Bayreuth

Chaos in Oberfranken

Neumeister ausgebootet: Nach der Wahl zum stellvertretenden Bezirksvorsitzenden steht der oberfränkische Fußball vor Zerreißprobe.
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Quo vadis, Bezirk Oberfranken? Auf den Vorsitzenden Thomas Unger wartet viel Arbeit.  Foto: bfv
Quo vadis, Bezirk Oberfranken? Auf den Vorsitzenden Thomas Unger wartet viel Arbeit. Foto: bfv
Torsten Ernstberger

Sie warben für Geschlossenheit, forderten Zusammenhalt. Doch kurz nach den öffentlichen Einigkeitsbekundungen beim Bezirkstag versinkt der Bezirk Oberfranken des bayerischen Fußballverbandes (BFV) mehr denn je im Chaos.
"So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt Manfred Neumeister. "Für mich ist klar: Man will mich aus dem Verband rausdrücken." Der Vorsitzende des Kreises I (Bamberg/Bayreuth/Kulmbach) war Topkandidat für den Posten des stellvertretenden Bezirksvorsitzenden. Doch bei der Tagung des Bezirksausschusses in Bischofsgrün fiel die Wahl überraschend auf Melanie Türk (Vorsitzende des Frauen- und Mädchenausschusses). Die Kulmbacherin war von Andreas Leffer (Vorsitzender des Sportgerichts) vorgeschlagen worden. Türk bekam fünf Stimmen, Neumeister zwei. Zudem enthielt sich ein Stimmberechtigter, ein anderer fehlte. "Eine Wahl kann man verlieren, das akzeptiere ich", sagt Neumeister. "Aber diese Spielchen drum herum mache ich nicht mit."
Und diese begannen für ihn mit der Entscheidung des Ex-Bezirksvorsitzenden Karlheinz Bram, sein Amt Ende des Jahres 2017 niederzulegen. Er hatte gleichzeitig Thomas Unger als Nachfolger vorgeschlagen, der kurz darauf vom BFV-Präsidium berufen wurde - und so einen zweimonatigen Vorsprung gegenüber anderen Kandidaten erhielt.
Neumeister wollte dennoch Anfang März bei der Wahl gegen Unger antreten, verzichtete aber auf eine Kampfkandidatur. "Zum Wohl des oberfränkischen Fußballs", wie Neumeister sagt. Aber auch, weil ihm in Gesprächen mit Unger und BFV-Präsident Rainer Koch zugesichert wurde, dass der Kreis I - der mit Abstand größte Oberfrankens - mit ihm als stellvertretenden Vorsitzenden eine tragendere Rolle im Bezirk bekommt. "Meine Nichtkandidatur war ein Vertrauensvorschuss", sagt Neumeister. "Dieser wurde nicht nur mit Füßen getreten, sondern vernichtet. Der Verband hat sich von der Basis entfernt."


Vereine sind verärgert

Diese Basis sind die Vereine - und die sind sauer. Martin Scholti (BSC Bayreuth-Saas), Sprecher der Vereine im Kreis I, verdeutlicht: "Diese Machenschaften im Bezirk sind mehr als fragwürdig. Wir werden dieses abgekartete Spiel so nicht hinnehmen." Eine Satzungsänderung müsse her: Das zweitwichtigste Amt im oberfränkischen Fußball dürfe nicht mehr vom Ausschuss gewählt werden.
Deutliche Worte findet Gerhard Thiem: "Die Basis hat eine Maulschelle bekommen, die Entscheidung gegen Neumeister ist eine Lächerlichkeit hoch drei." Der Vorsitzende des SV Stechendorf hatte bereits beim Bezirkstag den BFV kritisiert und in die Pflicht genommen. "Jetzt zeigt sich, dass man sich nicht auf Absprachen mit dem Verband verlassen kann. Das ist absolut traurig." Nun bestimme weiter der kleinste Kreis über den größten. Dem Kreis I gehören fast 50 Prozent der Vereine Oberfrankens an, er stellt aber nur zwei von neun stimmberechtigten Mitgliedern im Bezirksausschuss. Zwei kommen aus Coburg/Kronach/Lichtenfels - und fünf aus Hof/Marktredwitz.
An dieser Konstellation hätte sich zwar auch mit Neumeister als stellvertretendem Vorsitzenden nichts verändert, doch der Kreis I hätte dann nach Ansicht Thiems und Scholtis einen starken Fürsprecher auf einer wichtigen Position gehabt. Melanie Türk - ihr machen beide keine Vorwürfe - ist das für sie nicht. Der Kandidat der Vereine sei Neumeister, er habe beim Kreistag 100 Prozent Zustimmung für seine Arbeit bekommen. Doch diese werde nicht gewürdigt. Zwar habe Unger Neumeister als Stellvertreter vorgeschlagen, sich bei der wichtigen Entscheidung aber als "schwache Führungsperson" gezeigt.


Unger hofft auf Zusammenarbeit

Thomas Unger weist diesen Vorwurf zurück. Er habe im Vorfeld der Wahl bei den Ausschuss-Mitgliedern für Neumeister geworben. "Dass es eine Gegenkandidatin gab und die Wahl nicht so ausgegangen ist, wie man sich es gewünscht hat, muss man akzeptieren", sagt der Konradsreuther. Zudem gab und gebe es keine Bestrebungen, den Kreis I zu benachteiligen. "Ich hoffe auf eine gute Zusammenarbeit mit Neumeister. Die Tür ist offen." Doch der Hollfelder hat darauf wenig Lust, zumindest nicht auf Bezirksebene. An den Ausschusssitzungen will er nur notfalls teilnehmen. "Aber ich tue meinen Gegnern nicht den Gefallen und trete zurück", sagt Neumeister. "Die Vereine haben mir so viel Zuspruch gegeben. Für sie setze ich mich weiter als Kreisvorsitzender ein - jetzt mehr denn je."
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