Haßfurt

Dachbodenschatz

Im obersten Geschoss des Pfarrhauses in Unterhohenried fanden Helfer drei besondere Stundenbücher. Sie führen zu Ildephons Hellerich.
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Deutliche Alters- und Gebrauchsspuren zeigen die drei Breviere von 1837. Bedauerlicherweise konnte das vierte Stundenbuch zum gleichen Jahr nicht entdeckt werden. Vor allem die Buchecken der Ledereinbände sind abgestoßen, der Goldschnitt an drei Seiten ist noch zu erkennen. Die Buchrücken sind goldgeprägt.
Deutliche Alters- und Gebrauchsspuren zeigen die drei Breviere von 1837. Bedauerlicherweise konnte das vierte Stundenbuch zum gleichen Jahr nicht entdeckt werden. Vor allem die Buchecken der Ledereinbände sind abgestoßen, der Goldschnitt an drei Seiten ist noch zu erkennen. Die Buchrücken sind goldgeprägt.
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Der frühere Kirchenpfleger der katholischen Pfarrgemeinde in Unterhohenried, Josef Stephan, gab jüngst über seine Schwiegertochter Bernadette den Tipp: "Wenn ihr jetzt die Unterlagen der Pfarrei sichtet und ordnet, so schaut doch einmal in den Schrank im Dachboden des Pfarrhauses."

Tatsächlich, eine erste Sichtung der verstaubten und vom Zahn der Zeit gebeutelten Papiere und Bücher bringt Erstaunliches zu Tage: Sammlungen von kirchlichen Verordnungen, Messbücher, biblische Schriften, theologische Werke mit Kommentaren und Stundenbücher von 1837 für die Mönche des Benediktinerordens. Hiermit führt eine direkte Spur zum ersten Seelsorger der Pfarrgemeinde, Ildephons Hellerich. Ihm sind sicherlich diese Stundenbücher zuzuschreiben.

Er war bis zur Aufhebung des Klosters 1802 und dessen Säkularisierung Benediktiner der Abtei Theres. Dort lebte er unter Abt Benedikt Mahlmeister mit über 20 weiteren Mönchen. Die Ordensleute mussten binnen kurzer Zeit das Kloster verlassen. Die Ordenspriester erhielten zum Teil Seelsorgestellen, Hellerich zum Beispiel die Pfarrei Unterhohenried.

Und raus aus dem Kloster ...

Die Benediktiner durften alles mitnehmen, was sie am Tage des Aufhebungsdekrets besaßen. So gelangten die benediktinischen Stundenbücher nach Unterhohenried. Fühlte sich wohl der ausgewiesene Mönch seiner Ordensregel verpflichtet?

Die nachfolgenden Seelsorger in Unterhohenried waren keine Ordensangehörigen. Somit hatten sie keinen persönlichen Bezug zu diesen Schriften. Die Gebetbücher, heute Breviere genannt, fanden ihren Platz im Dachboden des Pfarrhauses. Dienten sie ja nicht dem Altardienst, sondern dem privaten Beten und Betrachten, falls die persönliche Teilnahme am Chorgebet nicht möglich war.

Wissenswerte Besonderheiten erfährt der Betrachter der über 280 Jahre alten Schriften. Die Breviere enthalten Auszüge von Psalmen, biblische Texte, Werke der Kirchenväter und Heiligenlegenden. Sie sind nach dem Kirchenjahr geordnet und den Stundengebeten des Tages zugeteilt. Druckgraphiken und Schmuckelemente bereichern die Stundenbücher. Herausgegeben in rot und schwarz wurden die Schriften bis 1798 in der Klosterdruckerei im Stift Einsiedeln in der Schweiz. Das "Breviarium Monasticum", das Brevier für Mönche, die nach der Regel des heiligen Benedikt leben, wurde 1837 gedruckt. Es zeigt vorne Benedikt im schwarzen Ordenshabit, wie er wohl seine heilige Schwester Scholastika über die Ordensregel belehrt. Sie gründete den Orden der Benediktinerinnen. Symbolhaft verweist ein zersprungener Becher mit Schlange auf den Vergiftungsversuch eines Mitbruders, dem die strengen Ordensregeln des Gründers ("Bete und arbeite!") missfielen. Nach den vier Jahreszeiten gab es für die Ordensleute vier Jahresausgaben des Breviers: Pars Vernalis, Pars Aestivalis, Pars Autumnalis und Pars Hiemalis. Sie wurden jeweils mit päpstlicher Erlaubnis in Stift Einsiedeln gedruckt. Die drei Stundenbücher zeigen deutliche Alters- und Gebrauchsspuren, jedoch konnte das vierte Stundenbuch zum gleichen Jahr nicht entdeckt werden. Vor allem die Buch-ecken der Ledereinbände sind abgestoßen, Goldschnitt an drei Seiten ist noch zu erkennen. Die Buchrücken sind goldgeprägt.

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