Coburg
Auftritt

Coburger Schubertiade mit meisterhaften Interpreten

Gerhard Deutschmann Etwas Zeit muss man schon mitbringen, wenn man so gründlich in die Musikwelt Franz Schuberts eintauchen will. Aus dem unerschöpflichen Reichtum seiner Werke hatte Musikvorstand Joa...
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Anne-Kathrein Jordan und Antonio Grimaldi beeindruckten bei der Coburger Schubertiade mit vierhändigem Klavierspiel. Foto: Jochen Berger
Anne-Kathrein Jordan und Antonio Grimaldi beeindruckten bei der Coburger Schubertiade mit vierhändigem Klavierspiel. Foto: Jochen Berger

Gerhard Deutschmann Etwas Zeit muss man schon mitbringen, wenn man so gründlich in die Musikwelt Franz Schuberts eintauchen will. Aus dem unerschöpflichen Reichtum seiner Werke hatte Musikvorstand Joachim Rückert eine interessante, ansprechende Vortragsfolge zusammengestellt, an deren Ausführung eine Sängerin, eine Geigerin sowie drei Pianisten beteiligt waren. Das ergab etwa drei Stunden Musik plus zweier halbstündiger Pausen zur körperlichen Stärkung, die sich aber lohnten. Durch das Konzert führte informativ und gelegentlich ausdrucksvoll rezitierend Constanze Rückert.

Den Beginn gestaltete die in Coburg bestens bekannte Sängerin Nele Gramß, die zuerst fünf Lieder nach Texten von Rellstab und Heine aus dem in Schuberts Todesjahr 1828 entstandenen Zyklus "Schwanengesang" vortrug. Sie beeindruckte durch ihre kultivierte Stimme von großer Ausdrucksbreite, mit der sie die jeweilige Stimmung der Lieder bei stets verständlicher Textbehandlung innerlich erfasste und wiederzugeben vermochte.

Als äußerst sichere und anpassungsfähige Mitgestalterin am Flügel erwies sich Anne-Kathrein Jordan. Wenig bekannt (außer dem 3. "Ave Maria") sind die drei Lieder "Ellens Gesang" nach Gedichten des Engländers Walter Scott von Schubert, wobei die beiden ersten eine Art Schlummerlieder eines Kriegers bzw. Jägers darstellen. Auch hier erlebte man einfühlsame, verinnerlichte Interpretationen durch die beiden Künstlerinnen.

Vierhändige Klaviermusik

Teil zwei war der Klaviermusik des Meisters gewidmet. Mit Anne-Kathrein Jordan als Prima und Antonio Grimaldi als Secondo erklang das vierhändige Rondo A-Dur mit einem liedhaften Thema und abwechslungsreichen Zwischenteilen.

Dem Klavierduo Jordan/Grimaldi gelang bei gleicher technischer Zuverlässigkeit und einvernehmlicher Wellenlänge eine ansprechende Wiedergabe. Antonio Grimaldi hatte anschließend noch einen großen Brocken in Gestalt der Sonate G-Dur vor sich, dessen größere Anforderungen nicht nur aus der "himmlischen Länge" bestanden, denen aber der Erfahrene, schon in allen bisherigen Schubertiaden aktiv, mit sicherer Technik und differenziertem Anschlag gerecht wurde.

Ebenfalls zu den Interpreten aller Schubertiaden zählt die Konzertmeisterin des Landestheaters Megumi Ikeda, welcher der Schluss- und Höhepunkt des Abends zugedacht war. Sie begann mit der viersätzigen Violinsonate A-Dur, in der sie gleich von Anfang an ihre geigerischen Fähigkeiten wie makellosen Ton und überlegene Technik nebst einer breiten dynamischen Palette zeigen konnte und im Scherzo sowie im Finale virtuose Passagen glänzend bewältigte. Höchst fingerfertig und anpassungsvoll am Flügel begleitend erlebte man Kyoko Frank.

Bravorufe

Noch einmal traten Nele Gramß und Anne-Kathrein Jordan auf, um das Schubert-Lied und Motto des Konzerts "Sei mir gegrüßt" einfühlsam darzubieten. Dieses Lied spielt nämlich eine große Rolle in der abschließend als Höhepunkt gedachten Fantasie C-Dur für Violine und Klavier, indem dort das Lied nicht nur zitiert, sondern auch in haarsträubenden Variationen verarbeitet wird. Beide Instrumente werden hier in hochvirtuoser Weise gefordert.

Megumi Ikeda und Kyoko Frank waren dem höchst anspruchsvollen Werke in jeder Weise gewachsen und wurden für diese Meisterleistung mit begeistertem Beifall und Bravorufen bedacht. Es wäre zu begrüßen, wenn die vorzüglichen Schubertiaden in der Zukunft noch mehr Zuspruch fänden. Schubert lohnt sich!

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