Bamberg

Da rollt etwas auf Bamberg zu

Im März stand der Stadtrat vor einer Entscheidung, die Bambergs Gesicht schon bald verändern wird. Sieben Trassenvarianten standen für den Bahnausbau zur Auswahl. Am Ende setzte sich der Liebling der Bahn und der CSU durch.
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Karikatur: Christiane Pfohlmann
Karikatur: Christiane Pfohlmann

Michael Wehner Bamberg — Dass der Stadtrat einer Mittelstadt über Milliardenprojekte berät, dürfte nicht allzu oft vorkommen. Doch der Bahnausbau durch Bamberg setzt in vielerlei Hinsicht Maßstäbe. Sieben Jahre wurde diskutiert, 40 Gutachten wurden gewälzt und in ungezählten Sitzungsstunden ging es um Güterzugzahlen, Trassenwahl und den Bundesverkehrswegeplan. Um das Gespenst einer durch Lärmwände geteilten Stadt zu bannen, schoss manche Idee ins Kraut, wurden Ideen entwickelt, bis hin zur Vision einer Volluntertunnelung der Stadt mit einem Bahnhof in 30 Metern Tiefe.

7000 Unterschriften sammelte Bürger-Block-Stadtrat Norbert Tscherner für diese Lösung - doch vergeblich. Am Ende setzte sich jene Variante durch, die bereits am Anfang die naheliegende schien: die ebenerdige Durchfahrung durch Bamberg - eine Verdoppelung der Gleise auf der bestehenden Trasse. Diese Variante, mit einem geschätzten Kostenvolumen von einer Milliarde Euro auch keine Kleinigkeit, war von Anfang an der Liebling der Bahn und der Bamberger CSU-Fraktion.

Sie erhielt mit 354 die meisten Punkte bei einem finalen Gutachten - und in der Folge auch die meisten Stimmen, als der Stadtrat am 6. März die historische Entscheidung traf. 29 von 42 Stadträten sprachen sich für den Ausbau im Bestand aus und einen langen Katalog von Forderungen - von Lärmwänden bis hin zum Nahverkehr.

Auf der Strecke blieben nicht nur Tunnelvarianten und Nulllösung, sondern auch die Ostumfahrung. Bis zuletzt hatten Grüne und Teile der Bamberger Allianz dafür gestritten, auch diese Ausbauvariante, Favorit der Bürgerinitiative Bahnsinn Bamberg, einer neutralen Überprüfung zu unterziehen. Doch auch dazu kam es nicht.

Ein dreiviertel Jahr nach dem Jahrhundertbeschluss ist es auffällig leise geworden um den Bahnausbau. Doch die Ruhe trügt. Schnell wird das Milliardenprojekt auf die Tagesordnung zurückkehren. 2019 will die Bahn das Planfeststellungsverfahren für Bamberg wieder aufnehmen. 2020 und 2021 sollen die Bahnsteige verlängert und ein neues elektronisches Stellwerk in Betrieb genommen werden.

Spätestens 2022 dürfte es ernst werden. Acht Jahre lang wird sich die Stadt entlang der Bahnlinie in eine Baustelle verwandeln. Für die Planer stellen sich Herausforderungen, die kaum größer sein könnten. Sie müssen den viergleisigen Ausbau "unter rollendem Rad" schaffen, wie die Bahn sagt. Gleichzeitig geht es darum, die Folgen der unvermeidlichen Vollsperrungen der Ost-West-Verbindungen auf ein Mindestmaß zu beschränken. Leicht wird das aber nicht. Schon 2018 war die Rede von Monsterbaustellen und der Gefahr, dass Bamberg auf Jahre hinaus gelähmt werden könnte.

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