mit einer "Musikalischen Tier-WG" wird am Sonntag, 13. Oktober, die neue Spielzeit von Chapeau Claque eröffnet und gleichzeitig das Werkstatt-Theater in der Grafensteinstraße wiederbelebt.

Nach dem Verkauf der Alten Seilerei im Frühjahr konzentriert sich Chapeau Claque jetzt wieder mehr auf seine Wurzeln, sein "Herzstück" - das Kinder- und Jugendtheater. Fiel der Umzug schwer?

"Zum Glück nicht wirklich. Wir haben die Grafensteinstraße die letzten Jahre als Probebühne

genutzt, da die Seilerei meistens mit anderen Veranstaltungen belegt war", sagt Heidi Lehnert, die künstlerische Leiterin des Kindertheaters, "wir freuen uns, dass die Nähe zum Publikum wieder spürbarer wird. Es gab durchaus Zuschauer, die den Umzug in die Alte Seilerei damals bedauert haben, weil sie das alte Theater so schnuckelig fanden und passender für Kinder."

Doch bevor Chapeau Claque wieder seinen Beitrag zu "Glücklichen Kindheiten" leisten kann, muss auch das Werkstatt-Theater im wörtlichen Sinne "wieder auf auf die Beine kommen". Vor und nach den Proben wird geräumt, gestrichen, geputzt - alle Mitarbeiter helfen zusammen. Es herrscht Aufbruchstimmung - bis zur Premiere von "Katze mit Hut" muss alles fertig sein.

"Ein tierisches Vergnügen"

Die literarische Vorlage des Autoren-Ehepaars Simon und Desi Ruge erschien 1980, wurde ein internationaler Erfolg und in vier Sprachen übersetzt. Die Geschichte der stets freundlichen und lebensklugen Katze ist wohl manch einem auch durch die Verfilmung der Augsburger Puppenkiste noch bekannt: ein wenig aus der Art geschlagen - so sind die tierischen Schützlinge, die die Katze mit Hut bei sich aufnimmt. Ohne Erlaubnis ihres Vermieters, des grimmigen Herrn Maulwisch, eröffnet sie in

seinem Haus eine Pension, die zugleich Kinderheim und Asyl für Sonderlinge ist. Gemeinsam wollen die Tiere das Haus "glücklich wohnen" - da bleibt natürlich kein Geld für die Miete ...

"Ein tierisches Vergnügen mit Ohrwurmgarantie" verspricht der farbenfrohe Werbeflyer. Inwiefern? "Während ich im Sommer über der Bühnenfassung saß, hat sich der Text beim Schreiben zu einem Kinder-Musical entwickelt", so Lehnert, "es wird sogar eine CD mit der Original-Bühnenmusik geben."

Als Komponist für die passenden Ohrwürmer ist sie mit Guido Apel genau an den richtigen Mann geraten. Die beiden haben schon öfter zusammengearbeitet. "Wir sind beide Perfektionisten. Das hat auch Vorteile", grinst Apel. Der gelernte Grafiker entwirft nicht nur seit Jahren die Plakate für das Kindertheater, diesmal zeichnet er auch für das Bühnenbild verantwortlich. "Heidis Idee, ein kahles Haus mit jedem Mitbewohner bunter und wohnlicher zu gestalten, hat mir gleich gefallen."

Vielfalt ist willkommen

In der Buchvorlage finden sich Anklänge auf die Hausbesetzerszene der 70er Jahre - was ist heute noch aktuell am Stoff? "Ein wenig Kapitalismuskritik hat im ,Armen Theater' noch nie geschadet", lacht Lehnert und fährt fort: "Für essenzieller an der Geschichte halte ich aber, wie darin Andersartigkeit angenommen wird, wie alles seine Daseinsberechtigung hat, Vielfalt willkommen ist."

Dass diese Botschaft ohne pädagogischen Zeigefinger daherkommt, gefällt auch den Mitwirkenden auf der Bühne. Eike Ochs, Astrid Haas und Valentin Kärner geben ein wunderbares "Trio animale" - als Katze, Dudelhuhn und Rüde Kapitän Knaak.

Die Schauspieler stehen diesmal auch vor gesanglichen und choreografischen Herausforderungen. "Das Erarbeiten ist schweißtreibend, aber die Freude an den witzigen Texten überwiegt", sagt die ausgebildete Musicaldarstellerin Astrid Haas. Valentin Kärner ist zusätzlich in einer Doppelrolle zu sehen: Als grantiger Vermieter Maulwisch ist er musikalisch eher auf Marschmäßiges eingestellt: "Sei brav! Halt still! Sitz grad! Gib acht! / Und sei ein liebes Kind. / Weil nur die lieben Kinder / bei den Großen gern gesehen sind." Eike Ochs als Katze hält dagegen: "Man muss so ein Haus nur richtig bewohnen, / spaßig vor allem. Das wird sich dann lohnen. / Die unglückliche Kindheit - auweiaohschreck, / die jagen die spaßigen Leute schnell weg."

"Bei uns zu Hause werden die Lieder bereits rauf- und runtergesungen", berichtet die zweifache Mutter amüsiert. So etwas hätte dem inzwischen verstorbenen Autorenpaar sicher auch gefallen - nicht umsonst haben Simon und Desi Ruge die Rechte an ihren Kinderbüchern dem SOS-Kinderdorf vererbt.

Ob die Katze samt ihren Schützlingen im Haus bleiben darf, wird noch nicht verraten. Hoffen wir aber für die Bamberger (Kinder-)Kulturszene, dass Chapeau Claque stets auf freundliche Vermieter stößt. red

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