Uehlfeld

Christen und Juden im Einklang

In der Woche der Brüderlichkeit zu Besuch in der ehemaligen Synagoge in Uehlfeld.
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Gästeführerin Christiane Kolbet steht vor dem Fenster, an dem einmal der Eingang der Männer in die Synagoge war. Foto: Sylvia Hubele
Gästeführerin Christiane Kolbet steht vor dem Fenster, an dem einmal der Eingang der Männer in die Synagoge war. Foto: Sylvia Hubele

Man muss schon zweimal schauen, wenn man erkennen will, dass das schlichte Lagergebäude mit der Rampe an der Traufseite einmal eine Synagoge war: Der Erker, in dem die Thorarollen im Schrein aufbewahrt wurden, ist an der Ostseite noch zu sehen, ebenso wie die fünf großen Fenster an der südlichen Längsseite. Auch die zwei Eingänge an der Westseite lassen sich noch erahnen. Durch den nördlichen betraten die Frauen das Gebäude, der südliche war den Männern vorbehalten.

Nach dreijähriger Bauzeit war die Uehlfelder Synagoge Anfang 1818 fertiggestellt worden und wurde im März feierlich eingeweiht. Von diesem Tag existiert noch ein Bericht, erzählte Christiane Kolbet, Gästeführerin im Aischgrund. Sie hatte zu einer Führung rund um die ehemalige Synagoge eingeladen, der mehr als 50 Menschen folgten.

Da Juden erst seit der Zeit Napoleons überhaupt das Erlernen eines Handwerks erlaubt war, wurden die meisten Arbeiten am Gebäude von christlichen Handwerkern der Umgebung ausgeführt. Die neue Synagoge ersetzte damit das alte, 1696 errichtete Gebäude und wurde vom christlichen Maurer als "Zierde von Uehlfeld" bezeichnet.

Das nach Osten ausgerichtete Bauwerk war ein modernes Sakralgebäude einer liberalen jüdischen Gemeinde. In seiner ersten Predigt beschwor der Rabbiner die Gemeinsamkeiten der christlichen und jüdischen Religion, berichtet Kolbet.

Samson Wolf Rosenfeld predigte jedoch nicht nur Integration, sondern setzte sich aktiv dafür ein, dass Juden die gleichen Rechte wie Christen erhalten. Wie fortschrittlich die vermeintliche Provinz war, lässt sich bereits daran ablesen, dass die Uehlfelder Synagoge die erste Synagoge war, in der in deutscher Sprache gepredigt wurde.

Christlich-jüdische Kontakte

Auch wenn die hiesigen Rabbiner Freundschaften zu den ortsansässigen Pfarrern pflegten und die Gemeindemitglieder mehr als 100 Jahre friedlich mit den Christen Haus an Haus wohnten, half es nicht gegen die Schrecken der Nationalsozialisten. Seit den 20er Jahren war die NSDAP in Uehlfeld ansässig und bereits 1933 so stark, dass sie vor ihrem Vereinslokal einen Galgen mit Judenpuppe aufstellten, an dem ein Schild verkündete, dass hier Platz für alle Juden sei.

Obwohl bereits Verkaufsverhandlungen für die Synagoge liefen, schüttete der Ortsgruppenleiter der NSDAP am 10. November 1938 gemeinsam mit zwei anderen Männern Petroleum und Benzin auf das Mobiliar und zündete alles an. Bis auf die Außenmauern brannte die Syn agoge nieder.

Nach Ende des Krieges erwarb die Raiffeisengenossenschaft die Ruine und baute das Gebäude zum Lager um. Heute befindet es sich in Privatbesitz und eine Tafel erinnert an die wechselvolle Geschichte des Gemäuers und an die Menschen, die einst hier lebten und von denen viele nicht überlebten.

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