Rugendorf

Clemens Bittlinger & Band begeistern in Rugendorf

Es war mehr als ein bewegendes Konzert oder ein musikalischer Qualitätsbeweis. Es waren knapp zwei Stunden mit klerikalem Hintergrund, einem tiefen Blick in die menschliche Psyche und einer weltumspan...
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Clemens Bittlinger, seine Band und der Chor von St. Hedwig harmonierten beim Konzert in Rugendorf ausgezeichnet. Foto: Horst Wunner
Clemens Bittlinger, seine Band und der Chor von St. Hedwig harmonierten beim Konzert in Rugendorf ausgezeichnet. Foto: Horst Wunner

Es war mehr als ein bewegendes Konzert oder ein musikalischer Qualitätsbeweis. Es waren knapp zwei Stunden mit klerikalem Hintergrund, einem tiefen Blick in die menschliche Psyche und einer weltumspannenden Friedensbotschaft, verbreitet von dem in Kirchenkreisen berühmten Liedermacher, Songwriter und Gitarristen: Clemens Bittlinger, Pfarrer und Poet.

Billinger schuf mit seiner Band, der David Kandert (Percussion) und Adax Dörsam (Gitarre) angehören und dem Chor "Cantora" der Kulmbacher Kirchengemeinde St. Hedwig, eine Aura des Einfühlens und Verstehens, aber auch des Aufrüttelns. All das verwoben die Künstler zu einem musikalischen Teppich im Markgrafen-Gotteshaus St. Erhard und St. Jakob. Das passt zur interkulturellen Woche, die Trennendes überwinden will. Da wurde von den Interpreten unter anderem das Losungslied zum "Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017" intoniert und Familiensongs zum Mitsingen.

Wenn Bittlinger seine Stimme erhebt, folgt man ihm gerne. Das Trio erfüllt hohe Ansprüche, bewies Instrumentenvielfalt auf der Ukulele und der Saz Baylama aus Turkmenistan. Da taten sich ungewohnte, sehr fremdländisch anmutende Klangmelodien auf, man spürte fast schon verloren Geglaubtes.

Dazwischen erkling Jazziges, Dörsams Groove geht unter die Haut, zu dritt füllen die Musiker rhythmisch perfekt den Kirchenraum aus. Als Frontmann und glänzender Rhetoriker erweist sich Bittlinger, der gerne auch politisch wird und seinen eigenen Reim auf das Deutschland-Lied textet - mit der Erkenntnis: "Wir wurden verkauft an den Nazi-Wahn." Er lotet den Verrat in allen Variationen aus: "In jedem von uns steckt ein Judas". Dennoch rät er zum Verzeihen. Er singt über das Vergehen der Zeit, das Endliche und das Unendliche, liest dazu noch einige Auszüge aus seinem Buch.

Die Zuhörer folgen gebannt seinen Erzählungen und Anekdoten. Ein bisschen lustig wird es auch: Eine Methode zum Einschlafen? "Ich zähle immer bis drei oder halb vier". Beeindruckend ist das musikalische Verständnis der drei. Ihr Musikstil begeistert das Publikum.

Tosender Beifall und stehende Ovationen zum Finale, und so gibt es noch zwei Zugaben. Eine davon der Song zur Fridays-forFuture-Bewegung: "Was wirst du sagen, wenn dein Kind dich fragt über die Welt von Morgen?"

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