Köslau

Da braut sich wieder was zusammen

Noch ist der erste Sud nicht angesetzt, aber im Königsberger Stadtteil Köslau lebt nach mehr als 50 Jahren das Bierbrauen wieder auf.
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Nur gemeinsam ist man stark, kann vieles schaffen. Das demonstrieren die künftigen Köslauer Brauer (von rechts), Vorsitzender Oliver Schineller, sein Vertreter Alexander Gehring und Georg Jagla, am Maischbottich.
Nur gemeinsam ist man stark, kann vieles schaffen. Das demonstrieren die künftigen Köslauer Brauer (von rechts), Vorsitzender Oliver Schineller, sein Vertreter Alexander Gehring und Georg Jagla, am Maischbottich.
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Selbst Historiker wissen nicht genau, wie lange es schon Bier gibt. Allerdings sind sich die Geschichtsexperten sicher, dass die alten Ägypter schon vor etwa 6000 Jahren eine Urform des Bieres hergestellt haben, indem sie Brot in Wasser vergären ließen. Später sind weitere Hinweise bei den Römern zu finden, die das Bier "Cervisia" nach einer Göttin "Ceres" benannt haben.

Ganz sicher ist allerdings, dass in Köslau, einem Stadtteil von Königsberg in Bayern, schon vor mindestens deutlich mehr als 80 Jahren Bier gebraut wurde. Genaues weiß man aber auch in diesem Fall nicht, da entsprechende Aufzeichnungen nicht vorhanden oder nicht aufzufinden sind und Zeitzeugen nicht mehr leben. Selbst in der Stadt Königsberg kann man dazu nur vage Angaben machen.

Verwaltungs-Geschäftsführer Johannes Mücke teilt auf Anfrage mit, es sei hinterlegt, dass die Amerikaner den Köslauern nach 1945 erlaubt hätten, ihr Bier "weiter zu brauen." Daraus ist ersichtlich, dass schon vor dem Zweiten Weltkrieg gebraut wurde. "Die Köslauer durften sogar Bier in Pettstadt brauen, weil ihnen selbst einige Utensilien des Bierbrauens abhandengekommen waren", sagt Mücke. Alles sei damals strikt geregelt gewesen.

Die Einführung des Kommunbraurechts im 15. Jahrhundert erlaubte den Bürgern, eine bestimmte Menge Bier statt zu Hause in einem gemeindeeigenen Brauhaus herstellen zu lassen. Durch die dort arbeitenden Brauer war das Bier von höherer Qualität, die zusätzlich vom sogenannten "Bierkieser" überprüft wurde.

Im guten Zustand

Das Brauhaus im Gemeindehaus in Köslau ist noch gut erhalten, allerdings fehlt aufgrund von Umbaumaßnahmen zum Beispiel das Kühlschiff. Dieses war früher dort zu finden, wo heute der Gemeinschaftsraum ist. Für eine Gruppe von Bürgern, die es sich auf die Fahne geschrieben haben, in Köslau wieder Bier zu brauen, gibt es noch einiges zu tun, bevor das Ergebnis des ersten Suds probiert werden kann.

Es hat sich sogar ein Verein neu gegründet und eintragen lassen. Vorsitzender ist Oliver Schineller, sein Vertreter Alexander Gehring. Beide und Beisitzer Wolfgang Jagla sitzen zum Pressetermin am Tisch in dem Raum, wo früher das Kühlschiff war. Bei der Frage nach dem Alter des Gebäudes müssen die drei passen. Keiner weiß, wie lange es das Brauhaus, welches aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden soll, schon gibt.

Als ehemalige Verantwortliche für das Bierbrauen im Dorf nennt Oliver Schineller seinen Uropa, Wilhelm Esper. Auch Fritz Braun, Eduard Vierneusel und Sigmund Rügheimer, der letzter Bürgermeister der ehemals selbstständigen Gemeinde Köslau war, werden genannt; sie waren damals die Brau- oder Sudmeister. "Zweimal, im Frühjahr und im Herbst, wurde zu früheren Zeiten gebraut", sagt Alexander Gehring, und Oliver Schineller ergänzt, dass nicht alle, aber so fünf bis sechs Bauern mitgebraut haben. So um 1965 dürfte das Brauen im Dorf "eingeschlafen" sein, wird gemutmaßt.

Die "Rennweg-Brauer"

Die Idee, das Brauhaus zu neuem Leben zu erwecken, kam von Oliver Schineller beim Kirchweihfest im Oktober 2017. Wie heißt der neu gegründete Verein? Wolfgang Jagla grinst fast etwas verlegen, als er sagt: "Wir haben ihn die "Köslauer Rennweg-Brauer" genannt. Das passt ganz gut, da Köslau eine der Ortschaften am Rennweg im Landkreis Haßberge ist.

Die engere Gründungsvor-standschaft setzt sich neben den Vorsitzenden Oliver Schineller und Gehring aus Kassierer Gerhard Ploch, wie Gehring aus Kirchlauter, und Schriftführer Stefan Funck zusammen. Beisitzer sind Wolfgang Jagla, der 1991 aus Bochum nach Köslau kam, Hannes Morgenroth aus Neubrunn, Michael Stussig und Stefan von der Linden, beide aus Kirchlauter.

"Die Resonanz auf die Vereinsgründung war recht gut", sagt Wolfgang Jagla und meint, dass sich etwa 30 Personen be-reiterklärt hätten, beim künftigen Brauen mitzuhelfen.

Die Umgestaltung und Anschaffungen bis zum ersten Sud kosten Geld. "Es wird ein nicht unerheblicher Betrag für das Equipment notwendig sein", sagt Wolfgang Jagla. Deshalb freuen sich die Verantwortlichen auf Sponsoren und weitere Mitglieder. Zuwachs im Verein ist erwünscht, wobei laut Satzung die maximale Mitgliederzahl auf 60 begrenzt wurde.

"Es ist mit der Satzung schon alles in trockenen Tüchern und auch mit dem Notar ist alles geregelt", sagt Vereinsvorsitzender Oliver Schineller.

Was tut sich derzeit? "Wir haben gegenwärtig ein organisatorisches Loch", sagt Jagla. Es gebe noch viel zu tun. Die drei erläutern, dass in dem ehemaligen Gärkeller eine Kühlung installiert wird, wo das Bier gekühlt, gegärt und gelagert wird. "Da musste der Boden ausgehoben werden, damit wir mit der Höhe zurechtkommen", sagt Jagla, da der gesamte Raum zu einer Kühlzelle umfunktioniert werde. Bei anderen Kommunalbrauereien konnte man sich schlaumachen, wie man die Sache angeht und was nötig ist, um den Gerstensaft bald genießen zu können. Von der Einrichtung her ist die "heiße Phase altmodisch, die kalte etwas moderner", sagt Schineller.

Und, wie wird das künftige Bier genannt? "Kösliches Rennwechstöffla", sagen die drei und grinsen.

Unterstützung aus Mürsbach

Eine "Brauerei" braucht einen Braumeister. "Da werden wir von der ,Sonnenbräu' in Mürsbach unterstützt", sagt Oliver Schineller. Damit ist man dann fachlich wohl auf der sicheren Seite. Zuerst soll einmal untergäriges Lagerbier gebraut werden, dann könnte man eventuell weiter experimentieren.

"Der Gärtank kommt von der Firma Kaspar Schulz aus Bamberg, von der auch die bestehende Anlage ist", sagt Gehring, der auf der bestehenden Anlage ein Schild mit der Jahreszahl 1949 entdeckt hat, dem Jahr, in dem wohl letztmals im Brauhaus etwas eingebaut wurde.

Nicht versäumen wollen es die drei Gesprächspartner, die Stadt Königsberg mit Bürgermeister Claus Bittenbrünn zu würdigen: "Vom Bürgermeister, dem Bauamt und vom örtlichen Stadtrat Rainer Vierneusel wurden wir hervorragend unterstützt", so Oliver Schineller.

Wie schon gesagt, einiges ist schon getan, aber noch vieles ist zu tun, bis das erste Bier, das "Köslicher Rennwechstöffla", genossen werden kann. Auf diesen Tag jedenfalls sind alle schon gespannt - nicht nur Köslau.

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