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Coburg

Coburg setzt ein starkes Zeichen

Das Schild, das eine Coburgerin am Samstag mit zur Mahnwache gebracht hatte, brachte es auf den Punkt: "Uns fehlen die Worte für so eine Tat" stand darauf geschrieben. Sprachlos - das waren und sind v...
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Wenn die Worte fehlen, kann es hilfreich sein, gemeinsam zu schweigen - und damit dann gemeinsam ein starkes Zeichen zu setzen. Fotos: Michael Stelzner
Wenn die Worte fehlen, kann es hilfreich sein, gemeinsam zu schweigen - und damit dann gemeinsam ein starkes Zeichen zu setzen. Fotos: Michael Stelzner
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Das Schild, das eine Coburgerin am Samstag mit zur Mahnwache gebracht hatte, brachte es auf den Punkt: "Uns fehlen die Worte für so eine Tat" stand darauf geschrieben. Sprachlos - das waren und sind viele Menschen nach den rechtsextrem motivierten Morden von Hanau. Sprachlos bedeutet aber nicht, auch tatenlos zusehen zu müssen, wie sich Hass und Fremdenfeindlichkeit auszubreiten versuchen in der Gesellschaft. Und so hatte das Netzwerk "Coburg ist bunt", in dem sich federführend unter anderem der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Busch und Coburgs Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (ebenfalls SPD) einbringen, kurzfristig zu einer Mahnwache aufgerufen.

Schweigemarsch

Obwohl zwischen diesem Aufruf und der Veranstaltung keine 24 Stunden lagen, fanden sich am Samstag Treffpunkt fast 400 Menschen ein. Ein starkes Zeichen! Ebenfalls stark: Die Beteiligung erfolgte parteiübergreifend. Fast alle OB-Kandidaten wurden gesichtet; Christian Meyer (CSU), Dominik Sauerteig (SPD), Christian Müller (CSB), Thomas Apfel (Pro Coburg) und Martina Benzel-Weyh (CL) liefen sogar direkt mit beziehungsweise hinter dem "Coburg ist bunt"-Banner.

Kerzen entzündet

Vom Rathaus ging es in einem Schweigemarsch zum Albert splatz. Das Banner wurde vorneweg getragen und vor der Lutherschule, wo sich auch der "Engel der Kulturen" befindet, niedergelegt. Rund um das Banner wurden zahlreiche Kerzen aufgestellt und entzündet.

Das gemeinsame, stille Gedenken an die neun Opfer der Anschläge von Hanau sowie auch an die Mutter des Täters, die von ihm ebenfalls getötet wurde, wurde begleitet von einer kurzen Ansprache von Dekan Andreas Kleefeld. Er machte deutlich, dass viele Menschen den Boden für diese schreckliche Tat bereitet hätten. Und zwar jene Menschen, die durch ihre Sprache sowie durch Verächtlichmachung anderer dazu beitragen, das gesellschaftliche Klima zu verändern. "Zu einem friedlichen Miteinander gehört die Achtung aller Menschen", stellte Kleefeld klar.

Der Dekan rief alle dazu auf, sich für Gewaltlosigkeit einzusetzen, um den Frieden in der Gesellschaft zu bewahren und die große Vielfalt "als Chance für das Leben" zu begreifen. Jeder habe die Verantwortung, ob ein gutes Miteinander aller Menschen gelingt. Der Dekan rief auch dazu auf, den Mund auf zumachen, wenn über Muslime, Juden, Flüchtlinge oder Asylbewerber hergezogen wird.

Rechtsextremes sowie rassistisches Gedankengut habe sowohl zur Gewalttat von Hanau aber auch zum Mord an Walter Lübcke geführt. Diese menschenverachtende Gewalt der letzten Wochen treibe die Spaltung der Gesellschaft voran und unterhöhle die Demokratie, warnte Kleefeld.

Das Netzwerk "Coburg ist bunt" sei laut Kleefeld gegründet worden, weil man der festen Überzeugung ist, dass die bunte Vielfalt, die Coburg zu bieten hat, ein "wahrer Schatz" sei, den man hegen und pflegen sollte. stemi/sb

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