Coburg

Coburg - Stadt der Kinderrechte?

Bei Entscheidungen in der Kommune soll künftig Kinderwillen und -wohl berücksichtigt werden. Es gibt 22 Kommunen, die das Projekt bereits angegangen sind. In Coburg hat der Stadtrat das letzte Wort.
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Emilia Herr und Marie Martin (beide 10 Jahre alt) aus der Grundschule Neuses sind Expertinnen für Kinderrechte, die sich sogar schon auf hochpolitischem Parket bewegten und ein Treffen mit Bundesministerin Franziska Giffey hatten.  Fotos: Isa Firsching
Emilia Herr und Marie Martin (beide 10 Jahre alt) aus der Grundschule Neuses sind Expertinnen für Kinderrechte, die sich sogar schon auf hochpolitischem Parket bewegten und ein Treffen mit Bundesministerin Franziska Giffey hatten. Fotos: Isa Firsching
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Wer ist für die Einhaltung der Kinderrechte verantwortlich? Was ist für Kinder bereits besser geworden? Was kann noch besser werden? All diese Fragen beschäftigen viele Erwachsene und vor allen Dingen Kinder. Professor Claudia Lohrenscheit und Theresa Falter von der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit an der Hochschule Coburg, der Kinderbeauftragte der Stadt Coburg, Thomas Apfel, und die Rektorin der Grundschule Neuses, Jasmin Müller-Alefeld, hatten deshalb am Dienstag zu einer Auftaktveranstaltung in die Aula der Rückert-Mittelschule geladen. Jeder, der sich für die Etablierung von Kinderrechten in der Politik starkmachen möchte, war geladen. Gekommen waren circa 40 Erwachsenen und drei Kinder.

Die Einhaltung der zehn Kinderrechte ist nämlich bei weitem noch nicht selbstverständlich. Erschreckender ist, dass 70 Prozent aller Kinder nicht einmal wissen, dass es Kinderrechte überhaupt gibt. Norbert Trütschel, Rektor der Rückert-Mittelschule, wies schon in der Begrüßung darauf hin, dass der Weg ein weiter sein werde. "Viele unserer Schüler haben Migrationshintergrund und kommen aus Ländern, in denen Menschenrechte nichts wert sind, geschweige denn Kinderrechte!" Dennoch oder gerade deswegen soll Coburg die erste Stadt der Kinderrechte in Deutschland werden, so wünscht sich das zumindest Prof. Claudia Lohrenscheit.

1989 wurden die Kinderrechte von den Vereinten Nationen auf den Weg gebracht, 1992 ratifizierte die Bundesrepublik Deutschland diese - im Grundgesetz eingetragen sind sie bisher allerdings noch nicht. Wie interessiert Kinder an ihren Rechten sind, zeigte ein Projekt der Grundschule Neuses im Frühjahr: "Die Schüler haben die Kinderrechte förmlich inhaliert", so Jasmin Müller-Alefeld. "In vielen Familien sorgte das dann auch für reichlich Diskussionsstoff."

Was selbstverständlich sein sollte, wird in der Realität oft nur halbherzig umgesetzt. In einem Impulsvortrag stellte Heide Rose-Brückner das Konzept des Vereins "Kinderfreundliche Kommune" vor. Ziel des Vereins ist, Gemeinden dazu zu bewegen, Lebenswelten so zu gestalten, dass Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit immer die Angelegenheiten von Kindern und Jugendlichen berücksichtigen. Um das Label "Kinderfreundliche Kommune" zu erhalten, bedarf es eines Aktionsplanes, in dem konkrete Ziele einschließlich deren Umsetzung genannt werden. Und nun liege es am Stadtrat, sagte Rose-Brückner. Denn dieser müsse ausdrücklich beschließen, dass dieses Projekt, das über vier Jahre laufe, auch umgesetzt werde. "Das ist eine Herausforderung, denn das kostet Geld und Manpower." Jedoch habe sich in den 22 Kommunen, die das Projekt bereits angegangen sind, gezeigt, dass alle davon profitieren.

Coburg habe für Kinder und Jugendliche bereits viele Projekte auf den Weg gebracht, sagte Dritter Bürgermeister Thomas Nowak. Im vergangenen Jahr sei beispielsweise eine Umfrage per Brief unter allen Jugendlichen durchgeführt worden. Das Jugendforum, vertreten durch zwei Sprecher, sei derzeit mit der Gestaltung der Trendsportanlage befasst. Hier gebe es eine enge Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Doch manches, was Coburg vor Jahren als Vorreiter in Sachen Kinder- und Jugendbeteiligung schon aufzubieten hatte, sei leider verschwunden. "Ich würde es sehr begrüßen, wenn der Kinder- und Jugendstadtrat oder der Arbeitskreis Kinderfreundliche Stadt wiederbelebt würden", meinte Thomas Apfel.

An Themen-Tischen wurde am Dienstag eifrig gesammelt, wo in Coburg noch Luft nach oben wäre. Am 20. November wird es eine Folgeveranstaltung geben, um das weitere Vorgehen zu planen.

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