Kulmbach

Da Vinci zittert nie

Das Klinikum Kulmbach hat sich ein OP-System rund 1,5 Millionen Euro kosten lassen. Die Technologie ermöglicht besonders schonende Eingriffe.
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Der Assistent, nicht der eigentliche Operateur, ist derjenige, der beim robotergestützten Eingriff mit dem OP-System Da Vinci ganz nah am Patienten ist. Foto: Zweckverband Klinikum Kulmbach
Der Assistent, nicht der eigentliche Operateur, ist derjenige, der beim robotergestützten Eingriff mit dem OP-System Da Vinci ganz nah am Patienten ist. Foto: Zweckverband Klinikum Kulmbach
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Jordan Todorov, Leitender Arzt der Klinik für Urologie am Klinikum Kulmbach, hat Grund zur Freude: Seit einigen Wochen kann er bei laparoskopischen Eingriffen mit einem roboterassistierten OP-System mit dem Namen Da Vinci arbeiten. Rund 1,5 Millionen Euro hat das Klinikum Kulmbach in dieses hochkarätige System investiert, teilt der Zweckverband Klinikum Kulmbach mit.

Nach den ersten 20 Operationen zieht Todorov eine positive Bilanz: "Alle Patienten haben die Operation ausgesprochen schonend empfunden. Alle konnten noch am Tag der OP wieder mobilisiert werden, und bisher hatte auch niemand Probleme mit einem funktionalen Ausfall oder Komplikationen." Für den Chef der Urologie ist klar, dass diese Investition sich gelohnt habe. Sie werde sich noch mehr lohnen, wenn weitere Kliniken des Hauses mit dem Da Vinci arbeiten. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits.

Intensiv geschult

Vier Monate lang wurde Todorov über verschiedene Module täglich zwei Stunden lang intensiv trainiert. Zweimal war er zu Schulungen in Straßburg. Dann hat er die Zulassung erhalten, mit Da Vinci zu arbeiten.

Die Nachfrage nach urologischen Eingriffen mit Da Vinci sei sehr groß, deswegen bereite sich mit Oberarzt Rosen Dimitrov bereits ein zweiter Facharzt für Urologie auf die Arbeit mit dem neuen OP-System vor.

"Der Operateur", berichtet Todorov, "steht nicht am Tisch, sondern sitzt an einer Konsole im Operationssaal und hat keinen direkten Kontakt zum Patienten. Von der Konsole aus steuert der Chirurg das Gerät."

Allein der Operateur entscheidet

Der Begriff Roboter sei nicht korrekt, klärt der Mediziner auf. "Da Vinci macht keine einzige Bewegung allein. Die Arbeit muss der Operateur natürlich noch selbst machen."

Das OP-System ist in der Lage, mit einer Präzision zu arbeiten, die Händen allein nicht möglich wäre. "Die Instrumente sind in alle Richtungen beweglich. Dadurch hat man einen Zugang von allen Seiten zu den Organen. Das erleichtert die minimalinvasiven Operationen immens und macht auch schwierigste Zugänge und Eingriffe wesentlich einfacher und sicherer", schildert Todorov.

Da Vinci sei zudem in der Lage, jede Bewegung des Chirurgen zu "filtern": Jedes kurze Zittern der Hand könne so ausgeglichen werden. Der Operateur sieht sein Operationsfeld in 3D mit extrem hoher Auflösung. "Ich erkenne feinste Strukturen, kleinste Gefäße und Nerven sehr leicht. Das macht es mir natürlich möglich, ganz besonders schonend zu operieren." Gerade bei Prostata-Operationen sei das ein entscheidender Vorteil.

Die Rate der Patienten, die nach einer Prostata-OP inkontinent werden oder ihre Potenz verlieren, könne wesentlich gesenkt werden. Ein weiterer Vorteil bei laparoskopischen Eingriffen: Im Gegensatz zu offenen Operationen werden kaum Blutkonserven gebraucht.

Seit zehn Jahren werden am Klinikum Kulmbach Prostata-Operationen minimalinvasiv durchgeführt. Von Januar bis Ende April gab es, wie Todorov informiert, bereits 50 solcher Eingriffe am Klinikum. Eingriffe an der Prostata seien sehr komplex. Da Vinci mache die Operation nicht schneller, aber deutlich präziser.

Ganz besonders wichtig sei die Teamarbeit, wenn man mit so einem System operiere, macht Todorov deutlich. "Alle müssen eingespielt sein."

Großes Einsatzspektrum

Da Vinci sei nicht nur in der Urologie eine große Hilfe. Auch in der Gynäkologie leiste das System wertvolle Arbeit. Deswegen steigen, wie Todorov informiert, nun auch die Gynäkologen am Klinikum in diese OP-Technologie ein und lassen sich schulen. Weitere chirurgische Fachrichtungen werden sich dieser Methode später bedienen.

Da Vinci ist nicht an einen festen Ort gebunden. Das Gerät wird aufgestellt und angeschlossen, dann kann es losgehen. Das System könne problemlos in jedem OP-Saal des Klinikums genutzt werden. red

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