Vierzehnheiligen

Chor rollt Klangteppiche aus

Überraschungen und ein Flanieren zwischen musikalischen Epochen zeichnen den Würzburger Monteverdi Kammerchor bei seinem Auftritt in der Basilika Vierzehnheiligen aus. Sogar Alphornklänge und Frank Sinatra gibt es.
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Dirigieren aus dem Publikum heraus - auch das kam vor: Matthias Beckert führte seinen Chor mit Leidenschaft. Foto: Markus Häggberg
Dirigieren aus dem Publikum heraus - auch das kam vor: Matthias Beckert führte seinen Chor mit Leidenschaft. Foto: Markus Häggberg

Ausgeklungen. Die Saison ist nun vorüber, aber sie verabschiedete sich am Sonntagnachmittag in der Basilika mit einem erinnerungswürdigen Adventskonzert. Zwei Stunden zwischen Renaissance, Moderne und anderweitig Erstaunlichem.

Der Parkplatz vor dem Gotteshaus war voll. Drinnen verhielt es sich auch nicht anders, denn kaum ein Stuhl war leer geblieben. Gewiss lag es daran, dass der Würzburger Monteverdi Kammerchor ein Renommee hat. Es ist ein noch junger gemischter Chor, noch nicht einmal 20 Jahre alt. Aber es gibt sogar internationale Musiklabels, die sich für Aufnahmen mit ihm interessieren, die Produktionen mit ihm zuwege brachten.

In alle Winkel der Basilika

Als er den Altarraum betrat, währte der Applaus so lange, wie es eben dauerte, Aufstellung zu nehmen. Und dann setzte etwas von höchster Präzision ein: La Fleur des Cloches. Bei diesem vom deutschen Komponisten Hans Schanderl (*1960) stammenden Stück rollte der Chor einen Klangteppich aus Lautmalereien aus, aus sich doppelnden Stimmen, die sich in alle Winkel der Basilika hinein verhallten. Es war wie ein Musterbeispiel für den in den nächsten 120 Minuten folgenden Umgang mit Rhythmik und Genauigkeit in feinsten Stimmlagenabstufungen.

Hinter dem Ganzen steht Martin Beckert, und der Mann lieferte für alle weithin sichtbar ein leidenschaftliches Dirigat. Der Professor für Chorleitung an der Hochschule für Musik in Karlsruhe ist Gründer des Chores, mehrfacher Preisträger angesehener Chorwettbewerbe, gefragt für Zusammenarbeiten mit Symphonikern. Ein geradezu inbrünstig zu nennendes Dirigieren sollte ihm bei Max Regers (1873-1916) "Es kommt ein Schiff geladen" unterkommen. Doch wer hätte mit Frank Sinatra gerechnet? Eine Ode an ihn gab es geradezu und für die Ausgestaltung von "My Way" zeichneten Harry Ries und Markus Ritzel verantwortlich. Der eine ein niederländischer Professor für Posaune und einstiger Solo-Posaunist u.a. beim WDR-Symphonie-Orchester, der andere ein Lichtenfelser Organist in den Endzwanzigern, Dozent u.a. in den Fächern Tonsatz oder Gehörbildung. Gemeinsam musizierten sie an einem in der Basilika relativ seltenen bespielten Ort: den der Orgel im Seitenflügel, nahe der Krippe. Aber eben dieser Ort hielt somit auch Nähe zum Publikum vor.

Kurz zuvor war Ritzel noch von der Orgelempore zu vernehmen, als er Georg Muffats (1653-1704) Toccata Quinta bemeisterte; durchzogen von interessanten Läufen in atmosphärischer Dichte. Ries selbst sollte an diesem Nachmittag für ein Duett mit der Orgel gar zum Alphorn greifen.

Zwei Stunden Musikvergnügen durch Überraschungen und einem Flanieren zwischen unterschiedlichsten musikalischen Epochen. Selbstverständlich gab es zu adventlichem Anlass auch Bach und Händel.

Letztlich aber kam es auch dazu, dass der Chor das vor dem Hauptaltar sitzende Publikum quasi einrahmte, nach Männer- und Frauenstimmen getrennt und für Händels großartiges "Tochter Zion".

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