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Mittelwasungen am Berg

Da soll noch nachjustiert werden

Die Landwirte sehen nicht ein, warum ihnen alleine Natur- und Gewässerschutz aufgebürdet wird. Bei der "Politischen Schlachtschüssel" des Bauernverbands redeten Funktionäre Klartext und Politiker zeigten Verständnis.
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Gülle wird über einen Schleppschlauchverteiler auf einem Feld ausgebracht. Beim Schutz des Grundwassers vor zu viel Dünger und Nitrat verstößt Deutschland nach Ansicht der EU-Kommission gegen EU-Recht. Aber wesentliche Teile der geplanten Düngeverordnung seien nicht hinnehmbar. Dieser Ansicht ist der Bayerische Bauernverband im Coburger Land und machte das auch am Rosenmontag deutlich. Foto: Hauke-Christian Dittrich, dpa
Gülle wird über einen Schleppschlauchverteiler auf einem Feld ausgebracht. Beim Schutz des Grundwassers vor zu viel Dünger und Nitrat verstößt Deutschland nach Ansicht der EU-Kommission gegen EU-Recht. Aber wesentliche Teile der geplanten Düngeverordnung seien nicht hinnehmbar. Dieser Ansicht ist der Bayerische Bauernverband im Coburger Land und machte das auch am Rosenmontag deutlich. Foto: Hauke-Christian Dittrich, dpa

Neues Jahr, alte Sorgen: Im Gasthaus Hofmann im Neustadter Stadtteil Mittelwasungen zeigte sich BBV-Kreisobmann Martin Flohrschütz besorgt um die Zukunft der Landwirtschaft bei der Veranstaltung "Politische Schlachtschüssel", zu der der Bayerische Bauernverband (BBV) am Rosenmontag Abgeordnete der Region und Landkreis-Bürgermeister eingeladen hatte. Flohrschütz sagte, Betriebe müssten aufgeben, weil sie gesetzlichen Vorgaben nicht mehr nachkommen könnten. Dabei komme den Bauern doch eine zentrale Rolle in der Gesellschaft zu. "Schließlich sorgt die Landwirtschaft dafür, dass wir Essen in ausreichendem Maße haben", betonte Flohrschütz.

Hans Rebelein, Geschäftsführer des BBV im Kreis Coburg, meinte, so manche neue Anforderung sei schlicht praxisfern. Er bezog sich zum einen auf die aus dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" resultierenden gesetzlichen Regelungen für die Flächenbewirtschaftung. Dabei sähen sich viele Landwirte überfordert, sagte Rebelein. Hinzu kämen die von der EU eingeforderten neuen Dünge-Vorgaben, die umzusetzen nicht einfach sei.

Zu Investitionen gezwungen

Kreisobmann Flohrschütz bestätigte dies. Wesentliche Teile der geplanten Düngeverordnung seien nicht hinnehmbar. Hintergrund sei, dass die EU schon seit geraumer Zeit kritisiert, dass vielerorts in Deutschland die Grenzwerte von Nitrat im Wasser überschritten würden. Dies sei im Wesentlichen auf die Düngung der Böden zurückzuführen. Deutschland drohten Strafzahlungen, wenn es nicht gegensteuere. Bauern sollten jetzt in besonders belasteten Gebieten 20 Prozent weniger Dünger ausbringen. Zudem solle zwischen gedüngten Flächen und Gewässern mehr Abstand bleiben, und die Zeiten, in denen nicht gedüngt werden darf, sollten nach den Planungen ausgeweitet werden. Für die Landwirte bedeute dies weitere hohe Investitionen in ihre Betriebe, etwa um Gülle zu lagern, bis sie ausgebracht werden darf, erklärte der Kreisobmann. Flohrschütz wetterte: "Die Düngeverordnung ist Teil einer politischen Strömung, die Tierhaltung und die Landwirtschaft an sich in Deutschland abzuschaffen." Dabei sei eine gute Qualität des Grundwassers auch im Interesse der Landwirte. Er räumte ein, dass Abstände zu Gewässern einzuhalten seien. Die Böden weniger belasten könnte eine stufenweise Reduzierung des Stickstoffsaldos in der Dünge-Bilanz. So oder so kämen auf die Bauern Veränderungen zu. Gülletrocknung werde künftig unvermeidbar sein. Zudem müssten die Betriebe in nicht gekanntem Ausmaß in Technik investieren, wenn Tierhaltung und Biogasanlagen - beides Gülleproduzenten - nicht vor dem Aus stehen sollen.

MdB Hans Michelbach (CSU) zeigte Verständnis für die Kritik der Landwirte. Er gebe viel zu wenige Messstellen für Nitrat. In Österreich seien es zehnmal so viele wie in Deutschland. Die vorgeschlagene Düngeverordnung lehne die CSU-Landesgruppe in Berlin schon aus diesem Grund ab. Zudem sollte die Düngung von Zwischenfrüchten weiter zugelassen sei, sonst mache deren Anbau kaum noch Sinn.

Dass bei der Düngeverordnung "viel fachlicher Nonsens" dabei sei, gab auch Harald Weber, Leiter des Coburger Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, zu.

Eine Lanze für kleine und mittelständische bäuerliche Betriebe, wie sie in der Region noch vorherrschen, brach der Landtagsabgeordnete Michael Busch (SPD). Solche eher kleinteiligen Strukturen gelte es zu fördern und zu erhalten. "Mit dem Höfesterben darf es nicht weitergehen", betonte er. Um zu überleben, müssten Landwirte auch "anständige Preise" für ihre Produkte erzielen. Mit Blick auf Umweltschutz und Klimawandel werde es Veränderungen für die Landwirtschaft geben. Politik und Gesellschaft müssten den Landwirten aber ausreichend Zeit zugestehen, die Veränderungen verkraftbar umzusetzen.

Mittag will sich erkundigen

Landtagskollege Martin Mittag (CSU) setzt darauf, andere Bundesländer für eine den Bauern mehr entgegenkommende Düngeverordnung zu gewinnen. Zunächst wolle er das Gespräch mit dem Wasserwirtschaftsamt suchen, um mehr Licht in die Diskussion über die Aussagekraft bisheriger Messungen zu bringen. Erfolgsaussichten gebe es nur, wenn alle an einem Strang zögen. Dies habe sich im vergangenen Sommer bei der Einleitung von Maßnahmen gegen eine massive Mäuseplage auf den Feldern im Itzgrund gezeigt.

"Itzgrund" war ein Stichwort für BBV-Geschäftsführer Rebelein. Denn dort sieht er neue Probleme auf die Landwirte zukommen. So sei eine Konsequenz des Volksbegehrens zum Schutz von Bienen und anderer Insekten, dass artenreiche Wiesen zu Biotopen werden sollen. Das hätte zur Folge, dass vielerorts im Coburger Land und insbesondere im Itzgrund neue Schutzgebiete entstünden und damit in großem Umfang Bewirtschaftungsflächen wegfielen. red

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